Nicht nur Chinas Industriekonzerne, sondern auch die vier größten Staatsbanken drängen zunehmend ins westliche Ausland. Das gilt vor allem für die USA, wo die dortige Notenbank jetzt erstmals die Übernahme eines amerikanischen Geldhauses durch ein staatliches aus China genehmigt hat. So darf die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) 80 Prozent der US-Tochter der Hongkonger Bank of East Asia kaufen, die 13 Zweigstellen in New York und Kalifornien unterhält. Die mit 183,9 Mrd. Euro Börsenwert weltgrößte Bank ist damit die erste aus China, die in den USA ins Geschäft mit Massenkunden vorstößt.
Die Federal Reserve (Fed) erlaubt zudem der Bank of China , der Nummer drei des Landes, eine Zweigstelle in Chicago zu eröffnen, nachdem sie schon in New York und Los Angeles Niederlassungen hat. Die Agricultural Bank, die Nummer vier, kann in New York eine Filiale eröffnen.
Auch wenn die Bank of East Asia in den USA nur 780 Mio. Dollar verwaltet: Dass die Fed den Chinesen den Weg ebnet, ist ein Meilenstein in den sino-amerikanischen Geschäftsbeziehungen. Vor allem der Einstieg der ICBC war heftig umstritten. Sie hatte ihren Antrag, bei der US-Tochter der Bank of East Asia einzusteigen, bereits Anfang 2011 gestellt, war aber bis jetzt von der Fed hingehalten worden - meist dauert das Bearbeiten eines solchen Falls keine 60 Tage.
Doch der politische Widerstand in den USA, vor allem aber die Bedenken der Amerikaner hinsichtlich der Bankaufsicht in China waren ausschlaggebend dafür, dass sich der Prozess so lange hinzog. Dem Durchbruch vorausgegangen war ein China-Besuch von Außenministerin Hillary Clinton, Finanzminister Timothy Geithner und Fed-Chef Ben Bernanke in der vergangenen Woche. Dabei bescheinigte die US-Seite China erstmals überhaupt, seine Banken umfassend und seriös zu beaufsichtigen. Das wiederum war die Voraussetzung dafür, der ICBC den Eintritt in den US-Markt zu erlauben.
Nun könnten weitere Deals dieser Art folgen. "Es ist jetzt zudem auch einfacher für chinesische Banken, neue Filialen in den USA aufzumachen", sagte Anwalt Ernest Patrikis von der Kanzlei White & Case, der die ICBC vertritt. Im Gegenzug dürften US-Finanzfirmen leichteren Zugang zum chinesischen Markt erwarten, glaubt Eswar Prasad, Professor an der renommierten Cornell University und Ex-Chef der China-Abteilung beim Internationalen Währungsfonds (IWF).
Aber auch außerhalb der USA greifen die Chinesen an. So will die China Construction Bank (CCB), die zweitgrößte des Landes, Insidern zufolge das Südamerika-Geschäft der siechen WestLB kaufen. Die Gespräche mit der Düsseldorfer Landesbank, die abgewickelt wird, liefen auf einen Preis von 200 bis 300 Mio. Dollar hinaus und könnten schon im Juni zum Abschluss gebracht werden, heißt es. Neue Banklizenzen in Südamerika zu erhalten, gilt als sehr aufwendig - eine bereits bestehende zu erwerben, ist der deutlich leichtere Weg.
Und die nächste Gelegenheit für die Chinesen, in der Gegend zuzuschlagen, gibt es bereits: So will sich die britische HSBC stärker auf Asien konzentrieren und sich deshalb von Geschäftszweigen in Lateinamerika trennen. Zum Verkauf stehen die Bereiche in Kolumbien, Peru, Uruguay und Paraguay, mitsamt ihren etwa 70 Filialen, wie Europas größte Bank am Donnerstag mitteilte. Gespräche mit Interessenten gebe es bereits. 2011 hatte HSBC in Lateinamerika vor Steuern 2,2 Mrd. Dollar verdient.