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Merken   Drucken   02.02.2012, 09:26 Schriftgröße: AAA

Kapitalismus in der Krise: David Rothkopf - der Hybrid-Kapitalismus kommt

Die angloamerikanische Sichtweise vom freien Markt ist passé. In Zukunft wird der Staat wieder eine wichtigere Rolle spielen - womöglich als asiatisch dominierter Hybride.
© Bild: 2012 Bloomberg/Farrar, Straus & Giroux
Kommentar Die angloamerikanische Sichtweise vom freien Markt ist passé. In Zukunft wird der Staat wieder eine wichtigere Rolle spielen - womöglich als asiatisch dominierter Hybride. von David Rothkopf
David Rothkopf, Mitglied des Carnegie-Thinktanks und früherer Unterstaatssekretär der Regierung Clinton

Es wurde viel darüber geschrieben, dass Ereignisse der jüngsten Vergangenheit die Wirtschaftsführer in Davos zwangen, sich mit Themen wie Ungleichheit und der Zukunft des Kapitalismus auseinanderzusetzen. Derlei öffentliche Innenschau zieht zwar verdientermaßen die Art Zynismus nach sich, die auch andere Davoser Traditionen hervorrufen - wie Galadiners, bei denen die Mächtigen über den Hunger in der Welt diskutieren, und Diskussionsrunden für geladene Gäste, in denen über die Not der Entrechteten debattiert wird. Doch der Fokus auf die Zukunft des Kapitalismus goss noch eine Extraportion Ironie und reichlich Gipfelskepsis obendrauf.
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Die Ironie ist, dass die Zukunft der freien Märkte nicht von den Alphakapitalisten in Davos bestimmt werden wird. Auch wird diese Zukunft nicht so aussehen, wie auf Gipfeltreffen in jüngster Vergangenheit angenommen wurde. Das Ergebnis dürfte viele überraschen und sich von dem unterscheiden, was wir vor ein paar Jahren als wahrscheinlich glauben gemacht wurden.
Nach dem Kalten Krieg dachten viele, wir hätten die Antwort auf die großen Fragen zur Beziehung zwischen öffentlicher und privater Macht gefunden. Die Sichtweise der Marxisten, alles dem Staat zu überlassen, war gescheitert. Die Sichtweise der Anhänger Milton Friedmans, alles dem Markt zu überlassen, hatte obsiegt. Doch der Siegestaumel war verfrüht. Nicht nur, dass wir nicht das Ende der Geschichte erreicht hatten, wir traten in eine neue Phase des jahrhundertealten Wettstreits zwischen öffentlichem und privatem Sektor um die Macht ein - ein Zeitalter konkurrierender Kapitalismussysteme.
Neben dem Wirtschaftsdarwinismus des angloamerikanischen Modells und dem Kapitalismus "chinesischer Ausprägung" gibt es nun den "Euro-Kapitalismus", den "demokratischen Entwicklungskapitalismus" Indiens und Brasiliens, die starke soziale Zielsetzungen mit ihren Wachstumsambitionen verknüpfen, und den kleinstaatlichen Unternehmerkapitalismus Singapurs, der Golfstaaten und Israels.
Mit Sicherheit lässt sich wohl nur vorhersagen, dass die angloamerikanische Sichtweise an Einfluss verlieren wird. Außerdem wird man wohl global zu dem Konsens gelangen, dass der Staat eine größere Rolle auf dem Markt spielen sollte.

Teil 2: Immer weniger Wirtschaftsdarwinismus

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Kommentare
  • 03.02.2012 00:15:54 Uhr   Kapi Tal Ismus: @ Toni Ketzer

    P.S.:
    Wenn ich Sie richtig verstanden habe, dann halten Sie Tarifverträge und ähnliche Regeln, die die Arbeit unnötig verteuern, für marktwidrige Eingriffe. Bitte beantworten Sie mir die Fragen:

    1. Wie groß muss die Senkung der Löhne und Gehälter sein, damit sich die Arbeit der "Arbeitgeber" wieder lohnt?
    2. Flächendeckend, als Rechenbeispiel, schlage ich mal eine Senkung von 30 % vor. Es handelt sich ja um ein sozialistisches Unding, der zu hohe Lohn. Das Medianeinkommen von 3.600 € würde dann auf 2.300 € sinken. Welche Folge hätte das für den Konsum? Würden Sie dann, als wahrscheinlich Selbstständiger, diese 1.300 € Kaufkraftverlust kompensieren?

    3. Wie erklären Sie und damit auch der Markt, dass nicht nur der Staat verschuldet ist, sondern auch die Privathaushalte, die Unternehmen, die Finanzwirtschaft? Betreiben jetzt Alle Sozialismus?

    4. Wie erklärt der Markt die Tatsache, dass das OTC-Volumen des Finanzbereiches bei rund $ 60 Trillion liegt, das Weltwirtschaftsvolumen bei rund $ 74 Trillion (Zahlen stammen vom IWF). Wozu dienen eigentlich die $ 60 Trillion OTC-Volumen?

    4. Wenn also Alles, was Sie als sozialistisches, unnötiges Gedöns halten, wobei Sie sich noch nicht geoutet haben, was Alles darunter fällt, abgeschafft ist, was passiert dann mit, z.B. den Massenherstellern aller mgl. Konsumprodukte? Wie schaffen es z. B. die Autohersteller ihre Absatzzahlen nicht nur nicht zu halten, sondern sogar zu steigern?

  • 02.02.2012 22:58:53 Uhr   Kapi Tal Ismus: @ Toni Ketzer
  • 02.02.2012 19:05:49 Uhr   khaproperty: Noch so`n Clinton-Nachlaß.
  • 02.02.2012 16:54:34 Uhr   Toni-Ketzer: Sozialisten und deren Funktionäre?
  • 02.02.2012 15:06:23 Uhr   Kapi Tal Ismus: @Toni-Ketzer
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