Die Praktiker -Großaktionärin Isabella de Krassny ist in Österreich wegen eines Insiderverdachts in das Visier der Justiz geraten. Dabei geht es nicht um die deutsche Baumarktkette, sondern um den Erwerb von Aktien des IT-Unternehmens Phion. Die Ermittlungen gehen nach Angaben eins Sprechers der Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Wien auf eine Anzeige der österreichischen Finanzmarktaufsicht zurück und laufen bereits seit einigen Monaten. Den Aufsehern waren Unregelmäßigkeiten beim Handel mit Phion-Aktien aufgefallen.
Neben de Krassny werde noch gegen sechs weitere Personen ermittelt, berichtet das österreichische "Wirtschaftsblatt". De Krassny stellt die Vorwürfe entschieden in Abrede. "Ich erwarte eine Einstellung des Verfahrens in den nächsten Tagen", sagte sie der FTD.
Für die 53-jährige Fondsmanagerin kommen die Ermittlungen der Justiz zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Sie streitet sich gerade mit dem Vorstand der insolvenzgefährdeten Baumarktkette Praktiker über ein Sanierungskonzept. De Krassny vertritt für die zyprische Beteiligungsgesellschaft Maseltov und die Wiener Bank Semper Constantia rund 15 Prozent der Praktiker-Stimmrechte. Die Österreicherin fordert unter anderem die Ablösung von Vorstandschef Kay Hafner. Sie will ihn durch den ehemaligen Obi-Chef Andreas Sandmann ersetzen. Trotz ihres Widerstands verlängerte der Aufsichtsrat in der vergangenen Woche den Vertrag von Hafner, allerdings nur um drei Monate.
Die Österreicherin stemmt sich gegen das vom Praktiker-Vorstand vorgelegte Finanzierungskonzept, das einen Kredit in Höhe von 85 Mio. Euro vom Finanzinvestor Anchorage vorsieht. Der verlangt für das Darlehen einen Zinssatz von mehr als 15 Prozent und die Praktiker-Tochter Max Bahr als Sicherheit. De Krassny behauptet, das Darlehen würde Knebelbedingungen beinhalten. Die Österreicherin konterte mit einem alternativen Plan. Dieser würde jedoch nicht "die notwendige Transaktionssicherheit" bieten, erklärte Hafner.
De Krassny gilt als Schnäppchenjägerin. Sie ist ständig auf der Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Ein solches war für sie auch die Firma Phion, bei der sie im Juli 2009 für die Beteiligungsgesellschaft Donau Invest eingestiegen war. Kurz zuvor hatte der US-Konzern Barracuda eine Übernahmeofferte von 12 Euro pro Aktie vorgelegt. Im September 2009 stockte Barracuda das Angebot auf 16 Euro auf. De Krassny bestreitet, dass sie zum Zeitpunkt des Aktienkaufs von der Nachbesserung gewusst habe. Sie legte der FTD einen Brief des Eigentümers von Barracuda vor. Darin heißt es, dass man erst im September 2009 entschieden habe, die Offerte zu erhöhen. "Damit sind alle Zweifel ausgeräumt", so de Krassny.
Trotzdem muss die Fondsmanagerin sich damit zurzeit mit zwei schwierigen Fällen befassen. Wie das Tauziehen bei Praktiker weitergeht, ist unklar. Vor Kurzem hatte die Wiener Bank Semper Constantia, für die de Krassny die Praktiker-Anteile managt, ihren Anteil an der Baumarktkette leicht gesenkt. Dies sorgte für Spekulationen, die Österreicher würden bei dem deutschen Unternehmen wieder aussteigen. Dem Vernehmen nach dürfte es sich hier aber nur um ein Säbelrasseln handeln. De Krassny gilt als hartnäckig und gibt nicht so schnell auf.