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Merken   Drucken   21.09.2009, 19:41 Schriftgröße: AAA

Krisenszenario: Die schöne Verpackung von Krediten  

Leitartikel Eine Wiederbelebung des Verbriefungsmarktes ist ein sinnvolles Mittel, um der Gefahr einer Kreditklemme zu begegnen. In Maßen eingesetzt ist die Verpackung von Krediten kein Teufelszeug.
So sehr sich die Anzeichen für einen Aufschwung in Deutschland zuletzt auch verdichtet haben, das böse K-Wort macht noch immer die Runde. Das Horrorszenario der Pessimisten geht so: Die Nachfrage zieht an, die Unternehmen wollen investieren - doch die immer noch nicht gesunden Banken halten sich mit Krediten zurück, sodass Investitionen unterbleiben. Eine flächendeckende Kreditklemme würgt den Aufschwung ab, noch bevor er richtig begonnen hat.
Tatsächlich besteht die Gefahr eines solchen Szenarios, wie Institutionen von der Bundesbank bis zum IWF zu Recht warnen. Daher ist es legitim, wenn sich Wirtschaftsvertreter Gedanken machen, wie sie die Refinanzierung von Unternehmen sicherstellen können. Auch ihre Forderung, beim Verbriefungsmarkt für Kredite anzusetzen, ist richtig. Eine Wiederbelebung dieses Marktes kann dazu beitragen, eine Kreditklemme zu verhindern.
Sicher war die Verpackung von Krediten ein Grund dafür, dass es überhaupt erst zu der Finanzkrise kommen konnte, wie ihre Kritiker argumentieren. Schuld daran war jedoch nicht das Instrument an sich, sondern sein exzessiver Einsatz. Kredite wurden dutzendfach gestückelt und zu immer komplexeren Produkten zusammengeschnürt, sodass am Ende kaum einer mehr wusste, wer welche Risiken in seinen Büchern hatte.
Damit sich ein solcher Exzess nicht wiederholt, ist es sinnvoll, Grenzen einzuziehen und Anreizsysteme zu ändern. Deshalb ist es der Ansatz der EU richtig, dass die Banken einen Teil der Kreditrisiken behalten sollen.
Bleiben die Verbriefungen in einem gesunden Maß, sind sie ein hilfreiches Mittel, um das Eigenkapital der Banken zu schonen - vor allem, wenn auf die Institute künftig härtere Eigenkapitalregeln zukommen. Denkbar ist daher auch eine begrenzte Anschubhilfe der Politik über die Staatsbank KfW, um den kollabierten Verbriefungsmarkt wiederzubeleben. Auf diese Weise hätten die Banken mehr Spielraum für die Kreditversorgung der Wirtschaft. Den müssten sie dann aber auch nutzen.
  • Aus der FTD vom 22.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 21.09.2009 22:53:49 Uhr   saubermann: risikotransfer bleibt gefährlich

    Wenn es zutrifft, dass die Verbriefung eine Krisenursache ist, dann sollte man sie ganz verbieten. Im Markt sollte der die Risiken tragen, der sie eingeht. Dann ist er vorsichtig. Weicht man das auf, beginnt das Problem. Der Schmerz der Krise ist offenbar noch nicht stark genug, um dieses Grundprinzip wieder wirken zu lassen. Die Regulierung dieser Risiken könnte man versuchen, nur würde diese wiederum so kompliziert, dass sie keiner versteht und eigentlich nur große Optimisten können glauben, dass eine Regulierung von Risiken, die durch übermäßige Auslagerung gerade dieser Risiken entstehen, möglich ist. Das Bilanzrecht war stark reguliert. Trotzdem gab es außerbilanzielle Zweckgesellschaften. Klar und einfach müssen Regeln sein, deshalb nein.

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