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Merken   Drucken   29.09.2008, 10:35 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Fonds-Branche trotzt Lehman-Pleite

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers zieht immer weitere Kreise, aber die deutschen Fondsgesellschaften sind offenbar mit einem blauen Auge davongekommen. Das meldet der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI). von Olaf Wittwock
Der Bundesverband hatte seine Mitglieder befragt: Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags waren diese mit maximal 0,5 Prozent des Fondsvermögens bei Lehman engagiert - nur bei wenigen institutionellen Fonds seien die Verlustrisiken "etwas höher" gewesen.
Das gilt nach Angaben der wichtigsten Anbieter auch für Zertifikatefonds. Weder Allianz Global Investors noch DWS oder Deka haben danach in dieser Fondskategorie Ausfälle durch die Lehman-Pleite zu beklagen. Auch der schweizerische Vermögensverwalter Trinova Invest, der 2001 einen der ersten Zertifikatefonds für den deutschen Markt initiierte, ist nicht betroffen. Einzig die Fondsverwalter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) gaben an, im Zertifikate-Strategie-BWI-Fonds sei mit Ausfällen zu rechnen, maximal in Höhe von 0,5 Prozent des Volumens. Der Schaden des 23 Mio. Euro großen Fonds beträgt danach bis zu 115.000 Euro.
Die Entwarnung unter den Zertifikatefonds ist beruhigend. Denn die Anlageklasse, für die es erst seit 2005 ein größeres Angebot gibt, vereint nach Angaben des BVI in 44 Fonds immerhin 4,1 Mrd. Euro. Und auch wenn die Manager ganz unterschiedlichen Strategien folgen, meist über Discount- oder Bonuspapiere, eines ist allen gemeinsam: Sie nutzen neben Aktien und Anleihen vor allem Anlagezertifikate sowie vergleichbare Termingeschäfte.
Dieses Engagement macht sie gleich dreifach anfällig für Ausfälle. Erstens ist da das Basiswertrisiko: Bricht wegen Insolvenz eine Bankaktie ein, ist das darin investierte Geld verloren. Dieses Risiko müssen auch alle Aktienfonds tragen. Zweitens das Emittentenrisiko: Begibt eine Bank Schuldverschreibungen und fällt aus, stehen die Gläubiger ohne Kapital da. Mit diesem Risiko muss jeder Rentenfonds kalkulieren, auch Geldmarktfonds, die Bankanleihen kaufen, sind betroffen; außerdem sämtliche Zertifikate - denn auch dahinter steckt nichts anderes als Anleihen.
Drittens kommt das Kontrahentenrisiko dazu. Dieses betrifft den Handel auf Terminmärkten. Dort machen Banker Tauschgeschäfte. Gerät nun ein Handelspartner in Schwierigkeiten, kommt es immer häufiger zu regelrechten Dominoeffekten: Schlagartig kündigen alle möglichen Geschäftspartner ihre Kontrakte und stellen offene Forderungen fällig. Fehlt der Bank dann Geld, kann sich die Lage zuspitzen, andere bleiben womöglich auf der Differenz zwischen ihrem Einsatz und dem Wert des Tauschobjekts sitzen. "Das Kontrahentenrisiko haben alle Anleger zu tragen, die auf Terminmärkten spekulieren", bestätigt Jürgen Zirn, Mitglied der Geschäftsführung von LBBW Asset Management. Die wahrscheinlichen Verluste in seinem Haus rührten unter anderem auch daher.
Auch die Manager anderer Zertifikatefonds tummeln sich auf den Terminmärkten. Die Sparkassentochter Deka etwa konstruiert das Risiko-Rendite-Profil ihrer Zertifikatefonds vollständig über Termingeschäfte: Hier stecken also gar keine Zertifikate im Produkt.

Teil 2: Der Grund

  • Aus der FTD vom 29.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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