So sehr sich die Anzeichen für einen Aufschwung in Deutschland zuletzt auch verdichtet haben, das böse K-Wort macht noch immer die Runde. Das Horrorszenario der Pessimisten geht so: Die Nachfrage zieht an, die Unternehmen wollen investieren - doch die immer noch nicht gesunden Banken halten sich mit Krediten zurück, sodass Investitionen unterbleiben. Eine flächendeckende Kreditklemme würgt den Aufschwung ab, noch bevor er richtig begonnen hat.
Tatsächlich besteht die Gefahr eines solchen Szenarios, wie Institutionen von der Bundesbank bis zum IWF zu Recht warnen. Daher ist es legitim, wenn sich Wirtschaftsvertreter Gedanken machen, wie sie die Refinanzierung von Unternehmen sicherstellen können. Auch ihre Forderung, beim Verbriefungsmarkt für Kredite anzusetzen, ist richtig. Eine Wiederbelebung dieses Marktes kann dazu beitragen, eine Kreditklemme zu verhindern.
Sicher war die Verpackung von Krediten ein Grund dafür, dass es überhaupt erst zu der Finanzkrise kommen konnte, wie ihre Kritiker argumentieren. Schuld daran war jedoch nicht das Instrument an sich, sondern sein exzessiver Einsatz. Kredite wurden dutzendfach gestückelt und zu immer komplexeren Produkten zusammengeschnürt, sodass am Ende kaum einer mehr wusste, wer welche Risiken in seinen Büchern hatte.
Damit sich ein solcher Exzess nicht wiederholt, ist es sinnvoll, Grenzen einzuziehen und Anreizsysteme zu ändern. Deshalb ist es der Ansatz der EU richtig, dass die Banken einen Teil der Kreditrisiken behalten sollen.
Bleiben die Verbriefungen in einem gesunden Maß, sind sie ein hilfreiches Mittel, um das Eigenkapital der Banken zu schonen - vor allem, wenn auf die Institute künftig härtere Eigenkapitalregeln zukommen. Denkbar ist daher auch eine begrenzte Anschubhilfe der Politik über die Staatsbank KfW, um den kollabierten Verbriefungsmarkt wiederzubeleben. Auf diese Weise hätten die Banken mehr Spielraum für die Kreditversorgung der Wirtschaft. Den müssten sie dann aber auch nutzen.