Weber Nicht unbedingt. Es gibt zwei Arten von Herdenverhalten - rationales und irrationales. Rationales Herdenverhalten ist völlig in Ordnung. Das gilt für private und institutionelle Anleger. Nehmen wir den Anleihemarkt. Da ist eine Anleihe für 100 Euro, die zu 90 Euro garantiert ist und zu 87 Euro gehandelt wird. Nun könnte man sagen: Das klingt gut, der Fondsmanager sollte ein paar Millionen Euro in die Hand nehmen und die Anleihe kaufen. Es kann sein, dass er die 90 Euro bekommt. Es kann aber auch sein, dass die Anleihe von 87 auf 85 Euro fällt, weil andere Fondsmanager den Preis nicht gut finden. Kauft der Fondsmanager, und der Kurs fällt, verliert er vielleicht seinen Job. Es ist durchaus möglich, dass sich institutionelle Anleger individuell rational verhalten, damit aber auf dem Gesamtmarkt wie eine irrationale Herde aussehen.
FTD Was heißt das auf die vergangenen Wochen übertragen?
Weber Vergleichen Sie die Situation mit der Suche nach einem guten Restaurant. Wenn ich an einem Lokal vorbeigehe und es sitzen viele Leute drin, dann hab ich ein positives Signal: Das Lokal muss gut sein. Sind nur drei Leute drin, könnte das aber auch daran liegen, dass es draußen regnet oder dass die drei nur auf die Toilette mussten. Man weiß eben nicht, ob die Information, die man bekommt, zufällig ist oder ob sie aussagekräftig ist. Und die, die mein Handeln auf dem Markt sehen, wissen nicht einmal, welche Information ich habe und woher ich sie habe. Ich verkaufe eine Griechenland-Anleihe, weil ich mich gerade über etwas geärgert habe. Die anderen verkaufen auch, weil sie glauben, dass ich aussagekräftige Informationen habe. Und der Letzte, der am Markt ankommt, der Privatanleger, der denkt, alle haben verkauft, da wird schon was dran sein.
FTD Ist dieses Verhalten typisch für unruhige Marktphasen?