Kopf des Tages:Jules Kroll, der Sherlock Holmes der Finanzen
Als Wirtschaftsdetektiv spürte Jules Kroll die Konten von Saddam Hussein auf und schuf einen Milliardenkonzern. Jetzt will es der 68-Jährige noch mal wissen: Er attackiert das Oligopol der Ratingagenturen mit einer eigenen Firma. von Felix Wadewitz
Jules Kroll ist nicht der Typ, dem etwas entgeht. Die geheimen Konten von Saddam Hussein hat er in Panama und Jordanien gefunden. Sagenhafte 10 Mrd. $ hatte der Diktator des Irak aus den Öleinnahmen seines Landes abgezweigt und versteckt. Dann kam Kroll. Der Mann hat ein fotografisches Gedächtnis für Gesichter, Details, Zahlen, einfach alles. Als eine Art cooler Sherlock Holmes für Finanzen spürte der Ex-Staatsanwalt auch die geheimen Geldquellen von Marcos auf, dem philippinischen Pendant zu Saddam.
Krolls Business ist nichts für zarte Gemüter. Als in Mexiko eine Entführungswelle durchs Land rollte, expandierte er: Seine Sicherheitsfirma stellte neues Personal ein, um nervösen Firmenchefs auf Geschäftsreisen Schutz zu bieten. Wie praktisch, dass auch eine Fabrik für gepanzerte Fahrzeuge zu seinen Firmen gehörte. Seine Geschäfte haben den Workaholic reich gemacht. Sein Sicherheitsunternehmen hat er 2004 verkauft, von dem 1,9-Mrd.-$-Deal sollen Kroll rund 100 Mio. $ für die eigene Tasche geblieben sein. Als Verwaltungsratschef arbeitete er aber noch bis 2008 weiter.
Jules Kroll: "Wir machen unsere eigene Recherche"
Der 68-Jährige hätte sich endgültig in den Ruhestand verabschieden können, um den Lebensabend mit seiner Frau, den vier Kindern und seinen vier Hunden zu verbringen. Stattdessen hat er sich die Finanzmarktkrise genauer angesehen. Dabei ist ihm eine Geschäftsidee gekommen: Kroll will seine berüchtigte Präzision gegen die etablierten Ratingagenturen einsetzen - indem er selbst eine gründet. Das neue Unternehmen soll bereits nach drei Jahren einen Umsatz von 100 Mio. $ erzielen und sich auf strukturierte Finanzinstrumente konzentrieren, das ist jedenfalls der Plan.
Krolls Motiv: Die großen drei, Standard & Poor's, Fitch und Moody's, übersehen dem Meister der Details viel zu viel. Vor allem bei der Bewertung von Hypothekenpapieren lagen sie häufig dramatisch daneben. "Fitch wusste noch nicht einmal, dass 15 Prozent der Leute mit Hypotheken ihre Raten gar nicht zahlen", sagt Kroll. Tatsächlich hat das Image der Ratingagenturen durch die Finanzkrise stark gelitten, weil sie Risiken oftmals einfach ignoriert haben.
Das will Kroll besser machen. "Wir machen unsere eigene Recherche", sagt Kroll. Zusammen mit etablierten Finanzdienstleistern wird er nun selbst die Kreditwürdigkeit von Unternehmen untersuchen. Kritiker streuen bereits Zweifel an der Expertise des ehemaligen Detektivs. Ein Ex-Kunde von Kroll, die Stanford Financial Group, steht gerade im Mittelpunkt eines 7-Mrd.-$-Betrugsskandals. Kroll reagiert verschnupft auf die Kritik.
Seine Karriere begann mit einem Studentenjob im Senatorenbüro von Robert Kennedy, dem Präsidentenbruder. Als Staatsanwalt in New York entdeckte er dann sein Interesse an Korruptionsfällen. 1972 machte er sich schließlich selbstständig. Seine schnell wachsende Firma durchleuchtete für Geschäftspartner neue Mitarbeiter und Kunden. Mit der Suche nach dem Geld von Saddam Hussein wurde Kroll schließlich berühmt.
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