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Merken   Drucken   28.09.2012, 21:04 Schriftgröße: AAA

Marktausblick: Draghi wirkt nicht mehr

Die Euphorie über das EZB-Hilfsprogramm ist vorerst verpufft. In der kommenden Woche dürfte die Anleger die Entwicklung in Spanien weiter beschäftigen. In den USA warten Börsianer darauf, wie sich Barack Obama und Mitt Romney in ihrem ersten Fernsehduell positionieren.
© Bild: 2012 AFP/DANIEL ROLAND
Die Euphorie über das EZB-Hilfsprogramm ist vorerst verpufft. In der kommenden Woche dürfte die Anleger die Entwicklung in Spanien weiter beschäftigen. In den USA warten Börsianer darauf, wie sich Barack Obama und Mitt Romney in ihrem ersten Fernsehduell positionieren.
von Frankfurt und Kim Bode, New York

Die positive Wirkung der von der Europäischen Zentralbank (EZB) versprochenen Hilfen für Krisenländer lässt nach. Den Aktienmärkten und dem Euro  ging zuletzt langsam wieder die Luft aus, die Finanzierungskosten für Spanien stiegen wieder an. Dieser Trend wird sich wohl solange fortsetzen, bis das Land um Hilfen des Euro-Rettungsfonds ESM bittet.

"Der Auftrieb, den die Börsen zuletzt bekommen haben, lässt nach. Man wendet sich wieder der Realwirtschaft zu, und da werden eher schlechtere Daten erwartet", sagt Jörg Rahn von Marcard, Stein & Co der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich erwarte zwar keinen großen Rückgang, aber die Kurse könnten schon etwas abbröckeln, denn es war zuletzt sehr viel Euphorie im Markt."

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Der DAX  schloss am Freitag mit 7216 Zählern. Er hat damit trotz Kursverlusten am Monatsende im September rund 3,5 Prozent an Wert gewonnen. Auch der Euro konnte sein Vier-Monatshoch von über 1,31 Dollar  nicht halten und fiel auf 1,29 Dollar zurück. Immerhin ist die Gemeinschaftswährung damit im abgelaufenen Monat 3,29 Prozent teurer geworden.

Ein Hilfsgesuch aus Madrid ist die Voraussetzung für eine Aktivierung der Anleihekäufe durch die EZB (OMT-Programm). Da dies noch nicht geschehen ist, dürften diesbezügliche Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi aufmerksam verfolgt werden. Er tritt am Donnerstag nach der Ratssitzung, die in slowenischen Hauptstadt Ljubljana stattfindet, vor die Presse. Eine Änderung an dem aktuell bei 0,75 Prozent liegenden Leitzins für die Euro-Zone wird vom Markt nicht erwartet.

Bis zu ersten Anleihekäufen durch die EZB dürfte die Entwicklung in Spanien weiter kritisch beäugt werden, zumal der von der Regierung vorgelegte Sparhaushalt skeptisch gesehen wurde. "Die Hauptsorge von Händlern ist, dass das für 2013 angestrebte Ziel eines Haushaltsdefizits von 4,5 Prozent des Brutto-Inlandsproduktes unrealistisch ist und die Vorhersage für das Wirtschaftswachstum mit minus 0,5 Prozent zu optimistisch ist", fasste Forex.com-Analystin Kathleen Brooks die Marktstimmung zusammen.

Spanische Staatsanleihen standen zuletzt wieder unter Druck, so dass deren Renditen und damit die Finanzierungskosten des Landes stiegen. Ganz ist die

OMT-Ankündigung allerdings nicht verpufft. Am Freitag wurden zehnjährige spanische Anleihen mit einer Rendite von 5,9 Prozent gehandelt. Das ist immer noch weniger als vor einem Monat. Italien konnte sich dem Abwärtssog zuletzt entziehen, seine Zehn-Jahres-Rendite lag am Freitag bei 5,1 Prozent.

Langfristig sieht Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer allerdings Spanien im Vorteil. "Mit Ausnahme Italiens haben die Peripherieländer den Verlust an preislicher Wettbewerbsfähigkeit zu mehr als die Hälfte wettgemacht", schreibt er in einem Marktausblick. "Die Arbeitsmarktreformen sprechen dafür, dass die Peripherieländer weiter aufholen werden."

Seit QE3 sind die Märkte in einer Ausverkaufsstimmung

Auch an der Wall Street ist die Euro-Krise mit den akuten Sorgen über Spanien wieder mehr in den Fokus der Investoren gerückt. "Europa war in den vergangenen Wochen ein bisschen im Hintergrund verschwunden, aber jetzt geht das Gerede wieder los", sagte Stephen Stanley, Chefökonom des Brokerhauses Pierpont Securities.Vorherrschende Themen an den US-Börsen waren bis zuletzt die heimische Konjunktur - sowie die Reaktion der amerikanischen Notenbank Federal Reserve darauf: die Vekündung den neuen Anleihenaufkaufprogramms ohne Fristende vor wenigen Wochen.

Seitdem hat sich die kurzzeitige Euphorie der Investoren aber schnell wieder gelegt. "Im Großen und Ganzen sieht es so aus, dass die Märkte seit QE3 in einer Ausverkaufsstimmung sind", meint Fred Cannon, Chefstratege bei der Investmentbank Keefe, Bruyette & Woods. Das werde noch einmal verstärkt durch die lauernde Fiscal Cliff, das mögliche plötzliche Auslaufen von US-Steuervergünstigungen zum Jahreswechsel. "Deswegen werden die Märkte wohl auch in den kommenden Wochen weiter unter Druck stehen", sagte Cannon. "Es sei denn, wir kriegen überraschend gute Neuigkeiten aus Europa - womit ich aber nicht rechne."

Auch Analysten-Kollege John Praveen, Chefstratege des Versicherers Prudential, erwartet keine bewegenden Nachrichten vom Treffen der Europäischen Zentralbank: "Ich denke nicht, dass die EZB eine Änderung der Zinsrate mitteilen wird." Interessanter könne dagegen sein, was die Chinesische Zentralbank und die Bank of Japan demnächst verlauten lassen. Praveen rechnet mit weiteren Wirtschaftsanreizen, die die Märkte beflüglen könnten.

Den US-Konjukturdaten wird derweil nicht mehr ganz so viel Aufmerksamkeit geschenkt wie vor der jüngsten Fed-Sitzung, meint Stanley von Pierpont Securities. "Ich glaube nicht, dass irgendwer damit rechnet, die Fed könnte an ihrer Politik bald schon wieder etwas ändern. Egal wie die Zahlen jetzt aussehen." Vom aktuellsten Arbeitsmarktbericht, der am Freitag veröffentlicht wird, erwartet der Analyst keine bedeutenden Überraschungen. "Wir werden wohl kaum ein starkes Beschäftigungswachstum sehen, erst recht nicht vor der Wahl. Die Unternehmen halten sich da jetzt lieber ein bisschen zurück und warten ab, wie die politische Richtung dann für die kommenden vier Jahre aussehen wird."

Auch bei den Investoren gewinnen die näherrückenden US-Präsidentschaftwahlen an Bedeutung. Schließlich stehen die Vereinigten Staaten hier mit einer krassen Entscheidung gegenüber, betonen die Analysten, insbesondere hinsichtlich der Wirtschaftspolitik. Deswegen werden wohl auch die Anleger bei der ersten Fernsehdebatte der beiden Kandidaten am Mittwoch der kommenden Woche genau hinsehen, wie sich Präsident Barack Obama und sein republikanischer Gegenspieler Mitt Romney positionieren werden.

Am deutschen Aktienmarkt richten sich am Dienstag die Blick auf die Erstnotiz des Versicherungskonzern Talanx. Dies ist der bislang größte Börsengang in Deutschland im laufenden Jahr. Auch am Mittwoch, dem Tag der Deutschen Einheit, werden die DAX-Werte gehandelt. Deutschland dürfte damit eines der wenigen Länder sein, dass seinem Nationalfeiertag die Börse öffnet.

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