Im Westen oft als Hokuspokus abgetan, spielen astrologische Deutung und Feng-Shui, die Lehre von der richtigen Ausrichtung von Gegenständen und Gebäuden, in Ostasien eine wichtig Rolle. Im Privaten gilt das genau wie im Geschäftsleben - und bei der Geldanlage. Die Zentrale der HSBC in Hongkong, entworfen von Norman Foster, steht beispielsweise auf Säulen, damit im offenen Erdgeschoss das Qi, die Energie, frei fließen kann. Die Eingänge zahlreicher Gebäude sind flankiert von zwei Löwen, traditionelle Symbole zum Schutz des Vermögens. Und auch das Börsenjahr unterliegt diesem Glauben - jetzt also dem an den Drachen.
"In der Historie taucht der Drache, das einzige mythologische der chinesischen Tierkreiszeichen, häufig auf, um eine bedeutende Veränderung anzukündigen, einen Wendepunkt", sagt Philip Chow vom Broker CLSA in Hongkong. Der Analyst, im Hauptberuf für den Transportsektor zuständig, hat gemeinsam mit zwei Kolleginnen für CLSA einen Feng-Shui-Index für das Jahr des Drachen entwickelt. Seit zwei Jahrzehnten pflegt er diese Tradition. Zwar betonen die Verfasser immer wieder, dass das Papier ironisch gemeint sei. Sie unterstreichen das durch Prognosen wie die bevorstehende Eröffnung des Apple Store in der Antarktis, den die ersten Kunden als "ziemlich cool" charakterisieren.
Doch Anleger reißen sich um die Einsichten. "Spätestens seit November bekomme ich regelmäßig Anrufe von Investoren, was denn das Jahr des Drachen bereithalte", sagt Chow. Und er versichert, bei allen humoristischen Elementen des Reports handele es sich bei Feng-Shui um eine jahrtausendealte chinesische Disziplin mit vielen statistischen Ansätzen. Für den Report arbeitet CLSA mit einer Vielzahl renommierter Feng-Shui-Meister aus der Region zusammen.