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Merken   Drucken   16.12.2011, 10:51 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Der mühsame Kampf gegen den Index

Aktiv gemanagte Fonds arbeiten sich daran ab, Indizes zu schlagen. Dabei ist das für Anleger eine fragwürdige Orientierungshilfe.
© Bild: 2011 Reuters/ALEX DOMANSKI
Aktiv gemanagte Fonds arbeiten sich daran ab, Indizes zu schlagen. Dabei ist das für Anleger eine fragwürdige Orientierungshilfe. von Christoph Hus
Wenn an den Aktienmärkten Krisenstimmung herrscht und die Kurse abstürzen, hoffen Fondsbesitzer darauf, dass ihr Portfoliomanager die Verluste begrenzen kann. In den vergangenen fünf Jahren haben viele Verwalter das aber nicht geschafft. Seit dem Jahr 2006 hat gerade einmal ein Viertel der Manager von Europa-Aktienfonds den marktbreiten Index MSCI Europe geschlagen, der in diesem Zeitraum knapp 18 Prozent verlor. Die große Mehrheit der Portfoliomanager - rund drei Viertel - haben in dieser Zeit höhere Verluste als der Index eingefahren.
Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Fondsanalysehauses Scope. Die Analysten haben die Entwicklung von 816 Europa-Aktienfonds mit verschiedenen Indizes verglichen. Je nachdem, welches Marktbarometer man zum Vergleich nutzt, fällt das Urteil höchst unterschiedlich aus. Obwohl nur ein Viertel der Manager den Index MSCI Europe überrundet hat, hat sich mehr als die Hälfte der Fonds im gleichen Zeitraum besser entwickelt als der Index Euro Stoxx 50, in dem 50 Großunternehmen vertreten sind. Diesen Index haben in den vergangenen fünf Jahren knapp 57 Prozent der Manager geschlagen. "Je nach Vergleichsindex kann man das Ergebnis als Erfolg oder als Misserfolg für aktive Manager interpretieren", kommentiert Scope-Analyst Sasa Perovic die Zahlen.
Bei Deutschland-Aktienfonds zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier hat Scope 71 Produkte unter die Lupe genommen. Gerade einmal 20 Prozent dieser Fonds entwickelten sich besser als der Standardwerteindex DAX 30. Aber 45 Prozent erzielten ein besseres Ergebnis als der marktbreite Index MSCI Germany.
Aus den Zahlen lassen sich einige Erkenntnisse für Privatinvestoren ablesen. So ist die Hoffnung durchaus berechtigt, mit einem aktiv verwalteten Fonds ein besseres Ergebnis zu erzielen als mit Indexprodukten wie Exchange-Traded Funds (ETFs), die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Allerdings stehen Anleger vor der Herausforderung, einen aktiv verwalten Fonds auszuwählen, der diese Hoffnung tatsächlich erfüllt. Die Gefahr ist groß, sich für ein Produkt zu entscheiden, das sich am Ende als Enttäuschung herausstellt.
Weitere Lehre aus der Scope-Untersuchung: Ob Anleger ihrem Fondsmanager bescheinigen können, besser als der Markt abgeschnitten zu haben, hängt stark von der Wahl des Vergleichsindex ab. "Man kann sehr einfach mit den Zahlen spielen", sagt Perovic. Aus diesem Grund sollten Anleger auch Rechnungen von Anbietern kritisch hinterfragen, die die vergangene Entwicklung eines Fonds im Vergleich zu einem Index zeigen.
Möglicher Hintergrund der aktuellen Scope-Zahlen: In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil der Fondsmanager gestiegen, die sich bei dem Aufbau ihres Portfolios an der Zusammensetzung eines Index orientieren. Immer weniger Fonds betreiben ein lupenreines aktives Management, belegt eine Studie von Goldman Sachs Asset Management. Danach gilt inzwischen nur noch die Arbeit jedes zweiten Portfoliomanagers als echtes aktives Management. Weil die übrigen Fonds oft ähnlich strukturiert sind wie ihre Vergleichsindizes, haben sie schon deshalb kaum eine Chance, im Wettbewerb besser abzuschneiden als die Benchmark.
Auch künftig wird sich die Situation für Fondsbesitzer kaum ändern. Selbst wenn die aktuelle Krise irgendwann einmal ausgestanden ist: Einen Vergleichsindex zu überrunden ist für aktive Fondsmanager in einem Bullenmarkt ähnlich schwierig wie in einem Bärenmarkt. Allerdings gelingt es Fonds einzelner Kategorien in bestimmten Marktzyklen häufiger als anderen, ein hohes Alpha zu erwirtschaften - also einen Mehrertrag gegenüber dem Markt, der auf Managerentscheidungen beruht. Das hat der Analyseanbieter Fund Quest herausgefunden. Während in Bullenmärkten das Alpha von Kommunikationsbranchenaktienfonds besonders hoch ausfällt, schneiden in Bärenmärkten Schwellenländeranleihefonds besonders gut ab.
  • FTD.de, 16.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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