Nationale Alleingänge bei der Regulierung gehören nicht unbedingt zu den effektivsten Mitteln, um globalisierte Kapitalmärkte in geordnete Bahnen zu lenken. Das liegt zum einen an den Ausweichbewegungen, die das scheue Kapitalreh so gern macht, wenn es ihm irgendwo zu eng wird. Zum anderen aber ist es auch nur folgerichtig, dass man sich in einem gemeinsamen europäischen Binnenmarkt mit freiem Kapital- und Zahlungsverkehr auf europäische Regeln festlegt. Und nicht auf einen nationalen Flickenteppich mit deutschen, französischen, italienischen oder anderen Spezialausprägungen setzt.
Diese Erkenntnis bleibt auch wahr, wenn es um den arg in die Kritik geratenen Hochfrequenzhandel geht. Letzterem wird schon lange vorgeworfen, Marktschwankungen an den Börsen zu verstärken und damit Marktschocks zu vergrößern. Gleichzeitig mögen nur noch wenige so richtig den gesellschaftlichen Mehrwert erkennen, wenn in Sekundenbruchteilen riesige Wertpapiervolumina auf der Basis von mathematischen Algorithmen hin- und hergeschoben werden, nur um kleinste Kursdifferenzen auszunutzen. Abhilfe tut besonders dort not, wo Computerhändler dem Markt nur zum Schein Liquidität anbieten und ihre Preisgebote zurückziehen, sobald sich der Markt in eine für sie ungünstige Richtung entwickelt.
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Der Vorstoß Deutschlands, den superschnellen Handel mit Wertpapieren jetzt im Alleingang zu zähmen, ist aber ein Beispiel, wie man es nicht tun sollte. Wie Regulierungsungeduld den europäischen Gedanken konterkarieren kann und dem gemeinsamen Ziel, stabilere Wertpapiermärkte, womöglich eher schadet. Weil er den politischen Druck, eine europäische Lösung zu finden, reduziert. Und natürlich ist der Vorstoß ein Affront gegen die europäischen Institutionen, allen voran die EU-Kommission. Denn mit der Überarbeitung der europäischen Finanzmarktrichtlinie Mifid II hatte der Hochfrequenzhandel längst schon den richtigen Platz auf der Regulierungsagenda. Eine neue deutsche Vorreiterrolle brauchte es da nicht.
Zudem haben die Börsen selbst schon das Problem des Hochfrequenzhandels als solches erkannt. Denn der Imageschaden, den dubiose Marktschwankungen verursachen, kann schwerer wiegen als die Einnahmen, die die Hochfrequenzhändler bringen. Es ist deshalb eine vielversprechende Alternative, zumindest aber eine Ergänzung zur Regulierung, wenn die Börsen ihr Gebührenmodell für die Hochfrequenzhändler überarbeiten. Und wenn sie Wertpapieraufträge, die nur zum Schein, nur zum Markttesten getätigt werden, stärker ahnden. Gerade der ultraschnelle Wertpapierhandel, der winzigste Preisdifferenzen ausnutzen will, ist besonders empfindlich bei Kostensteigerungen in seinem Geschäftsmodell.
wie sich deutsche Politik lange bereits gibt.
HFT läßt sich ganz einfach ohne direkte Eingriffe begrenzen, indem nämlich auch die nicht zur Ausführung gelangten 99% der schnellen Trades, die wieder kostenfrei storniert werden, jeweils einzeln ebenfalls einer Gebühr unterlegt werden, die sonst nur der ausgeführten Order übergehängt wird.
So ist nicht etwa Regulierung, sondern wie in diesem Beispiel weniger (Ausnahme-) Regulierung stets zielführend.
Das wäre allerdings nur Menschen beizubringen, die ihr Hirn gelegentlich auch einschalten, sofern vorhanden.
Leider gibt´s davon zu wenige.