Spätestens der Ausbruch der Finanzkrise 2007 hat zu einem neuen Nachdenken über den Kapitalismus geführt. Die FTD will mit dieser Serie ihren Beitrag dazu leisten.
Teil 2: Arbeitsplätze immer unsicherer
Der Autor hat Recht, wenn er feststellt, dass - wie ich es ausdrücke - die Klassen aufgehoben sind, und wir alle ein bisschen zu jeder Klasse gehören. Die Klassen an sich sind fraktalisiert und delegiert bis zur Unkennbarkeit. Eine Handlung von uns als Verbraucher kann uns indirekt schaden als Arbeitnehmer. Das stimmt schon alles. Nur fehlt mir die Lösung. Darüber hätte er schon ein bisschen mehr nachdenken können.
Daneben fehlt die Erkenntniss, dass "wir" nicht wir alle gleichmäßig sind. Manche von uns sind ein bisschen mehr Anleger, manche sind ein bisschen mehr Arbeitnehmer, andere hauptsächlich Verbraucher. Und je nachdem, welche Rolle wir mehr verkörpern, leiden oder profitieren wir mehr oder weniger von Regulierung bzw. Deregulierung.
Mein Lösungsvorschlag wäre ein demokratischer: Entscheiden wir gemeinsam darüber, was wir reguliert haben wollen, und zwar direkt. Nicht mehr über die Umwege lobbygesteuerter Politiker oder gar per Daumen-Entscheid der Finanzmärkte. Wir können gemeinsam entscheiden, dass Rauchen in Gaststätten verboten sein soll. Und ich kenne Menschen, die sich dafür entschieden, obwohl sie Raucher sind, aber die Regel dennoch für sinnvoll halten, solange sich alle dran halten müssen.
Genauso wäre es mit Produkten aus Kinderarbeit im Supermarkt. Es hilft nicht zu jammern, dass zu viele Menschen Schnäppchenjäger sein wollen. Fragt man sie, sagen sie: "Ach, wenn ich es nicht kaufe, kauft es doch ein anderer." Wenn sie aber einem Gesetz zustimmen könnten, dass den Verkauf solcher Produkte generell verbietet, würden sie es wohl tun, auch wenn sie dann künftig Kleidung teurer kaufen müssen.
Es hilft nicht auf Lösungen zu hoffen, die im Wesentlichen eine plötzliche Verhaltensänderung vieler Individuen voraussetzt.