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Merken   Drucken   01.09.2011, 20:27 Schriftgröße: AAA

Konjunktureinbruch: Berlin unterschätzt Wachstumsdelle

Exklusiv Im Aufschwung war die Bundesregierung in den beiden vergangenen Jahren stets sehr zurückhaltend mit ihren Prognosen: Sie musste sie regelmäßig nach oben korrigieren. Nun liegt sie wohl erneut daneben - diesmal allerdings in die andere Richtung. von Mathias Ohanian
Den kräftigen Aufschwung verfolgte die Bundesregierung in den vergangenen beiden Jahren als äußerst konservativer Beobachter: Regelmäßig wurde sie von positiven Wachstumszahlen überrascht und musste im nachhinein des Öfteren ihre Prognose nach oben revidieren. Auch das Haushaltsdefizit für 2011 schätzte sie in den vergangenen Veröffentlichungen zu pessimistisch ein: Vor nicht einmal zwölf Monaten rechnete sie noch mit einem Fehlbetrag von 3,7 Prozent.
Deutscher Haushaltssaldo in % des Bruttoinlandsprodukts   Deutscher Haushaltssaldo in % des Bruttoinlandsprodukts
Und auch heute könnte die Regierung danebenliegen - erstmals allerdings in die andere Richtung. Der aktuelle konjunkturelle Schwächeanfall der deutschen Wirtschaft ist noch nicht eingepreist. In ihrer aktuellen Prognose erwartet Berlin für das kommende Jahr ein Wachstum von 1,8 Prozent. Fast unisono sehen Fachleute hier jedoch Korrekturbedarf - diesmal allerdings nach unten: "Nach dem heutigen Stand ist die Wachstumsprognose der Bundesregierung zu optimistisch", sagte Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts IMK.
"Schon eine Eins vor dem Komma wird im kommenden Jahr sehr schwierig werden", sagte Carsten-Patrick Meier, Ökonom bei der Researchfirma Kiel Economics, der an der Erstellung der halbjährlichen Gemeinschaftsdiagnose für die Regierung beteiligt ist. "Die Prognose der Bundesregierung ist kaum mehr realistisch", sagte er. Ähnlich sehen es Geschäftsbanken: So rechnet etwa die Deutsche Bank für 2012 ebenfalls nur mit 0,8 Prozent. Einem ganzen Prozentpunkt weniger also. Nach gängiger Daumenregel bedeutet das ein höheres Haushaltsdefizit von einem halben Prozentpunkt. Schon bald könnten auf den Finanzminister also ungemütliche Zeiten zukommen.
Kräftig gesunken ist das deutsche Defizit. In der ersten Jahreshälfte lag der Fehlbetrag bei nur 0,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Der Finanzminister freut sich. Die Frage ist bloß: Wie lange noch?
  • Aus der FTD vom 02.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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