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Merken   Drucken   23.01.2012, 11:39 Schriftgröße: AAA

Kapitalismus in der Krise: Chinas langer Marsch zum Markt

China befindet sich in der Spätphase des Übergangs zu einer freien Wirtschaft. Die Krise lässt an diesem Ziel zweifeln. Doch die Regierung muss den eingeschlagenen Kurs beibehalten.
© Bild: 2012 Reuters/BOBBY YIP
Kommentar China befindet sich in der Spätphase des Übergangs zu einer freien Wirtschaft. Die Krise lässt an diesem Ziel zweifeln. Doch die Regierung muss den eingeschlagenen Kurs beibehalten. von Qin Xiao
Qin Xiao ist Vorsitzender der Boyuan Foundation und ehemaliger Chef von China Merchants Group and China Merchants Bank.

In den frühen 50ern herrschte in China weithin die Ansicht, die sozialistische Regierung sei der Retter der Armen und der freie Markt das Übel unserer Gesellschaft. Dann in den 60ern schickte mich diese Regierung zur Umerziehung in die Innere Mongolei. Da erkannte ich, dass solch ideologischer Eifer die Fehler unserer Planwirtschaft verschleierte. Das war der Anfang meiner China-Geschichte. Die Reform der vergangenen 30 Jahre habe ich als Wirtschaftsführer miterlebt und viel über die Probleme gelernt, die wir in China bewältigen müssen.
Heute befindet sich das Land in der Spätphase des Übergangs von der Plan- zur Marktwirtschaft - und die Diskussionen über die Beziehung zwischen Regierung und Markt unterscheiden sich von denen in Ländern, die über ein gut etabliertes Marktsystem verfügen.
Demokratie und Markt - kein Traumpaar
Der Kapitalismus ...

 

Der Kapitalismus ...

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Die chinesische Wirtschaft ist in den vergangenen drei Jahrzehnten jährlich um zehn Prozent gewachsen. Aber es bleibt die Frage: Ist dieser Erfolg der staatlichen Kontrolle zuzuschreiben, oder ist er Effekt des freien Markts? Die Antwort darauf wird Chinas Zukunft prägen. Wird das Land seine Reformen hin zu einem freien Markt fortsetzen, oder wird es den Übergang beenden? Rühren Chinas Wirtschaftsprobleme und sozialen Konflikte von den marktorientierten Reformen oder von Engpässen und Rückschritten bei diesen? Ist Chinas vom Staat dominiertes Wirtschaftsmodell ein vorübergehendes Arrangement, das seine Ziele erreicht hat? Oder ist es eine Innovation, die gestärkt werden sollte?
Nehmen sich demokratische Regierungen Wirtschaftsproblemen an, können sie damit der Effizienz schaden oder überreagieren. Sie sind durch Wählerpräferenzen und innerparteiliche Grabenkämpfe eingeschränkt. Die moderne Demokratie und der Marktmechanismus sind nicht immer ein Traumpaar. Aber es gibt kein Utopia und kein vollkommenes System. Ob diese Systeme sich selbst erhalten und von der Gesellschaft akzeptiert werden können, hängt davon ab, ob sie grobe Fehler vermeiden. Und ob sie über Mechanismen verfügen, mit denen Fehler korrigiert und das System entsprechend angepasst werden kann.
In der Vergangenheit haben Volkswirte und Politiker nach Alternativen zum modernen Marktsystem gesucht. Die beiden großen Experimente waren das Lenin-Stalin-Modell der Sowjetära, auf dem Chinas Planwirtschaft unter Mao Tse-tung aufbaute, und das ostasiatische Modell, das Japan in den 60ern und 70ern verkörperte und in Japan und Ostasien ein Wirtschaftswunder auslöste.

Teil 2: Was wird aus China?

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Kommentare
  • 24.01.2012 15:28:58 Uhr   Strichnid: Vom Westen lernen

    China könnte vom Westen lernen, gar nicht erst so weit in Richtung freier Markt zu gehen, wie der Autor sich das wünscht. Es ist falsch, Aufgaben der Daseinsvorsorge zu privatisieren, wo offener Wettbewerb ohnehin nicht zu erwarten ist - zB die Bahnen, die Energienetze oder das Gesundheitswesen. Auch ist es fatal, die Verfügbarkeit von Ressourcen dem freien Spiel der globalen Märkte auszuliefern. Wir Europäer können ein Lied davon singen, was das heißt, während China mit seinem großen Einfluss auf die eigene Wirtschaft sowie auch auf die Rohstoffmärkte und seiner Weitsicht auf die Versorgungssicherheit, die mit Quartalsdenkern der freien Wirtschaft nicht machbar ist, uns den Rang abläuft. Da kann man China nur raten, das beizubehalten und nicht auf diesen Herrn zu hören.

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