FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » BaFin beraumt Sonderprüfung bei Deutscher Bank an
Merken   Drucken   07.07.2012, 12:45 Schriftgröße: AAA

Libor-Skandal: BaFin beraumt Sonderprüfung bei Deutscher Bank an

19 internationale Banken sind in den Libor-Skandal verwickelt. Die Finanzaufseher von der BaFin forschen deshalb auch bei der Deutschen Bank nach. Die Nachricht der Sonderprüfung drückt die Aktie der Bank um 5 Prozent.

Bei der Untersuchung der mutmaßlichen Zinsmanipulationen durch europäische Banken beraumt die deutsche Aufsicht BaFin Finanzkreisen zufolge eine Sonderprüfung bei der Deutschen Bank  mit der eine Verwicklung der Bank in den Skandal um die Festsetzung des Marktzinssatzes Libor aufgeklärt werden solle. Das sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Es handele sich nicht um eine Routineprüfung. Die Deutsche Bank gehört zu mehr als einem Dutzend Investmentbanken weltweit, gegen die in der Sache ermittelt wird, ist aber die einzige aus Deutschland, deren Name bekannt ist. Die Sonderprüfung belastete am Freitag die Aktie der Deutschen Bank: Sie schloss 4,7 Prozent tiefer bei 27,38 Euro.

Der frühere Barclays-Chef Bob Diamond   Der frühere Barclays-Chef Bob Diamond

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin wollte die Untersuchung bei der Deutschen Bank nicht bestätigen: "Wir nutzen unser gesamtes Spektrum von aufsichtsrechtlichen Instrumenten aus, soweit es erforderlich ist", sagte ein Sprecher. Von Insidern hieß es, mit ersten Ergebnissen der Nachforschungen in Deutschland sei Mitte Juli zu rechnen.

Die BaFin kann anders als etwa die britische FSA nicht wie ein Staatsanwalt einschreiten. Eine unangemeldete Sonderprüfung aus einem bestimmten Anlass ist ihr schwerstes Geschütz - etwa um schnell Daten zu sichern oder Sachverhalte aufzuklären. Dazu sah sie im Fall der Deutschen Bank offenbar Anlass. Ein Sprecher des größten deutschen Geldhauses verwies nur auf den jüngsten Quartalsbericht. Dort heißt es allgemein, dass die Bank von verschiedenen Behörden in den USA und in Europa um Auskunft "im Zusammenhang mit der Quotierung von Zinssätzen im Interbankenmarkt für verschiedene Währungen" zwischen 2005 und 2011 gebeten worden sei. Sie arbeite dabei mit den Behörden zusammen. Die BaFin steht nach eigenen Angaben seit 2010 mit der FSA wegen der Libor-Ermittlungen in Kontakt.

Über den Libor-Skandal war die gesamte Führungsspitze der britischen Bank Barclays  gestürzt, zuletzt war Vorstandschef Bob Diamond zurückgetreten. Die Investmentbank muss eine 500 Mio.-Dollar-Strafe für die Verfehlungen zahlen. Diamond deutete in einer parlamentarischen Anhörung aber an, dass noch mehr Banken betroffen seien: Barclays habe als Erster umfangreich bei den Ermittlungen geholfen und ein Fehlverhalten eingeräumt - das schlage nun zurück. "Der Fokus richtet sich in dieser Woche auf Barclays, weil wir die Ersten waren", sagte er.

Auch Euribor im Visier

Den Banken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Zinssatz Libor mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken Geld untereinander leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 3600 Mrd. Dollar. Gleichzeitig untersuchen die Behörden mögliche Manipulationen des zweiten in Europa populären Marktzinssatzes, des Euribor. Hier spielen deutsche Banken im internationalen Handel eine größere Rolle. Die Prüfungen sind aber nicht so weit fortgeschritten wie beim Libor.

Auch die Schweizer UBS  gehört zu den Banken, die von den Untersuchungen betroffen sind. "Wir verfolgen die Sache genau und stehen mit den Großbanken in Kontakt", sagte ein Sprecher der Finanzaufsicht Finma. Die Behörde stehe auch mit den Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien in Kontakt. Die Wettbewerbskommission WEKO untersucht mögliche Libor-Manipulationen schon seit März, die Prüfung richtet sich gegen UBS und Credit Suisse  sowie rund zehn ausländische Banken.

  • Reuters, 07.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler