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01.04.2011, 14:35
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Leitzinsdebatte:
Brandherde der Inflation
Die Angst vor einer schnellen Geldentwertung wächst - auch hierzulande und in unseren Nachbarstaaten. Dabei gibt es rund um den Globus viele Regionen, in denen die Gefahr weitaus größer ist als in der Euro-Zone, wie ein FTD-Überblick zeigt.
von Mathias Ohanian,
Hubert Beyerle
und Katharina Brunner, Berlin
Spüren Sie die Inflation?
Körbeweise Bargeld zum Einkaufen und einen Haufen Goldmünzen unter dem Kopfkissen: Die Teuerung ängstigt viele Bürger, ob zu Recht oder zu Unrecht. FTD.de testet Ihr Fachwissen über den Wertverfall des Geldes.
Wie stark dürfen die Verbraucherpreise auf Jahressicht steigen, damit die EZB von Geldwertstabilität spricht?
In der Euro-Zone ist die Inflation auf 2,6 Prozent gestiegen. Als Gegenmaßnahme könnten die Währungshüter von der Europäischen Zentralbank schon am Donnerstag den Leitzins das erste Mal seit dem Höhepunkt der Finanzkrise wieder erhöhen.
Die globalen Schocks der vergangenen Wochen befeuern die Angst vor Inflation. Wie der FTD-Check zeigt, müssen besonders die aufstrebenden Schwellenländer kräftige Preissteigerungen hinnehmen. Früh steuerten die Zentralbanken in diesen Staaten dagegen - Indien im März sogar schon zum achten Mal.
Auch China hat sein Hauptaugenmerk auf die Bekämpfung der Inflation gerichtet. In vielen anderen Industrieländern ist der Preisdruck ebenfalls höher als in der Euro-Zone.
Die Besonderheit in der Euro-Zone: Rund 0,4 Prozentpunkte der hiesigen Inflation gehen einer Studie der Société Générale zufolge auf die Konsolidierungspakete zurück.
Hintergrund: Die Erhöhung vieler indirekter Steuern in den Peripherieländern befeuert dort den Druck auf die Preise.
FTD.de stellt die Entwicklung in einigen Ländern vor.
| 9,5 Prozent |
| Spitzenreiter: Russland war im vergangenen Herbst nach heftigen Waldbränden das erste Land, das von den global explodierenden Nahrungsmittelpreisen belastet wurde. Zwischenzeitlich kletterte die Teuerung auf zehn Prozent. Die Notenbank reagierte mit mehreren Erhöhungen der Mindestreserve für Banken. Den Leitzins erhöhten die Währungshüter erstmals im Februar um 0,25 Punkte auf acht Prozent. Weitere Schritte dürften folgen. |
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Leitzinsen ausgewählter Notenbanken, Stand: 29.03.2011, Quelle: Bloomberg
| 9,3 Prozent |
| Boomland: Das kräftige Wachstum der Wirtschaft und die damit verbundene Teuerung hat die Notenbank des Landes in Alarm versetzt. Die Binnennachfrage treibt vor allem die Preise für Nahrungsmittel und Energie. Mitte März hat die Reserve Bank erneut - das achte Mal innerhalb eines Jahres - die Leitzinsen auf nun 6,75 Prozent angehoben. Damit erlebt Indien den kräftigsten Zinsanstieg in ganz Asien. Das Inflationsziel liegt bei sieben Prozent. |
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Leitzinsen ausgewählter Notenbanken, Stand: 29.03.2011, Quelle: Bloomberg
| 6,1 Prozent |
| Aufschwung: Im März stieg die Teuerung in der größten Volkswirtschaft Südamerikas so stark wie seit Ende 2008 nicht mehr. Neben externen Effekten treibt auch der konjunkturelle Aufschwung die Preise: Die Kreditvergabe expandiert, die Unternehmen produzieren mit einer Auslastung von über 80 Prozent. Die Notenbank ist nervös und erhöhte bereits mehrfach den Leitzins - zuletzt im März um einen halben Punkt auf 11,75 Prozent. |
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Leitzinsen ausgewählter Notenbanken, Stand: 29.03.2011, Quelle: Bloomberg
| 4,9 Prozent |
| Soziale Probleme: Die Zentralbank strebt nur vier Prozent Inflation an. Weil Nahrung, Energie und Wohnen immer teurer werden, steigt die Angst vor sozialen Unruhen. Peking ist bereits alarmiert. Mitte März strafften die Währungshüter die Geldpolitik daher schon zum dritten Mal in diesem Jahr: Banken müssen 20 Prozent ihrer Spareinlagen hinterlegen, 0,5 Prozentpunkte mehr als bislang. Die Reserveanforderungen sind so hoch wie nie. |
| 4,4 Prozent |
| Zwickmühle: Die Inflation ist auf dem höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren. Zusätzlich zu den globalen Faktoren treibt im Königreich die im Januar angehobene Mehrwertsteuer die Preise. Die Teuerungsrate dürfte weiter ansteigen. Ein erster Zinsanstieg könnte schon im Frühjahr kommen. Das Problem: Die Konjunktur lahmt, der private Verbrauch hinkt hinterher. Erhöht die Zentralbank bald die Zinsen, könnte das die schwache Erholung abwürgen. |
| 2,7 Prozent |
| Aufschwung: Die australische Konjunktur boomt - auch dank der hohen Nachfrage aus China. Der Arbeitsmarkt ist angespannt: Die Erwerbslosenrate liegt bei nur 5,6 Prozent. Die Löhne steigen kontinuierlich, der Preisdruck wächst. Nach der Finanzkrise war Australien das erste Industrieland, das die Zinsen wieder anhob - bereits im Herbst 2009. Momentan liegt der Leitzins bei 4,75 Prozent, zur Jahresmitte könnte er weiter steigen. |
| 0,0 Prozent |
| Tsunami: Die Katastrophe hat zunächst dazu geführt, dass die Notenbank eine stark expansive Geldpolitik verfolgt, um die Yen-Aufwertung zu stoppen. Preisdruck Fehlanzeige. Ohnehin hat das Land seit Jahren eher Deflationsprobleme. Welche Auswirkungen die Aufbauarbeiten nach der Katastrophe auf das Preisniveau haben werden, ist umstritten. Die Leitzinsen stehen nahe null Prozent und auf absehbare Zeit wird sich das nicht ändern. |
| 0,5 Prozent |
| Komfortabel: Noch sind die Preise stabil. Für das Gesamtjahr rechnet die Zentralbank mit einer Inflationsrate von nur 0,8 Prozent. Den Schweizern hilft die starke Aufwertung des Franken. Der federt den Anstieg der Importpreise bislang ab. Bleibt der Franken nun stabil und steigt nicht weiter, droht aber Inflation. Das zeigen bereits Frühindikatoren. Experten rechnen allerdings erst für September mit einer Zinserhöhung. |
| 2,1 Prozent |
| Niedrige Kernrate: Zwar hat sich die Teuerungsrate seit November verdoppelt. Die Kernrate - also die Preise ohne Energie und Lebensmittel - steht jedoch nur bei 1,1 Prozent. Die US-Zentralbank hat ein besonderes Augenmerk auf den Arbeitsmarkt, der noch nicht richtig angesprungen ist. Für die Fed ergibt sich kein Handlungsdruck. Das Zins-Rekordtief von bis zu 0,25 Prozent dürfte bis mindestens Anfang 2012 Bestand haben. |
| 2,1 Prozent |
| Dynamisch: Zwar blieb die jährliche Inflationsrate im März konstant. Aktuell ist die Dynamik bei den deutschen Preisen aber relativ hoch. Im Vergleich zum Vormonat legte die Teuerungsrate um ein halbes Prozent zu. Die Zentralbank orientiert sich am Schnitt der Euro-Länder, wo die Inflationsrate jetzt auf 2,6 Prozent stieg. Die Währungshüter haben bereits signalisiert, den Leitzins von einem Prozent kommende Woche erhöhen zu wollen. |
| 2,2 Prozent |
| Ohne Blase: Im Gegensatz zum großen Nachbarn USA hat Kanada keine geplatzte Immobilienblase zu verarbeiten. Bereits im Mai 2010 erhöhten die Währungshüter den Leitzins vom Krisen-Rekordtief (0,25 Prozent) schrittweise auf ein Prozent. Die nächste Erhöhung dürfte bis Jahresmitte kommen. Wegen der großen Verflechtungen mit den USA wird die Notenbank versuchen, den Zinsunterschied nicht zu groß werden zu lassen. |
Infografik - Inflation im Euro-Raum
Infografik - So flüssig sind die Euro-Länder
-
FTD.de, 01.04.2011
© 2011 Financial Times Deutschland
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