Geld anlegen nach Plan: Von Aktien bis Hedge-Fonds, von Edelmetallen bis zu Index-Zertifikaten.
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Im Sommer 2006 wollten die Norweger dem Treiben nicht länger tatenlos zusehen. Die Manager des staatlichen Pensionsfonds verkauften auf einen Schlag alle Aktien der US-Supermarktkette Wal-Mart. Und das nicht etwa, weil Wal-Mart eine Gewinnwarnung herausgegeben hätte oder der Konsum im Einzelhandel einzubrechen drohte. Wal-Mart hatte vielmehr aus Sicht der Skandinavier seine Angestellten schlecht behandelt - und ging allzu nachlässig mit Arbeitnehmerrechten um.
Für die US-Supermarktkette war die Entscheidung eines der größten Pensionsfonds der Welt schmerzhaft. Sie zeigt, dass Investoren vermehrt darauf achten, nur in solchen Firmen Geld anzulegen, die nachhaltig wirtschaften und ihre ökologische und soziale Verantwortung wahrnehmen. Socially Responsible Investments (SRI) entwickeln sich derzeit von einem Nischenthema zum breiten Anlagetrend.
Laut einer Umfrage des Fachblatts Investment & Pensions Europe (IPE) im Juni erwarten europäische Vermögensverwalter, dass der Anteil an Kapitalanlagen, die nach ökologischen und ethischen Kriterien konstruiert sind, in den kommenden zwei Jahren um mindestens 35 Prozent steigen wird.
Robert Haßler, Chef der Rating-Agentur Oekom Research, die sich auf nachhaltige Investments spezialisiert hat, bestätigt diese Einschätzung: "Zwischen 2005 und 2007 hat sich der europäische Gesamtmarkt verdoppelt. Sogar eine weitere Verdopplung bis 2011 ist durchaus realistisch."
In Deutschland ist der SRI-Markt vergleichsweise unterentwickelt: Im deutschsprachigen Raum sind erst 254 SRI-Publikumsfonds zugelassen, in denen gut 30 Mrd. Euro verwaltet werden. Das ergab eine Studie des Sustainable Business Institute an der European Business School in Oestrich Winkel. Europaweit sind es dagegen schon 2,7 Billionen Euro und weltweit mehr als 5 Billionen.
"SRI-Produkte nach ganz strengen Maßstäben haben in Deutschland vielleicht einen Marktanteil von einem Prozent", erklärt Silke Riedel, Leiterin des Investment Research beim Marktforscher Imug in Hannover. "In Europa haben sie schon rund fünf Prozent, vor allem Skandinavien, Großbritannien und Frankreich sind sehr weit."
In diesem Jahr haben die Debatte um den Klimawandel und nicht zuletzt die Finanzmarktkrise SRI-Produkte aus Sicht vieler Anleger attraktiver werden lassen. Tatsächlich versprechen die Öko- und Ethikinvestments gutes Geld: Nach einer Studie des Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Universität Stuttgart liegt die Performance von SRI- Fonds oder Zertifikaten in der Regel nicht niedriger als die herkömmlicher Produkte.
Das ZEW fand sogar heraus, dass die Performance tendenziell steigt, je strenger die Fonds die Unternehmen für ihr Portfolio auswählen. Der Natur-Aktien-Index (NAI), der rigoros Firmen ausschließt, selbst wenn nur die Konzernmutter den Nachhaltigkeitskriterien nicht genügt, entwickelte sich in den vergangenen Jahren meist deutlich besser als andere Nachhaltigkeitsindizes.
Teil 2: Noch geringes Anlageuniversum