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Merken   Drucken   22.09.2012, 09:21 Schriftgröße: AAA

Marktausblick: Spanien und China halten Anleger in Atem

Vieles deutet darauf hin, dass Spanien schon bald unter den EU-Rettungsschirm schlüpft - die kommende Woche dürfte Aufschluss darüber geben. Investoren blicken auch gebannt nach China, wo die Wirtschaft immer stärker unter den Folgen der Euro-Schuldenkrise leidet.
von Stuttgart und Kim Bode, New York

Das angeschlagene Spanien und die schwachen Wachstumsaussichten für China werden diese Woche voraussichtlich im Fokus der Anleger stehen. Die Hoffnung darauf, dass Madrid endlich den lange ersehnten Antrag stellt und unter den EU-Rettungsschirm schlüpft, hatte schon am Freitag die Märkte beflügelt.

Bislang versuchte die Regierung jedoch alles, einen solchen Schritt hinauszuzögern. Medienberichten zufolge verhandelt die EU-Kommission hinter den Kulissen daran, den Weg für ein vollwertiges Hilfsprogramm freizumachen. Die Kommission dementierte dies. Am Donnerstag will Finanzminister Luis de Guindos ein bereits angekündigtes Reformpaket vorstellen. Nach Schätzungen der französischen Bank BNP Paribas  beläuft sich Spaniens Finanzbedarf im Verlauf der kommenden zwölf Monate auf etwa 180 Mrd. Euro - deutlich mehr als die von der EU zur Unterstützung der Banken zugesagten 100 Mrd. Euro. Diese Gelder dürfen aber nicht zur Staatsfinanzierung zweckentfremdend eingesetzt werden.

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Neben Spanien schauen die Investoren gebannt nach China. Das Reich der Mitte leidet zusehends unter dem Nachfrageausfall als Folge der Euro-Schuldenkrise. Reihenweise senkten diesen Monat Banken ihre Wachstumsprognosen, darunter Morgan Stanley , UBS  und Barclays . Sie rechnen für 2012 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von nur noch 7,5 Prozent - das wäre das geringste Wachstum seit 22 Jahren. Die Flaute wird länger dauern als während der weltweiten Finanzkrise, sagte am Freitag Yuang Gangming voraus. Der Volkswirt bei der staatlichen chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften und Regierungsberater prognostiziert für das erste Quartal 2013 weniger als sieben Prozent Prozent.

Die Analysten der NordLB rechnen damit, dass die chinesische Zentralbank noch im September die Geldpolitik weiter lockern wird: "Eine Leitzinssenkung um 25 Basispunkte halten wir für sehr wahrscheinlich."

Von der Konjunkturentwicklung hängt viel für die Aktienmärkte ab. Vergangene Woche fiel der Leitindex der Börse Schanghai um 4,6 Prozent - so stark wie zuletzt im Oktober 2011. Binnen Jahresfrist brach der Index um 19 Prozent ein und steht vor einer weiteren Abwärtsspirale, so die Analysten des Bankhauses Metzler.

Der DAX  ging mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 7451 Punkten aus der Handelswoche. Der EuroStoxx50  verlor dagegen binnen Wochenfrist 0,8 Prozent. Weitere Hinweise für den Wachstumsausblick liefert am Montag der Ifo-Geschäftsklimaindex. An der Wall Street hielt die Euphorie angesichts des neuen Anleihenaufkaufprogramms der US-Notenbank Federal Reserve nicht lange an.

Es wachsen die Zweifel, inwiefern die dritte Runde der Geldmengenlockerung QE3 tatsächlich etwas gegen die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit und das schwache Wirtschaftswachstum ausrichten kann. Sogar die Fed selbst scheint äußerst skeptisch, wie öffentliche Aussagen mehrerer Notenbanker am Freitag deutlich machten.

"Keiner in der Fed glaubt, dass QE3 eine Wunderwaffe ist und man die Konjunktur damit kräftig ankurbeln kann", sagte Harm Bandholz, US-Chefökonom der Unicredit. Er sieht die Zentralbank angesichts des enttäuschenden Wirtschaftsverlaufs jedoch schlicht unter Zugzwang. "Jeder muss halt seinen Beitrag leisten. Und Bernanke sieht einen positiven Netto-Nutzen darin, während die Kosten gegen Null gehen. Also wird es gemacht." Ein akutes Inflationsrisiko sehe nämlich derzeit keiner der Fed-Vertreter. Robert Brusca vom Analysehaus FAO Economics warnt dagegen vor der Risiken des Programms: "Meine Sorge ist, dass die Konjunktur und damit auch die Inflation anzieht und die Fed dann nicht schnell genug handelt", sagt er.

Auch der Euro  und die Staatsanleihemärkte werden von den Gerüchten um Spanien getrieben. Am Freitag stieg die Gemeinschaftswährung zwar auf ein Tageshoch bei 1,3048 Dollar, fiel bis zum Abend aber wieder auf 1,2987 Dollar. Analysten sind uneins wie es mit dem Euro weiter geht. Nach Ansicht der Experten der Landesbank Berlin sprechen die Unklarheiten um Spanien und die drohende Aufblähung der Bilanz der Europäischen Zentralbank durch unbegrenzte Staatsanleihenkäufe gegen eine dauerhafte Bewegung deutlich über 1,30 Dollar.

Die Strategen der Helaba erwarten, dass die EZB letztlich am Markt eingreifen und der von den sinkenden Risikoprämien spanischer und italienischer Staatsanleihen ausgehende positive Impuls auf den Euro anhalten dürfte. Spaniens Verhalten wird maßgeblich dazu beitragen, ob die Renditen der Papiere weiter fallen oder die Anleger aus Risikoscheu wieder lieber deutsche Bundesanleihen kaufen.

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