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Merken   Drucken   19.01.2011, 16:32 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Die Firma bin ich

Der Fall Apple zeigt: Anleger von Unternehmen mit einer dominanten Führungsperson tragen ein besonderes Kursrisiko. Auch unter den deutschen Aktiengesellschaften gibt es eine Reihe von Beispielen. von Karsten Röbisch  und Bernd Mikosch 
Steve Jobs  meldet sich krank, und schon geraten die Anleger in Panik. Die Ankündigung des Apple -Gründers, sich zur Behandlung seines Krebsleidens vorübergehend aus dem operativen Geschäft zurückzuziehen, hat dem Börsenkurs erheblich geschadet. Knapp acht Prozent verlor die Aktie am Montag, wenngleich sich der Kurs am Dienstag wieder etwas erholte.
Kursinformationen und Charts
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Immer wieder kommt es vor, dass der Abgang des Firmenchefs Investoren verschreckt. Als Mark Hurd im August 2010 Hewlett-Packard  verlassen musste, fiel der Aktienkurs allein in der ersten Woche danach um mehr als zehn Prozent. Selbst Topmanager aus der zweiten Reihe können mit einem Jobwechsel einen Kursrutsch auslösen, wie das Beispiel Alan Hippe zeigt.
Als 2009 der Wechsel des damaligen Finanzchefs von Continental  zu ThyssenKrupp  bekannt wurde, brach der Aktienkurs von Continental um rund 18 Prozent ein. Und nun, nachdem Hippe seinen Posten bei ThyssenKrupp räumt und zum Pharmakonzern Roche  wechselt, rutschte der Kurs des Stahlkonzerns ebenfalls ab.
Führungswechsel in Unternehmen passieren ständig und dürften eigentlich kein Grund zur Unruhe sein. Das gilt besonders für Großkonzerne mit Tausenden Mitarbeitern, bei denen es schwerfällt, den Erfolg an einer Person festzumachen. Zumal geregelt ist, wer die Lücke füllt, sollte ein Manager ausfallen - egal aus welchen Gründen. "Bei börsennotierten Unternehmen ist die Stellvertreterregelung des Vorstands in der Geschäftsordnung dokumentiert", sagt Uwe Naujoks, Gründer der Beratungsgesellschaft UKN Management Consulting.
Joachim Hunold   Joachim Hunold
Einige Manager genießen jedoch ein so großes Ansehen, dass ihr Abgang durchaus als Schwächung für das Unternehmen empfunden wird. "Wie auch in anderen Bereichen gibt es in der Wirtschaft Personen, die aufgrund ihrer Erfolge in der Vergangenheit höher eingeschätzt werden", sagt Markus Steinbeis, Aktienfondsmanager bei Pioneer. Und gerade Steve Jobs gilt für viele als Pionier, der mit neuen Produkten den Konzern aus der Krise geführt hat. "Vor dem Risiko, dass der Visionär geht, können sich Unternehmen mit keiner Stellvertreterregelung schützen. Charisma lässt sich nicht ersetzen", sagt Unternehmensberater Naujoks.
Firmen mit einer starken Führungsperson   Firmen mit einer starken Führungsperson
Ob allein fehlendes Charisma einen deutlichen Kursabschlag rechtfertigt, ist jedoch fraglich. Das gilt selbst für Apple. "Ich halte die Kursreaktion für übertrieben. Es ist ja nicht so, dass es außer Steve Jobs keine fähigen Leute im Unternehmen gäbe", sagt Jens Hasselmeier, Analyst von Independent Research. Er verweist darauf, dass sich nach Jobs' letztem Rückzug 2009 der Aktienkurs ebenfalls gut entwickelt hat. Zudem habe der Konzern mit Tim Cook sofort einen Nachfolger bestimmt, der Jobs' Aufgaben vorübergehend übernimmt. Steinbeis sieht es ähnlich und hält Apple für einen Sonderfall: "Es gibt kaum ein Unternehmen dieser Größe, das den Starkult um seinen Vorstandschef so gefördert hat wie Apple."
Für den Fondsmanager zählen Personalwechsel dennoch zu den Risiken, die er im Auge behält. "Wenn jemand freiwillig ein Unternehmen verlässt und das Motiv im Dunkeln bleibt, dann hat das einen anderen Geschmack", sagt Steinbeis. Oft würden Anleger Probleme im operativen Geschäft als Motiv vermuten.
So war es etwa bei Utz Claassen. Als der Manager im März 2010 überraschend sein Amt als Vorstandschef bei Solar Millennium niederlegte, sackte der Kurs des Unternehmens in den Tagen darauf um rund 40 Prozent ab. Als offiziellen Grund für seinen Abgang nannte Claassen unterschiedliche Vorstellungen über die Kultur im Unternehmen, in der Öffentlichkeit verfestigte sich jedoch der Eindruck, der Solarkraftwerkbauer habe seine Bilanz aufgehübscht - nicht ganz zu Unrecht. Eine Sonderprüfung kam zu dem Ergebnis, dass die Bilanz zumindest in einem Punkt nicht korrekt war.
Gefährlich sind Führungswechsel vor allem für Anleger kleinerer Firmen, in denen der Gründer bis zuletzt eine starke Rolle spielte. "Je kleiner ein Unternehmen ist und je stärker seine Abhängigkeit von einer Person in der Vergangenheit war, desto riskanter ist ein Personalwechsel", sagt Fondsmanager Steinbeis.
Mitunter honoriert der Kapitalmarkt aber auch Personalwechsel - selbst bei Großkonzernen. Als im Juli 2005 Jürgen Schrempp seinen Rückzug als Chef von DaimlerChrysler ankündigte, sprang der Aktienkurs in den folgenden Tagen um 15 Prozent nach oben. Denn Schrempps Abgang bedeutete zugleich das Ende der gescheiterten Strategie vom integrierten Technologiekonzern.
01:59:53 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Air Berlin 1,807 EUR   -1,26%  -0.023
FIELMANN 69,6 EUR   -1,69%  -1.2
MEDION 17 EUR   +1,52%  0.255
Roth & Rau 17,55 EUR   +4,25%  0.715
Sixt 14,54 EUR   -1,09%  -0.16
SMA Solar 25 EUR   -0,06%  -0.015
Solarworld 1,489 EUR   -2,93%  -0.045
United Internet 13,635 EUR   -0,76%  -0.105
  • FTD.de, 19.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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