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Merken   Drucken   15.10.2012, 09:30 Schriftgröße: AAA

Marktmanipulation: Scalping mit der De-Beira-Aktie

Mit der Kursmanipulation einer einzigen Aktie haben Betrüger Millionengewinne von Anlegern ergaunert. Nun gibt es ein Urteil. Der Fall De Beira zeigt aber vor allem eines: wie schwer es ist, das Delikt zu verfolgen.
© Bild: 2012 FTD/Martin Burkhardt
Mit der Kursmanipulation einer einzigen Aktie haben Betrüger Millionengewinne von Anlegern ergaunert. Nun gibt es ein Urteil. Der Fall De Beira zeigt aber vor allem eines: wie schwer es ist, das Delikt zu verfolgen.
von und Frauke Ladleif, Stuttgart

Prophetische Fähigkeiten muss derjenige haben, der im Frühjahr 2006 den "Timetable De Beira Goldfields" in den Computer tippt. Chronologisch listet er auf, an welchem Datum im Mai und Juni 2006 er welche Veröffentlichung zu dem damals noch unbekannten US-Rohstoffunternehmen De Beira erwartet. Sogar den Aktienkurs an den jeweiligen Tagen notiert er - und der wird immer höher.

Auf geradezu unheimliche Weise tritt sein Zeitplan fast genauso ein. Der Kurs explodiert - um gut 1000 Prozent bis zu seinem Höchststand von 18,50 Euro Mitte Juni 2006. Es ist der alte Traum eines jeden Börsianers: die Kurse von morgen schon heute kennen und viel Geld machen. Zumindest Letzteres geht für den PR-Berater Pascal G. und drei weitere Männer in Erfüllung. Sie machen 38 Mio. Euro Gewinn allein mit dieser einen Aktie.

Auch der ehemalige Börsenjournalist Sascha Opel stand in dem Fall ...   Auch der ehemalige Börsenjournalist Sascha Opel stand in dem Fall De Beira vor Gericht

Wer an der Börse Millionenerlöse mit dem richtigen Gespür für den Markt erzielt, ist ein Held in der Finanzwelt. Doch der "Timetable" wird im Oktober 2012 nicht auf einer Preisverleihung für den Börsianer des Jahres verlesen, sondern im kargen Sitzungssaal 3 des Stuttgarter Landgerichts. Ermittler haben ihn auf einem Computer von Pascal G. gefunden.

Kaum Tageslicht dringt durch die schmalen Fenster unter der Decke des Saals. Das Neonlicht scheint grell auf den Mief der jahrzehntealten Anklagebänke und des durchgelaufenen Teppichs. Irritiert schauen sich die Angeklagten immer wieder um, so als könnten sie nicht glauben, vor Gericht gelandet zu sein.

Scalping, eine Form von Kursmanipulation, wirft die Staatsanwältin Pascal G. und seinen drei Komplizen vor. Sie sollen für Empfehlungen in Börsenbriefen und Zeitungsartikeln gesorgt haben, ohne dabei auf ihren eigenen Aktienbesitz hingewiesen zu haben. Bei solch einem Vorgehen wird Anlegern sinnbildlich der Skalp vom Kopf gezogen, wenn sie den Empfehlungen folgen, weil sie mit ihren Käufen den Kurs in die Höhe treiben und den Tippgebern einen rentablen Verkauf ihrer Aktien ermöglichen. Die Anleger aber machen herbe Verluste.

De Beira war und ist bei Weitem nicht die einzige Aktie, die für Scalping genutzt wurde. Auch in Berlin, Lübeck oder München sitzen Kriminalbeamte und Staatsanwälte an ähnlichen Fällen. Noch nie gab es so viele große Verfahren und so viele Ermittlungen wegen Kursmanipulation wie 2012. Allein bis Ende April kam es zu neun Verurteilungen, so viel wie sonst in einem ganzen Jahr nicht. Doch ragt der Fall De Beira durch Dimension und Perfektion heraus - und zeigt, wie schwer sich die Justiz noch immer mit dem Delikt tut.

Pascal G. war es auf geradezu geniale Weise gelungen, ein Netz aus Helfern über deutsche Grenzen hinaus zu spinnen, mit Depots in der Schweiz und Zahlungen über Offshore-Gesellschaften in exotischen Ländern wie Panama. Ein Netzwerk also, das sich nur mühsam aufdecken ließ. Ganze 80 Ordner füllen die Akten der Ermittler in Stuttgart.

Teil 2: Aus der "Champions League"

  • Aus der FTD vom 15.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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