An der australischen Börse hat vermutlich ein Computerfehler am 18. Oktober die Kurse mehrerer Aktien in die Höhe schießen lassen. Die Unternehmen aus dem australischen Index S&P ASX/200 gewannen kurzzeitig 10 Mrd. US-Dollar hinzu. Die örtliche Börsenaufsicht untersucht den Vorfall. Die ungewöhnlichen Kurssprünge seien durch Aufträge ausgelöst worden, die kurz vor Handelsstart wieder storniert wurden, erfuhr die Nachrichtenagentur Bloomberg von mit der Untersuchung vertrauten Personen. Hochfrequenzhändler stehen in der Kritik, durch Platzieren und schnelles Zurückziehen von Aufträgen Kurse zu beeinflussen.
Die Kurse der Australia & New Zealand Banking Group Ltd. (ANZ), von AGL Energy Ltd., Brambles Ltd. und von mindestens acht anderen Unternehmen schossen am fraglichen Tag kräftig in die Höhe, nachdem vorbörslich umfangreiche Kauforder zu Preisen platziert worden waren, die weit über dem Schlusskurs des Vortages lagen. ANZ sprang 6,4 Prozent höher, Brambles 7,4 Prozent. Der Index S&P ASX 200 stieg kurzzeitig um 0,9 Prozent.
Alle Aufträge stammten vermutlich von einem einzigen Akteur, da sie gleichzeitig zu drei bestimmten Zeitpunkten eingetroffen seien, sagte Michael Aitken, Finanzprofessor an der Universität von New South Wales, dem Magazin Business Week.
Ein Unbekannter hat laut Bloomberg 27.78 Dollar für ANZ-Papiere geboten, die bei 25.95 Dollar geschlossen hatten. Für AGL gab er Gebote von15.88 Dollar ab, geschlossen hatte die Aktie bei 14.86 Dollar.
Der Börsenbetreiber ASX bezeichnete den Vorfall als ungewöhnlich und kündigte eine informelle Untersuchung an.
ASX gibt nach drei Tagen für jede Transaktion die Identifikationsnummer des Brokers bekannt, allerdings wird dabei nicht angegeben, ob das Handelshaus für sich oder für Kunden tätig wird. Die Nummern für den 18. Oktober wurden entsprechend diese Woche veröffentlicht. Der größte Kauf unmittelbar nach Handelsstart am 18. Oktober habe 550.000 ANZ-Aktien umfasst, schreibt Bloomberg. Er sei laut Identifikationsnummer von Goldman Sachs getätigt worden. Weitere Handelshäuser, die im fraglichen Zeitraum Papiere erwarben, seien Citigroup, Deutsche Bank, JP Morgen Chase und Macquarie.
Es sei nicht ungewöhnlich, dass Akteure Gebote abgäben, die deutlich über oder unter dem Schlusskurs lägen, sagte Aitken der Business Week, denn diese Gebote würden bevorzugt behandelt. Für den australischen Fondsmanager Angus Gluskie trägt der Vorfall alle Merkmale eines Computerfehlers. Die Börsenkürzel der Firmen, deren Papiere betroffen waren, beginnen fast alle mit den Buchstaben A und B, wie Business Week schreibt. Australiens Börsen eröffnen den Handel in alphabetischer Reihenfolge, teilte ASX mit.
Der Börsenbetreiber hat in Australien kürzlich die Handelsplattform PureMatch speziell für Hochfrequenzhändler eröffnet, um neben dem neu hinzugekommenen Konkurrenten Chi-X bestehen zu können.
An Börsen in aller Welt kam es in den vergangenen Jahren zu teils extremen Kursbewegungen, die Computerfehlern zugeschrieben werden. Erst Anfang des Monats hatten fehlerhafte Order eines Händlers in Mumbai den S&P CNF Nifty Index innerhalb von acht Sekunden um 16 Prozent abstürzen lassen.
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Im August überflutete eine neue, fehlerhafte Handelssoftware des großen Handelshauses Knight Capital die US-Börsen mit fehlerhaften Aufträgen und häufte mehr als 440 Mio. Dollar Verlust in 45 Minuten an. Mehr als 140 Aktien waren betroffen, die Kurse schlugen aus und der Handel mit diversen Papieren musste zeitweise ausgesetzt werden. Das größte Durcheinander spielte sich von 9:30 bis 10:15 Uhr New Yorker Zeit ab. Dann konnten Techniker der Firma die Software stoppen. Besonders verheerend war der Fehler für Knight Capital selbst: Die Firma blieb nach dem Order-Feuerwerk auf vielen zu teuer gekauften Aktien sitzen.
Anfang Oktober schossen aufgrund eines Computerfehlers die Aktien des Lebensmittelherstellers Kraft sofort nach Eröffnung des Handels an der New Yorker Technologiebörse Nasdaq binnen 60 Sekunden um nahezu 30 Prozent auf 58,54 Dollar nach oben. Schuld war vermutlich der fehlerhafte Algorithmus eines Hochfrequenzhändlers, der erst nach einer Stunde aufgedeckt und behoben werden konnte. Zum Handelsschluss notierte die Kraft-Aktie 1,2 Prozent schwächer mit 44,87 Dollar.
Der sogenannte "Flash Crash" im Mai 2010, als der US-Aktienindex Dow Jones binnen Minuten um 1000 Punkte sank und wieder stieg, führte den Behörden erstmals die Gefahren des computergestützten Hochfrequenzhandels vor Augen - und stieß eine lange Debatte um seine Regulierung an.