Phasenwechsel bei Speicherchips
Insgesamt hellt sich das Marktumfeld zwar auf. Aber wie nachhaltig der Boom sein wird, ist ungewiss. Die Halbleiterindustrie ist gekennzeichnet durch kurze Produktzyklen und hohen Innovationsdruck. Neue verbesserte Chips lösen ältere schon nach kurzer Zeit ab. Die Folge: Technisch überholte Ware wird zu Billigpreisen verhökert. Gerade die Gleichartigkeit der Artikel bietet den Unternehmen kaum Möglichkeiten, sich von den Wettbewerbern zu differenzieren. Die Unternehmen konkurrieren somit sehr schnell nach Produkteinführung über den Preis. Erschwerend kommt hinzu, dass die Branche hochzyklisch ist. Einer meist kurzen Hochphase folgt eine lange Marktabkühlung. Dadurch leidet die Halbleitersparte chronisch an Überkapazitäten, die aufgrund der hohen Fixkosten sehr schmerzhaft sind. Um Kosten durch ungenutzte Kapazitäten zu vermeiden, produzieren Firmen während schwächerer Phasen auf Lager. Die hohen Lagerbestände dämpfen dann aber in Boomphasen den Preisauftrieb.
Kampf gegen ernste finanzielle Probleme
Tatsächlich kämpfen viele Anbieter - dazu gehört auch Infineons zum Verkauf stehende Speicherchipsparte
Qimonda - mit ernsten finanziellen Problemen. Die Marktforscher von iSuppli halten es für möglich, dass einige Firmen mit dünner Kapitalbasis von der Bildfläche verschwinden werden. Aber es gibt auch aussichtsreiche Branchenvertreter: Unter den europäischen Halbleiteraktien hat Simon F. Schafer, Analyst bei Goldman Sachs, den britischen Handychipproduzenten
ARM Holdings von "Halten" auf "Kaufen" hochgestuft. Eine Unternehmensanalyse hätte eine klare Unterbewertung ergeben. Ansonsten ist Schafer hinsichtlich europäischer Wettbewerber aufgrund des starken Euro jedoch überwiegend skeptisch und rät, "bessere Einstiegszeitpunkte" abzuwarten.
Von den US-Halbleiterwerten hält Schafer die Aktie von
Intel für kaufenswert. Die Zahlen des ersten Quartals seien besser als erwartet ausgefallen. Das gelte auch für den Ausblick für das zweite Quartal. Das Kursziel wurde von 27 auf 30 $ heraufgesetzt. In Asien macht Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (
TSMC ) eine fundamental gute Figur. Dem weltweit größten Auftragshersteller von Computerchips gelang es im ersten Quartal nicht nur, schwarze Zahlen zu schreiben, sondern auch, den Gewinn um 49 Prozent auf umgerechnet 893 Mio. $ zu steigern.
Wem das Risiko von Einzelaktien zu groß ist, kann mit dem Indexzertifikat von ABN Amro auf den Sox (ISIN NL0000030617) den kompletten Sektor abdecken. Allerdings ist das Papier nicht währungsgesichert. Wegen der Dominanz von US-Werten in dem Index bestehen deshalb nicht unerhebliche Wechselkursrisiken.