FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marodierendes Geld macht IWF nervös

Merken   Drucken   06.01.2011, 16:13 Schriftgröße: AAA

Konsequenz aus der Krise: Marodierendes Geld macht IWF nervös

Jahrzehntelang pochte der Währungsfonds auf einen ungehemmten Kapitalfluss zwischen den Staaten. Doch die Finanzkrise hat Risiken der Liberalisierung aufgezeigt. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn erwägt Leitlinien, um unerwünschte Geldschwemmen zu verhindern. von Barbara Schäder  Frankfurt
Der Internationale Währungsfonds (IWF) nimmt die weltweiten Kapitalflüsse unter die Lupe. Das IWF-Direktorium unter Dominique Strauss-Kahn will laut einer Mitteilung vom Mittwochabend Leitlinien für den Umgang mit Geldströmen entwickeln. Der schnelle Zu- oder Abfluss von Kapital habe "in der jüngsten Krise eine Schlüsselrolle gespielt, weil er Schocks über die Grenzen getragen hat", teilte der IWF mit.
China stemmt sich nicht nur gegen die Fluten des Jangtse - es ...   China stemmt sich nicht nur gegen die Fluten des Jangtse - es dämmt auch Kapitalzuflüsse ein
Nach Ausbruch der Weltwirtschaftskrise brachen die grenzüberschreitenden Investitionen in Unternehmen, Immobilien, Aktien und andere Vermögenswerte kräftig ein. Nachdem die Nettokapitalzuflüsse in die Schwellenländer 2007 ein Rekordvolumen von fast 700 Mrd. Dollar erreicht hatten, gingen sie laut IWF 2008 auf weniger als 200 Mrd. Dollar zurück. 2010 stiegen sie nach einer vorläufigen Schätzung auf 340 Mrd. Euro.
Nicht nur der Einbruch in der Krise, auch das Anschwellen der Kapitalströme in den Jahren davor habe Probleme geschaffen, heißt es in einem IWF-Papier vom November, auf dessen Grundlage das Direktorium beriet: "Er war eine Ursache für die ausufernde Kreditvergabe und Vermögenspreisblasen."
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Die Debatte über diese Gefahr hat an Schärfe zugenommen, seit die US-Notenbank Anfang November eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik ankündigte. Die Fed will bis Mitte dieses Jahres bis zu 900 Mrd. Dollar in US-Staatsanleihen investieren, um deren Zinsen zu drücken und damit die Konjunktur zu stützen. China und Brasilien fürchten indes, dass US-Anleger auf der Suche nach höheren Renditen ihr Geld in ihre rasant wachsenden Märkte investieren und damit eine Überhitzung herbeiführen könnten.
Brasilien schränkt Wetten auf steigenden Real ein
Brasilien hat wegen der hohen Kapitalzuflüsse überdies mit einer Aufwertung der Landeswährung Real zu kämpfen, die gegenüber dem Dollar 2010 um 4,6 Prozent zulegte. Um Schäden für die Exportwirtschaft abzuwenden, will die Zentralbank Wetten auf einen weiteren Anstieg des Real stoppen. Sie beschloss dazu eine Art Strafgebühr für die heimischen Banken.
Bei Dollar-Leerverkäufen, also Wetten auf einen weiteren Verfall des Greenback gegenüber dem Real, müssen die Kreditinstitute künftig Geld bei der Zentralbank hinterlegen. Der Betrag muss 60 Prozent der verkauften Dollar-Beträge entsprechen. Das Gesamtvolumen der Wetten brasilianischer Banken gegen den Greenback hatte Ende Dezember 16,8 Mrd. Dollar erreicht. Der Real fiel nach der Ankündigung dieser Regel, die in drei Monaten in Kraft tritt, um 0,5 Prozent auf 1,6829 Reais pro Dollar.
Brasilien hat zur Schwächung seiner Währung bereits den Steuersatz auf ausländische Investitionen in Anleihen auf sechs Prozent angehoben. Zudem kauft die Zentralbank kräftig Dollar auf.

Teil 2: IWF warnt vor überhasteter Liberalisierung

  • FTD.de, 06.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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