Die Zeiten, in denen Staatsanleihefonds per se als besonders sichere Investments galten, sind vorbei. Seit die Schuldenkrise Europa fest im Griff hat, sind selbst Staatsanleihen potenziell ausfallverdächtig. Eine schwierige Situation für sicherheitsorientierte Anleger. Für Fondsanbieter dagegen nicht unbedingt. Haben sie doch die Möglichkeit, im übersättigten Markt für Staatsanleihefonds neue Produkte zu lancieren, die den Bedürfnissen verunsicherter Anleger vermeintlich besonders entgegenkommen.
Die Société-Générale-Tochter Lyxor hat jüngst vier neue börsengehandelte Indexfonds (Exchange-Traded Funds, ETFs) auf den Markt gebracht. Die Produkte der Familie EuroMTS Macro Weighted AAA Government bilden die Wertentwicklung von Staatsanleihen aus der Euro-Zone ab, die von mindestens zwei der drei großen Ratingagenturen mit der Bestnote "AAA" bewertet werden. Die Fonds unterscheiden sich lediglich in den Laufzeiten der abgebildeten Anleihen voneinander.
Wie der zugrunde liegende Index zusammengesetzt und gewichtet ist, soll sich nach makroökonomischen Faktoren wie Schuldenquote und Wachstum des Bruttoinlandsprodukts richten. Zurzeit enthält er Anleihen aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und Finnland. Mehr Länder können das Ratingkriterium nicht erfüllen, außer Luxemburg, das außen vor bleiben muss, weil sein Anleihemarkt zu klein ist. "Die Produkte sind für sicherheitsorientierte Anleger sinnvoll", sagt Heike Fürpaß-Peter, Deutschland-Vertriebsleiterin bei Lyxor: "Sie bieten etwas höhere Renditen und mehr Diversifikation als reine Bundesanleihen-ETFs."
Auch andere Anbieter wollen mit besonders sicheren Anleiheprodukten punkten. Die Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers hat im März einen Indexfonds lanciert, der die Entwicklung deutscher Bundesanleihen mit einer Laufzeit von drei bis fünf Jahren abbildet. Um in den zugrunde liegenden Index aufgenommen zu werden, müssen Anleihen ein ausstehendes Volumen von mindestens 2 Mrd. Euro aufweisen. So soll sichergestellt sein, dass der Index ausschließlich Papiere mit hoher Liquidität enthält.
Ein anderer neuer ETF der Deutsche-Bank-Tochter bildet die Wertentwicklung von Euro-Staatsanleihen ab, die von mindestens einer der drei großen Ratingagenturen die Note "AAA" bekommen haben. Das größte Gewicht im zugrunde liegenden Index nimmt derzeit Deutschland ein, gefolgt von Frankreich, den Niederlanden und Österreich. "Wir sehen bei Investoren eine große Nachfrage nach ETFs, die die Entwicklung von Staatsanleihen höchster Bonität abbilden", erläutert DB-X-Trackers-Chef Thorsten Michalik.
Ob die neuen Produkte tatsächlich sinnvoller und sicherer sind als etablierte Fonds, ist allerdings fraglich. Erstens sind zwei Topratings nicht unbedingt sicherer als eins. "In der obersten Ratingkategorie dürften die Bewertungen in der Regel ohnehin nah beieinanderliegen", sagt Torsten Hähn, Rentenanalyst bei der genossenschaftlichen WGZ Bank: "Nur bei Abweichungen von mehr als einer oder zwei Stufen sollten Investoren hellhörig werden, wobei dieser Fall in der Praxis ungewöhnlich erscheint."
Zweitens schützt auch ein "AAA"-Rating Investoren nicht vor unangenehmen Überraschungen. "Statistisch gesehen kommt es selten vor, dass ein Land aus den oberen Ratingkategorien innerhalb kurzer Zeit stark herabgestuft wird", sagt Hähn zwar. Im Fall Irlands aber hat es nur zwei Jahre gedauert: Im Frühjahr 2009 hatte das Land noch das Toprating. Dann senkte S&P die Note nach und nach, bis Irland im Frühjahr 2011 bei "BBB+" angekommen war und damit nur noch knapp in der Investmentgrade-Kategorie lag.