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Merken   Drucken   26.10.2011, 15:08 Schriftgröße: AAA

Occupy Frankfurt: Vom Demonstranten zur Werbefigur

Seit Wochen protestieren Bankenkritiker gegen Zockerstrategien der Kreditinstitute. Die Volksbanken nutzen die Forderungen der Demonstranten für eine Kampagne in eigener Sache. Eine Idee mit Schönheitsfehlern.
© Bild: 2011 AFP/JOHN MACDOUGALL
Seit Wochen protestieren Bankenkritiker gegen Zockerstrategien der Kreditinstitute. Die Volksbanken nutzen die Forderungen der Demonstranten für eine Kampagne in eigener Sache. Eine Idee mit Schönheitsfehlern. von Jasmin Lörchner, Frankfurt und Kim Bode, New York
Wenn sich dieser Tage Occupy-Demonstranten auf der Wall Street oder vor der Europäischen Zentralbank (EZB) versammeln, machen Banker für gewöhnlich Eines: sie verduften. Die Investmentbank Goldman Sachs etwa zog sich kurzerhand als Sponsor des Jubiläumsdinners einer New Yorker Kreditgesellschaft zurück. Erst im letzten Augenblick hatten die Banker bemerkt, dass auf der Veranstaltung die Demonstranten von Occupy Wall Street geehrt werden sollen. Immerhin bezeichnen die das Investmenthaus auf ihren Schildern auch gern mal als "Werk des Teufels."
Guy-Fawkes-Masken sind das Markenzeichen der Protestbewegung   Guy-Fawkes-Masken sind das Markenzeichen der Protestbewegung
Anders hält es der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Er ließ am Dienstag ganzseitige Anzeigen in deutschen Tageszeitungen drucken, auf denen die Demonstranten von Occupy Frankfurt zu sehen sind: Sie tragen die Maske des radikalen britischen Revoluzzers Guy Fawkes und halten ein Schild hoch: "Wir wollen direkte Demokratie vor Ort, statt Zentralismus aus Berlin oder Brüssel". Unter dem Foto werben die Volksbanken für sich mit den Worten: "Demokratisch. Regional. Sicher - seit 1843".
"Wir geben eine Antwort mit unserem Geschäftsmodell"
Das Anzeigenmotiv sei Teil einer Werbekampagne, in der man sich mit den Wünschen der Menschen - in diesem Fall der Occupy-Demonstranten - auseinandersetzt, sagte eine BVR-Sprecherin Cornelia Schulz. In einer Mitteilung heißt es zudem "Wir geben eine Antwort mit unserem Geschäftsmodell. Viele Forderungen der Demonstranten sind darin verwirklicht."
Immerhin arbeiten die Volksbanken nach dem genossenschaftlichen Geschäftsmodell. Unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe" schlossen sich Mitte des 19. Jahrhunderts 50 württembergische Kleinbürger zur Kreditgenossenschaft "Öhringer Privat- und Leihsparkasse" zusammen, einem Vorläufer der Volksbanken. Nach dem Prinzip der Selbstverwaltung sind deren Mitglieder auch gleichzeitig Eigentümer. Sie bestimmen ihre Unternehmenspolitik selbst und stellen einander Geld zur Verfügung. Vorangetrieben wurde die Idee von dem preußischen Anwalt und Wirtschaftspolitiker Hermann Schulze-Delitzsch.

Teil 2: Auch Volksbanken verzockten sich in der Krise

  • FTD.de, 26.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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