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Merken   Drucken   10.07.2008, 17:02 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Inflation als Rendite

Die anziehende Teuerung hat der Zertifikatbranche ein neues Trendprodukt beschert. ABN Amro, Barclays, ING, JP Morgan, Merrill Lynch, Morgan Stanley und Unicredit bieten schon Zertifikate an, deren Ertrag von der Preisentwicklung abhängt. von Bernd Mikosch und Olaf Wittrock
Am Montag folgte die Deutsche Bank, am Dienstag die WestLB. Die Zertifikateanbieter reagieren damit auf das verstärkte Interesse der Anleger am Thema Inflation. Ihre Produkte konkurrieren unter anderem mit Fonds, die inflationsindexierte Anleihen kaufen. In Deutschland ist die Teuerung zuletzt auf den höchsten Stand seit fast 15 Jahren geklettert, im Euro-Raum stiegen die Verbraucherpreise im Juni so schnell wie nie seit Einführung der Statistik. Jeder dritte Bundesbürger rechnet mit einem Anstieg der Inflationsrate auf bis zu vier Prozent, 40 Prozent befürchten eine Teuerungsrate über vier Prozent, zeigt eine repräsentative Befragung im Auftrag der WGZ Bank.
Am einfachsten konstruiert ist die Realzins-Anleihe der WestLB. Anleger bekommen bis 2012 jährlich einen Fixkupon von 2,25 Prozent plus die Inflationsrate, die wie bei den meisten anderen Produkten am harmonisierten Verbraucherpreisindex für den Euro-Raum ohne Tabakwaren (HVPI) festgemacht wird.
Ausgewählte inflationsgesicherte Euro-Rentenfonds und Zertifikate ...   Ausgewählte inflationsgesicherte Euro-Rentenfonds und Zertifikate mit Inflationsschutz
Morgan Stanley zahlt im ersten und zweiten Jahr den doppelten HVPI, im dritten Jahr fließt ein Fixkupon von fünf Prozent. Barclays macht es genau umgekehrt: Im ersten Jahr bekommt der Anleger 4,5 Prozent, im zweiten und dritten Jahr dann das 1,5-Fache des HVPI. Ähnlich verfährt die Deutsche Bank: Für das erste Jahr zahlt der Emittent fünf Prozent, für das zweite und dritte das 1,5-Fache der Inflation. Das klingt besser als das Barclays-Angebot, allerdings rechnet die Deutsche Bank mit der Inflationsrate für die Bundesrepublik, die in der Regel deutlich unter der des Euro-Raums liegt.
"Wir haben mit Inflationsanleihen schon mehr als 1 Mrd. Euro eingesammelt", sagt Roland Lang, der das Zertifikategeschäft von Morgan Stanley in Frankfurt leitet. "Den hohen Zins können wir bieten, weil unsere Refinanzierung gute Konditionen zulässt und weil wir unsere Größenvorteile im Absicherungsgeschäft an die Kunden weitergeben." Banken besserer Bonität können keine so hohen Zinsen bieten.
Konsumentenpreise 2008 in ausgewählten Ländern und der ...   Konsumentenpreise 2008 in ausgewählten Ländern und der harmonisierte Verbraucherpreisindex für den Euro-Raum
Schon länger als die Zertifikateanbieter haben die Fondshäuser Inflationsprodukte im Angebot. Bei Rentenfonds schmälert die Geldentwertung ganz unmittelbar den Wert künftiger Zinszahlungen, sodass bei gleicher Nominalverzinsung der effektive Zinssatz schrumpft. Einen Ausweg bieten sogenannte Inflation-Linked Bonds - kurz Linker. Deren Nominalzinssatz ist variabel an den Verbraucherpreisindex gekoppelt. So bleibt der effektive Zins nach Geldentwertung immer gleich. Die unerwartet hohen Preisanstiege der vergangenen Monate kamen den Fonds zugute. Viele erzielten auf Sicht von einem Jahr zweistellige Renditen.
Einziger Haken: Der Inflationsschutz ist nur attraktiv, wenn die Preise schneller steigen als erwartet. Entspricht die Inflation den vorherrschenden Prognosen, bringen die Linker nicht mehr Ertrag als herkömmliche Anleihen, deren Zinssatz sich immer auch aus eben dieser allgemein erwarteten Inflation ergibt. Fällt die Inflation geringer aus, als Notenbanker glauben, geraten Linker gegenüber Staatsanleihen sogar ins Hintertreffen.
"Entscheidend für den Vergleich ist die Break-Even-Inflationsrate", erklärt Holger Brauer, Manager des "MAT Real Return" der Nomura-Fondstochter Maintrust. "Sie berechnet sich aus der Differenz zwischen den Nominalzinsen am Rentenmarkt und der Realrendite der Linker." Zwar gehen Fondsmanager derzeit nicht davon aus, dass diese Kennzahl unter die tatsächliche Inflation fällt, in den vergangenen Jahren ist aber genau dieses Szenario häufig eingetreten.
Ein weiteres Problem für die Fondsmanager liegt in der Auswahl der passenden Anleihen, denn Inflation-Linked Bonds sind immer an ihre Region gebunden, Euro-Anleger können also allenfalls mit europäischen Rententiteln dem Preisverfall in ihrem Portemonnaie begegnen. Zudem kann die Inflation innerhalb Deutschlands deutlich von der Durchschnittsentwicklung im Euro-Raum abweichen. Anleihen, die an den europäischen Preisindex gekoppelt sind, gleichen die Entwertung dann nicht völlig aus.
Geeignet für Zeiten mit hoher Inflation sind auch Immobilienfonds. Beim aktuellen Beteiligungsangebot von Hannover Leasing, "Substanzwerte Deutschland 4", sind die Mieten voll indexiert, das heißt sie steigen in Höhe der Inflationsrate. "Dies bietet den bestmöglichen Schutz vor Inflation", sagt Hannover-Leasing-Chef Friedrich Wilhelm Patt. Andere geschlossene Fonds weisen vergleichbare Klauseln auf. "Offene Immobilienfonds stellen ebenso einen guten Inflationsschutz dar, da die zugrunde liegenden Mietverträge häufig Wertsicherungsklauseln enthalten", sagt Commerz-Real-Chef Hubert Spechtenhauser. 70 Prozent aller Mietverträge seiner beiden offenen Immobilienfonds seien mit solchen Wertsicherungsklauseln versehen.
  • FTD.de, 10.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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