Mittelmäßige Profis: Anteil korrekter Aktienprognosen
Auf Sharewise lässt sich überprüfen, ob ein Anleger mit seinen auf der Plattform veröffentlichten Aktientipps ein glückliches Händchen hatte. Auf der Website stehen aber auch Empfehlungen von Analysten, die der Nachrichtendienst dpa-AFX verbreitet. Anfang April haben die Sharewise-Macher überprüft, wie sich die Profis in den vergangenen 18 Monaten geschlagen haben. Als "wahr" wurden Kaufempfehlungen gewertet, die in sechs Monaten mindestens fünf Prozent Gewinn brachten. Bei Verkaufsempfehlungen musste das Minus bei mindestens fünf Prozent liegen.
Die BHF-Bank lag mit 68,4 Prozent der Einschätzungen richtig, Needham nur mit 20,4 Prozent. Allerdings ist das Fünf-Prozent-Kriterium willkürlich gewählt. Außerdem verschlüsselt dpa-AFX auch Noten wie "Outperform" mit "Buy", obwohl diese Stufe nur bedeutet, dass sich die Aktie besser als der Markt entwickeln dürfte - was Kursverluste nicht ausschließt.
Institutionelle Investoren haben eigene Systeme für die Prognosequalität der Analysten entwickelt. "Wenn sich ein Analyst dadurch auszeichnet, dass er seit Jahren an Fakten vorbeiprognostiziert, ignorieren wir seine Studien", sagt ein Sprecher der Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS. Nicholas Cowley, US-Fondsmanager bei Henderson in London, analysiert kleinere Titel selbst. Bei Standardwerten vertraut er auf das Urteil der Analysten, die bislang die besten Prognosen geliefert haben.
"Von einer rein quantitativen Analyse halte ich bei Nebenwerten wenig, denn dabei gehen die Zwischentöne verloren", sagt Karl Fickel, Fondsmanager bei der Investmentgesellschaft Lupus Alpha. Er hat intensiv mit rund einem Dutzend Analysten zu tun, die er für besonders glaubwürdig hält. "Im besten Fall ist ein Analyst ein hoch spezialisierter Diskussionspartner, der ein Unternehmen seit vielen Jahren extrem gut kennt und alles über Branche und Wettbewerber weiß."
Ein solcher Gesprächspartner könne auch Stimmungsbilder vermitteln und habe das Firmenumfeld, etwa politische Rahmenbedingungen, im Blick. "Allein das Kursziel sagt wenig, wenn man nicht weiß, welche Parameter dieser Zahl zugrunde liegen", sagt Fickel. "Außerdem muss man oft zwischen den Zeilen lesen. Manchmal fällt ein Analyst das Urteil ,Buy‘, aber er verweist darauf, dass er die Zahlen, die ihm das Unternehmen zur Verfügung gestellt hat, für sehr optimistisch hält." Bei einem Fehlgriff gibt er nicht den Analysten die Schuld. "Wenn eine Aktie schlecht läuft, muss sich bei uns immer der Portfoliomanager der kritischen Nachfrage stellen, nicht der Analyst."