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Merken   Drucken   14.05.2008, 15:25 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Chiphersteller erreichen Talsohle

Rot ist die dominierende Farbe in der Halbleiterindustrie. Das Marktforschungsinstitut iSuppli Corporation hat ermittelt, dass in den vergangenen beiden Quartalen kaum ein Fabrikant von DRam-Chips einen Gewinn erzielen konnte. Rot sind aber nicht nur die Geschäftszahlen, rot ist auch die Börsenbilanz. von Willi Weber
16 von 18 Aktien aus dem Branchenindex Philadelphia Semiconductor Index (Sox) notieren auf Zwölfmonatssicht im Minus. Trotzdem oder gerade deshalb lohnt ein Blick auf den Sektor. Denn es gibt Indizien, dass die Branche vor dem Comeback steht.
"Die Lagerbestände, die bislang die Preise verdarben, haben deutlich abgenommen", sagt Nam Hyung Kim, Chefanalyst von iSuppli. Der durchschnittliche Preisverfall lag im ersten Quartal bei 17 Prozent, im Schlussquartal 2007 betrug er noch 31 Prozent. Damit, so Kim, sei der Boden erreicht. Der Experte schätzt, dass die Preise bereits im laufenden Quartal im Durchschnitt um zwei Prozent steigen werden. Mit seinem Optimismus steht Kim nicht allein. Die Analysten von JP Morgan rechnen ebenfalls mit einer Trendwende - allerdings erst im vierten Quartal. Erste Unternehmensmeldungen unterstützen die Prognosen. So hat Hynix  aus Südkorea seine Vertragspreise für DRam-Halbleiter im April um 15 Prozent erhöht und erwartet weitere Steigerungen. Auch der japanische Hersteller Elpida  hat Preiserhöhungen von fünf bis zehn Prozent angekündigt.
Signale einer Trendwende
Auch für die Aktienkurse mehren sich die Signale einer Trendwende. Die Abwärtsbewegung des Sox, der seit Mitte des vergangenen Jahres um bis zu 40 Prozent gefallen war, kam im April an der 330-Punkte- Marke zum Erliegen. Nach erfolgreicher Bodenbildung zeigt der kurzfristige Trend wieder deutlich nach oben.
Phasenwechsel bei Speicherchips   Phasenwechsel bei Speicherchips
Insgesamt hellt sich das Marktumfeld zwar auf. Aber wie nachhaltig der Boom sein wird, ist ungewiss. Die Halbleiterindustrie ist gekennzeichnet durch kurze Produktzyklen und hohen Innovationsdruck. Neue verbesserte Chips lösen ältere schon nach kurzer Zeit ab. Die Folge: Technisch überholte Ware wird zu Billigpreisen verhökert. Gerade die Gleichartigkeit der Artikel bietet den Unternehmen kaum Möglichkeiten, sich von den Wettbewerbern zu differenzieren. Die Unternehmen konkurrieren somit sehr schnell nach Produkteinführung über den Preis. Erschwerend kommt hinzu, dass die Branche hochzyklisch ist. Einer meist kurzen Hochphase folgt eine lange Marktabkühlung. Dadurch leidet die Halbleitersparte chronisch an Überkapazitäten, die aufgrund der hohen Fixkosten sehr schmerzhaft sind. Um Kosten durch ungenutzte Kapazitäten zu vermeiden, produzieren Firmen während schwächerer Phasen auf Lager. Die hohen Lagerbestände dämpfen dann aber in Boomphasen den Preisauftrieb.
Kampf gegen ernste finanzielle Probleme
Tatsächlich kämpfen viele Anbieter - dazu gehört auch Infineons zum Verkauf stehende Speicherchipsparte Qimonda  - mit ernsten finanziellen Problemen. Die Marktforscher von iSuppli halten es für möglich, dass einige Firmen mit dünner Kapitalbasis von der Bildfläche verschwinden werden. Aber es gibt auch aussichtsreiche Branchenvertreter: Unter den europäischen Halbleiteraktien hat Simon F. Schafer, Analyst bei Goldman Sachs, den britischen Handychipproduzenten ARM Holdings  von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Eine Unternehmensanalyse hätte eine klare Unterbewertung ergeben. Ansonsten ist Schafer hinsichtlich europäischer Wettbewerber aufgrund des starken Euro jedoch überwiegend skeptisch und rät, "bessere Einstiegszeitpunkte" abzuwarten.
Von den US-Halbleiterwerten hält Schafer die Aktie von Intel  für kaufenswert. Die Zahlen des ersten Quartals seien besser als erwartet ausgefallen. Das gelte auch für den Ausblick für das zweite Quartal. Das Kursziel wurde von 27 auf 30 $ heraufgesetzt. In Asien macht Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC ) eine fundamental gute Figur. Dem weltweit größten Auftragshersteller von Computerchips gelang es im ersten Quartal nicht nur, schwarze Zahlen zu schreiben, sondern auch, den Gewinn um 49 Prozent auf umgerechnet 893 Mio. $ zu steigern.
Wem das Risiko von Einzelaktien zu groß ist, kann mit dem Indexzertifikat von ABN Amro auf den Sox (ISIN NL0000030617) den kompletten Sektor abdecken. Allerdings ist das Papier nicht währungsgesichert. Wegen der Dominanz von US-Werten in dem Index bestehen deshalb nicht unerhebliche Wechselkursrisiken.
06:05:04 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Hynix Semiconductor 17,6 EUR   +0,57%  0.1
    % 
    % 
Intel 25,65 USD   +0,83%  0.21
TAIWAN SEMICON.MANU. ADR5 13,96 USD   -0,85%  -0.12
    % 
  • FTD.de, 14.05.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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