FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Der 500 Mrd. Euro schwere Hoffnungsschimmer

Merken   Drucken   21.12.2011, 16:24 Schriftgröße: AAA

Kampf gegen die Schuldenkrise: Der 500 Mrd. Euro schwere Hoffnungsschimmer

Nach der jüngsten Liquiditätsspritze stehen die Banken bei der EZB mit mehr als 900 Mrd. Euro in der Kreide. Allerdings haben die Institute nun Planungssicherheit für drei Jahre.  Europa hat die Chance, die Krise hinter sich zu lassen.
© Bild: 2011 AFP/DANIEL ROLAND
Kommentar Nach der jüngsten Liquiditätsspritze stehen die Banken bei der EZB mit mehr als 900 Mrd. Euro in der Kreide. Allerdings haben die Institute nun Planungssicherheit für drei Jahre. Europa hat die Chance, die Krise hinter sich zu lassen. von André Kühnlenz 
523 Banken leihen sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) 489 Mrd. Euro - der höchste Betrag, den Geldinstitute jemals auf einen Schlag bei der EZB abgerufen haben. Die gewaltige Liquiditätsspritze löste Euphorie an den Märkten aus, die allerdings rasch verpuffte.
Eine deutsche 45-Mrd.-Euro-Kreditlinie für den IWF …

 

Eine deutsche 45-Mrd.-Euro-Kreditlinie für den IWF …

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Das Auf und Ab der Kurse am Aktien- und Bondmarkt endete vorerst mit Verlusten, was dafür sprechen könnte, dass pessimistische Anleger wenig Wirkung erwarten. Optimisten hoffen auf lange Sicht, dass die Milliarden so etwas wie eine sich selbst verstärkende Aufwärtsspirale in Gang setzen werden, weil das Vertrauen vieler Anleger in die Banken wieder wachsen werde. Denn in der Tat ist die Gefahr, dass die Institute den Unternehmen und Konsumenten den Kredithahn zudrehen, erheblich gesunken. Wie auch immer: Für ein Urteil, was für Wirkungen die Liquiditätsspritze in den nächsten Wochen entfalten werden, ist es zu früh.
Die 489 Mrd. Euro sind für ein Zeitraum von höchstens drei Jahren verliehen worden. Diese halbe Billion darf nicht mit dem ebenfalls gewaltigen Betrag verwechselt werden, den die Geldhäuser ohnehin schon bis vor wenigen Tagen der Zentralbank schuldeten. Anfang der Woche waren es mehr als 700 Mrd. Euro.
Die Bankhäuser hatten am Dienstag in Erwartung der großzügigen Geldspritze wöchentliche Kreditlinien über rund 120 Mrd. Euro nicht mehr verlängert. Zur Erinnerung: Vergangene Woche lag ihre Geldleihe bei der EZB mit einer Frist von sieben Tagen bei 292 Mrd. Euro. Am Dienstag waren es nur noch 169 Mrd. Euro. Das heißt: Die Institute haben gut 123 Mrd. "gerollt", wie Banker die Umverteilung gerne nennen.
Da die Institute sowieso schon wissen, dass sie für längere Zeit sich Woche für Woche Geld von der Notenbank leihen müssen, ersetzten sie also ein Teil der wöchentlichen Kreditsumme mit einem Dreijahresdarlehen. Dies ist ungefähr so, also wenn ein Privatkunde einen dreijährigen Kredit bei seiner Hausbank aufnimmt, weil er schon jetzt genau weiß, dass er in den nächsten drei Jahren niemals aus dem Dispo herauskommen wird.

Teil 2: Ende der Refinanzierungssorgen

  • FTD.de, 21.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 22.12.2011 15:39:39 Uhr   Senior Vice President: Banken noch (er-)traUEN ß

    Liebe Banken!
    ich lese oben:!
    "Das Misstrauen der Banken untereinander und bei den Investoren hat mittlerweile solche Ausmaße erreicht, dass es ohne die Geldspritzen wohl nicht mehr geht. "
    Könnte mir bitte jemand erklären, warum ich irgendeiner Bank (ver-)trauen soll, wenn man sich in dieser Branche gegenseitig nicht mehr traut? Ist diese Verkommenheit noch steigerbar ?

  • 21.12.2011 18:28:22 Uhr   Pequod: In memory of Bernie Madoff
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