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Merken   Drucken   05.02.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Hohe Nachfrage: Firmenanleihen gefragt wie selten zuvor

Das Emissionsvolumen europäischer Firmen steigt im Januar um 65 Prozent. Die Nachfrage ist teils zehnmal so hoch wie das Angebot.
© Bild: 2011 dapd/Thomas Lohnes
Das Emissionsvolumen europäischer Firmen steigt im Januar um 65 Prozent. Die Nachfrage ist teils zehnmal so hoch wie das Angebot. von Stefan Schaaf  Frankfurt
Europäischen Firmen haben zum Jahresauftakt ihre neuen Anleihen von den Investoren regelrecht aus den Händen gerissen bekommen. Unternehmen außerhalb des Finanzgewerbes brachten laut Datenanbieter Thomson Reuters im Januar neue Schuldverschreibungen im Umfang von 48,3 Mrd. Dollar (36,6 Mrd. Euro) bei Anlegern unter, rund 65 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. "Im niedrigen Zinsumfeld suchen Anleger Investitionen, die noch etwas Rendite versprechen", sagte Matthias Minor, Experte der Royal Bank of Scotland. Zwischen vier und fünf Prozent an Zinsen werfen viele der neuen Anleihen großer Konzerne ab.
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Die Emittenten hätten sogar noch mehr einsammeln können. Minors Abteilung hatte in einer Januarwoche für vier Anleihen im Gesamtvolumen von rund 3 Mrd. Euro Gebote über 30 Mrd. Euro. Experten führen die starke Nachfrage nach Anleihen auch auf das billige Geld zurück, das die Europäische Zentralbank (EZB) Banken in rauen Mengen bereitstellt. Ein Teil davon fließt offenbar auch in Firmenanleihen. Auf zehn bis 15 Prozent beziffern Banker den Anteil der Banken am Umfang der Orderbücher.
Allerdings ist der starke Jahresauftakt auch ein Spiegelbild der Entwicklung in der Euro-Schuldenkrise. Viele Firmen nutzen, so die Experten der DZ Bank, die aktuell entspannte Stimmung aus. Das beobachtet auch Minor von der Royal Bank. "Derzeit ist das Fenster offen. Viele Unternehmen gehen lieber früher als später an den Markt. Sie sind unsicher, ob sie auch dann frisches Geld bekommen, wenn sie einen konkreten Finanzierungsbedarf haben."
Bei den Neuemissionen ließ die Bedeutung des Euro ohnehin nach. Laut Thomson Reuters wurde im Januar nur gut die Hälfte des Volumens in Euro begeben. In den vergangenen drei Jahren waren es in diesem Monat jeweils mehr als 60 Prozent gewesen. An Bedeutung gewannen Dollar, Pfund Sterling, norwegische Krone und Schweizer Franken.
Deutlich verhaltener ist dagegen der Markt für Bankanleihen ins Jahr gestartet. Nachdem das Geschäft im Dezember nahezu zum Erliegen gekommen war, brachen die Institute zu Jahresbeginn zwar wieder neue Papiere auf den Markt. Allerdings lag das Volumen für gedeckte und unbesicherte Bankschuldverschreibungen mit 41,7 Mrd. Dollar sowie 121,6 Mrd. Dollar jeweils rund ein Drittel unter dem Wert von Januar 2011.
Zunächst hatten insbesondere große Institute aus den Kernländern der Euro-Zone sowie aus Skandinavien und Großbritannien Papiere platziert. Erst zum Monatswechsel hatten die Commerzbank und die italienische Intesa Sanpaolo mit unbesicherten Anleihen (Senior Unsecured) und die spanische Santander mit einer gedeckten Anleihe (Covered Bond) die Basis erweitert. Nach Einschätzung von Nord/LB-Analyst Matthias Melms ist insbesondere die Santander-Anleihe ein "Türöffner für andere Emittenten aus dem südlichen Bereich der Euro-Zone".
  • FTD.de, 05.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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