Indexneubesetzung:Zigaretten gegen den Weltuntergang
Der französische Versicherer Axa verliert seinen Platz im Stoxx 50 Europe an Imperial Tobacco. Erwartet der Indexanbieter Stoxx etwa das Ende der Euro-Zone, wenn Zigaretten wichtiger sind als Versicherungen? Eine nicht ganz ernst gemeinte Betrachtung
von Frank BremserFrankfurt
Weiß man in Zürich mehr als im Rest Europa? Der Indexanbieter Stoxx ändert die Zusammensetzung des Stoxx Europe 50 und nimmt damit womöglich die zukünftige Wirtschaftsordnung der Euro-Zone vorweg. Denn verlassen muss den Index am 19. Dezember der Versicherungskonzern Axa.
Aufrücken wird Imperial Tobacco, der viertgrößte Tabakkonzern der Welt. Also Gauloise und Roth-Händle statt Klassik-Rente und BoxPlus. Das alleine hat schon einen besonderen Reiz: Lungenkrebs statt Altersvorsorge. Das senkt die Kosten für das Rentensystem, erhöht aber die Rechungen an die Krankenversicherung - eine schwierige Abwägung, die Stoxx da treffen musste.
So viel böse Hintergedanken sollte man den Zürcher Indexhütern aber nicht unterstellen. Schlüssiger wird die Entscheidung, wenn man sie in den Zusammenhang der europäischen Schuldenkrise stellt. Denn wer braucht schon noch eine Lebensversicherung, die in Euro ausgezahlt wird, wenn der Währungsraum zusammenbricht? Und wenn das passiert, was die schlimmsten Skeptiker apokalyptisch an die Wand malen, dann wird sowieso gar keine Versicherung mehr gebraucht.
Denn wenn marodierende Banden auf der Suche nach Lebensmitteln durch die Lande ziehen, dann hilft auch keine Hausrat- oder Brandschutzversicherung mehr. Was braucht man stattdessen? Zigaretten. Die waren schon nach dem Zweiten Weltkrieg eine begehrte Ersatzwährung. Goldene Zeiten für die neue EZB Imperial Tobacco.
Folgt man dieser Logik weiter dürften im Stoxx50 Europe noch weitere Umwälzungen anstehen: Banken gibt's dann eh nur noch in der Schweiz, also werden die Plätze von Unicredit, Santander oder der Deutschen Bank frei. Potenzielle Nachrücker wären vielleicht Rheinmetall oder LVMH. Ein Leopard 2 oder ein MG3, wie sie der Düsseldorfer Konzern im Angebot hat, können sicherlich nicht schaden. Ebenso wie ein paar Flaschen Hennessy-Cognac oder Dom Perignon-Champagner als Tauschmittel. Für friedliebende Menschen böten sich auch die Landwirtschaftskonzerne BayWa oder KTG Agrar an.
Aber zum Glück ist die Erklärung weniger prosaisch: Imperial Tobacco hat die Axa schlichtweg in der Marktkapitalisierung bezogen auf den Streubesitz überholt. Aber das dürfte immerhin auch eine Folge der Finanzkrise sein.
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