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13.01.2012, 09:31
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Deflation als unterschätzte Bedrohung
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2012 FTD.de
Wer hat Angst vor einer Inflation? Jeder. Und vor einer Deflation? Niemand. Ein Fehler, denn das Untier kann auch böse beißen - und immer mehr Ökonomen warnen vor ihr.
von Richard Haimann
Die Inflation ist das Schreckgespenst der Deutschen. Inflationsangst bestimmt ihre Anlagestrategie, seit Notenbanken und Regierungen weltweit Banken mit Rettungspaketen stützen und die Staatsverschuldung in die Höhe treiben. Im Dezember sank die Inflationsrate jedoch den dritten Monat in Folge; die Verbraucherpreise in Deutschland stiegen auf Jahressicht nur um 2,1 Prozent. Es mehren sich nun die Stimmen von Ökonomen, die nicht eine Geldentwertung als Gefahr sehen, sondern vielmehr vor Deflation warnen: einer endlosen Spirale aus fallenden Preisen, sinkenden Gewinnen und steigender Arbeitslosigkeit.
Der italienische Wirtschaftswissenschaftler Lorenzo Bini Smaghi mahnte kurz vor dem Ausstieg aus dem Direktorium der EZB Ende Dezember, die Zentralbank müsse notfalls die Geldpolitik lockern, um eine Deflation abzuwenden. Diese Ansicht teilt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank: Werde der durch die Schuldenkrise ausgelöste Konjunktureinbruch nicht gestoppt, "wird die Rezession in eine Deflation ausarten". Zuletzt haben die Befürchtungen neue Nahrung erhalten: Deutschland und Dänemark konnten erstmals kurz laufende Staatsanleihen zu einem Negativzins emittieren.
Ausgewählte Allwetteraktien
Dass Profianleger Verluste in Kauf nehmen, um kein Risiko bei Aktien oder Unternehmensanleihen einzugehen, war in den letzten 20 Jahren fast nur in Japan zu beobachten. Das Land geriet 1989 in eine Deflationsspirale, die bis heute anhält. Zuvor war in Japan, wie 2008 in den USA, Großbritannien, Irland, Spanien und Portugal, eine Immobilienblase geplatzt. Der japanische Aktienindex Nikkei 225 ist seither von über 39.000 Punkten auf 8450 Zähler gefallen.
Das Japan-Szenario drohe nun den USA und der Euro-Zone, sagt US-Ökonom Gary Shilling: "Viele deflationsbegünstigende Faktoren sind bereits präsent." So fielen seit 2009 die Preise zahlreicher Konsumgüter. Der Trend werde sich fortsetzen, sagt Jan Poser, Chefökonom der Schweizer Bank Sarasin: "Es wird sich eine neue Bescheidenheit im Konsumsektor nach dem Motto ,Weniger ist mehr‘ etablieren."
Teil 2: Überdenken der Investmentstrategie
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FTD.de, 13.01.2012
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