Wollen sich Anleger auf die Schnelle ein Bild von einer Aktiengesellschaft machen, schauen sie meist zuerst auf die Internetseite des Unternehmens. Hier finden Investoren die aktuellsten Unternehmensnachrichten: Pressemitteilungen, Ad-hoc-Meldungen, Quartals- und Geschäftsberichte. Alle Dokumente können sie bequem per Mausklick herunterladen.
Wer sich eingehender mit einem Unternehmen beschäftigen möchte, kann sich auch den gedruckten Geschäftsbericht per Post bestellen. Doch wie gehen Unternehmen heute mit solchen Wünschen von Privatinvestoren um? Wie schnell verschicken sie Geschäftsberichte? Bestätigen sie den Eingang der Bestellung? Und fügen sie dem Brief ein persönliches Anschreiben bei? Das hat die Kölner Kommunikationsberatung Netfederation in einer Studie untersucht: Über die Internetseiten der in den Indizes Dax 30, MDax und TecDax enthaltenen Unternehmen haben die Tester gedruckte Geschäftsberichte bestellt.
Das Ergebnis ist ernüchternd. So ermöglichen es immer weniger Gesellschaften interessierten Anlegern, schnell und unkompliziert eine Bestellung für den Geschäftsbericht abzugeben. Zudem lassen sie sich mit dem Versand Zeit. Und nur einem Bruchteil der Briefe liegt ein Anschreiben bei. "Viele Unternehmen vernachlässigen die Versorgung der Anleger mit gedruckten Geschäftsberichten", sagt Thorsten Greiten, Geschäftsführer von Netfederation.
Die Tester untersuchten zunächst, wie lange sich Anleger durch die Unternehmenswebsite klicken müssen, um zum Bestellformular zu gelangen. Bei 61 Prozent der Firmen war das Formular relativ leicht zu finden, mit höchstens drei Klicks von der Investor-Relations-Seite. Die übrigen Unternehmen haben die Funktion dagegen gut versteckt, hier waren vier und mehr Klicks erforderlich. Das wirkt sich auch auf die Zeit aus, die Anleger für die Onlinebestellung des Geschäftsberichts brauchen. Bei 45 Prozent der untersuchten Firmen dauerte es im Test länger als zwei Minuten, die Order abzusetzen.
Haben Investoren den Geschäftsbericht erst einmal bestellt, können sie oft nur hoffen, dass die Order auch korrekt übermittelt wurde. Denn mit 83 Prozent verschickt die große Mehrheit der Unternehmen keine Bestätigungsmail. Fast genauso hoch ist der Anteil der Gesellschaften, auf deren Brief Anleger länger als zwei Tage warten müssen. Und nur 19 Prozent der Aktiengesellschaften legen dem Geschäftsbericht ein Anschreiben bei.
Besonders ärgerlich: In den vergangenen Jahren sind die deutschen Aktiengesellschaften immer nachlässiger geworden, belegen die Zahlen von Netfederation. Sie verstecken die Bestellformulare regelrecht auf ihren Onlineseiten, verkomplizieren den Bestellprozess und lassen sich mit dem Versand immer mehr Zeit.
Während beim Versandservice gespart wird, steigt aber gleichzeitig die Qualität der Investor-Relations-Websites kontinuierlich, bestätigt Greiten.