Die Republik schiebt einen Schuldenberg von 2000 Mrd. Euro vor sich her. Jeder Prozentpunkt weniger an Zinsen bedeute 20 Mrd. Euro weniger Ausgaben pro Jahr, sagte Fuest. Allerdings sei es auch im deutschen Interesse, wenn die USA eine Schuldenkrise vermeiden könne. "Die Deutschen haben auch viel Geld in den USA angelegt", sagte der in Oxford lehrende Wissenschaftler. "Und es gibt ein allgemeines Interesse, dass die Stabilität an den Finanzmärkten erhalten wird." Wie schnell Deutschland unter die Räder kommen könne, habe die jüngste Finanzkrise gezeigt.
Die Bundesrepublik genießt seit Jahrzehnten den Status eines sicheren Hafens. "Die großen Fonds müssen überlegen, wo sie ihr Geld anlegen", sagte Joachim Scheide, Konjunkturchef des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). "Wenn es zunehmend unsicher wird, sein Geld in den USA anzulegen, dann sucht man sich Alternativen - und da gehört Deutschland zu den ersten Kandidaten."
Je größer die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen ist, desto weniger Zinsen muss die Bundesrepublik an Investoren zahlen. Nach der Drohung der Ratingagentur Standard & Poor's vom Montag, den USA die Bestnote "AAA" für ihre Staatsanleihen zu entziehen, hatte es einen Run auf deutsche Bonds gegeben. Die Zinsen für zehnjährige deutsche Rentenpapiere fielen bis auf 3,232 Prozent, nachdem sie zu Handelsbeginn noch nahe 3,4 Prozent gelegen hatten.