Aktiv gemanagte Fonds arbeiten sich daran ab, Indizes zu schlagen. Dabei ist das für Anleger eine fragwürdige Orientierungshilfe. von Christoph Hus
Wenn an den Aktienmärkten Krisenstimmung herrscht und die Kurse abstürzen, hoffen Fondsbesitzer darauf, dass ihr Portfoliomanager die Verluste begrenzen kann. In den vergangenen fünf Jahren haben viele Verwalter das aber nicht geschafft. Seit dem Jahr 2006 hat gerade einmal ein Viertel der Manager von Europa-Aktienfonds den marktbreiten Index MSCI Europe geschlagen, der in diesem Zeitraum knapp 18 Prozent verlor. Die große Mehrheit der Portfoliomanager - rund drei Viertel - haben in dieser Zeit höhere Verluste als der Index eingefahren.
Das ist das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung des Fondsanalysehauses Scope. Die Analysten haben die Entwicklung von 816 Europa-Aktienfonds mit verschiedenen Indizes verglichen. Je nachdem, welches Marktbarometer man zum Vergleich nutzt, fällt das Urteil höchst unterschiedlich aus. Obwohl nur ein Viertel der Manager den Index MSCI Europe überrundet hat, hat sich mehr als die Hälfte der Fonds im gleichen Zeitraum besser entwickelt als der Index Euro Stoxx 50, in dem 50 Großunternehmen vertreten sind. Diesen Index haben in den vergangenen fünf Jahren knapp 57 Prozent der Manager geschlagen. "Je nach Vergleichsindex kann man das Ergebnis als Erfolg oder als Misserfolg für aktive Manager interpretieren", kommentiert Scope-Analyst Sasa Perovic die Zahlen.
Bei Deutschland-Aktienfonds zeigt sich ein ähnliches Bild. Hier hat Scope 71 Produkte unter die Lupe genommen. Gerade einmal 20 Prozent dieser Fonds entwickelten sich besser als der Standardwerteindex DAX 30. Aber 45 Prozent erzielten ein besseres Ergebnis als der marktbreite Index MSCI Germany.
Aus den Zahlen lassen sich einige Erkenntnisse für Privatinvestoren ablesen. So ist die Hoffnung durchaus berechtigt, mit einem aktiv verwalteten Fonds ein besseres Ergebnis zu erzielen als mit Indexprodukten wie Exchange-Traded Funds (ETFs), die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Allerdings stehen Anleger vor der Herausforderung, einen aktiv verwalten Fonds auszuwählen, der diese Hoffnung tatsächlich erfüllt. Die Gefahr ist groß, sich für ein Produkt zu entscheiden, das sich am Ende als Enttäuschung herausstellt.
Weitere Lehre aus der Scope-Untersuchung: Ob Anleger ihrem Fondsmanager bescheinigen können, besser als der Markt abgeschnitten zu haben, hängt stark von der Wahl des Vergleichsindex ab. "Man kann sehr einfach mit den Zahlen spielen", sagt Perovic. Aus diesem Grund sollten Anleger auch Rechnungen von Anbietern kritisch hinterfragen, die die vergangene Entwicklung eines Fonds im Vergleich zu einem Index zeigen.
Möglicher Hintergrund der aktuellen Scope-Zahlen: In den vergangenen Jahrzehnten ist der Anteil der Fondsmanager gestiegen, die sich bei dem Aufbau ihres Portfolios an der Zusammensetzung eines Index orientieren. Immer weniger Fonds betreiben ein lupenreines aktives Management, belegt eine Studie von Goldman Sachs Asset Management. Danach gilt inzwischen nur noch die Arbeit jedes zweiten Portfoliomanagers als echtes aktives Management. Weil die übrigen Fonds oft ähnlich strukturiert sind wie ihre Vergleichsindizes, haben sie schon deshalb kaum eine Chance, im Wettbewerb besser abzuschneiden als die Benchmark.
Auch künftig wird sich die Situation für Fondsbesitzer kaum ändern. Selbst wenn die aktuelle Krise irgendwann einmal ausgestanden ist: Einen Vergleichsindex zu überrunden ist für aktive Fondsmanager in einem Bullenmarkt ähnlich schwierig wie in einem Bärenmarkt. Allerdings gelingt es Fonds einzelner Kategorien in bestimmten Marktzyklen häufiger als anderen, ein hohes Alpha zu erwirtschaften - also einen Mehrertrag gegenüber dem Markt, der auf Managerentscheidungen beruht. Das hat der Analyseanbieter Fund Quest herausgefunden. Während in Bullenmärkten das Alpha von Kommunikationsbranchenaktienfonds besonders hoch ausfällt, schneiden in Bärenmärkten Schwellenländeranleihefonds besonders gut ab.
Aus Sicherheitsgründen möchten wir Ihre E-Mail-Adresse bestätigen.
Klicken Sie bitte dazu den Aktivierungs-Link, den wir Ihnen
gerade per E-Mail an zugesendet haben.
Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.
Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?
Seit der Erstnotiz ging der Kurs der Facebook-Aktie Tag für Tag nach unten. Erstmals erzielt das Papier nun einen Tagesgewinn. Neue Daten zum Streubesitz der Aktie lassen aber nichts Gutes vermuten. mehr
Am Abend treffen sich die EU-Staats- und -Regierungschefs, um über Konjunktur und Eurobonds zu beraten. Davor zeigt sich: Die Anleger flüchten in die Sicherheit Deutschlands. Die Kurse deutscher Staatsanleihen steigen auf Rekordwerte. mehr
Dass ein Unternehmen wie Facebook aus einem Börsengang finanziell das Maximale herausholen will, ist verständlich. Doch die Investmentbanker von Morgan Stanley hätten Mark Zuckerberg bremsen müssen. Sie machten gleich mehrere Fehler. mehr
Das Börsendebüt von Facebook beschert nicht nur den Aktionären hohe Verluste. Auch deutsche Derivateanleger können mit dem Investment bislang nicht zufrieden sein. mehr
Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.
Der Börsenbetreiber NYSE versucht, Facebook von der Nasdaq wegzulocken. Dabei sind die Qualitätsunterschiede zwischen den Rivalen minimal. Ein Vergleich mehr
Nicht nur die USA selbst, auch die Banken des Landes glänzen nicht mehr mit bester Bonität. Sollten Moody's oder S&P den Daumen senken, würde das Milliarden kosten. Die Investmentbank Morgan Stanley hat schon mal vorsorglich ermittelt, wie viele. mehr
Mit einem riesigen Fonds will Tokio neue Techniken unterstützen. Über eine Investitionskapazität von rund 18,6 Mrd. Euro verfügt INCJ. Doch das Geld kommt nicht nur kleinen Firmen zugute, sondern auch Großkonzernen mit nennenswertem Eigenkapital. mehr
Die Lage der US-Banken bessert sich: Im ersten Quartal steigen die Gewinne auf Vorkrisenniveau. Die Schuldenkrise in Europa tangiert die Branche kaum. mehr
Sie bieten Fahrspaß und Werterhalt: Youngtimer werden als Anlageobjekte immer beliebter. Am besten laufen derzeit Sondermodelle und Cabrios mit starker Motorisierung - und der Citroën 2CV, die Ente. mehr
In beinahe jedem Mietvertrag steht, dass die Renovierung Sache des Mieters ist. Viele dieser Klauseln hat der Bundesgerichtshof jedoch zuletzt gekippt - und damit Millionen von Mietern das Streichen erspart. FTD-Online erklärt die Rechtslage mehr
Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions
AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!