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Merken   Drucken   20.08.2008, 08:56 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Mifid geht an Anlegern vorbei

Die Finanzmarktrichtlinie Mifid sollte eigentlich den Anlegerschutz in Deutschland stärken. Nach fast einem Jahr sind die Ergebnisse der Reform für Privatanleger ernüchternd - zumindest, was die bestmögliche Ausführung von Wertpapiergeschäften betrifft. von Ute Göggelmann
Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des E-Finance Lab, eines gemeinsamen Forschungsinstituts der Universität Frankfurt und der TU Darmstadt, die der FTD exklusiv vorliegt. "Viele Häuser haben sich bei den Grundsätzen der Auftragsausführung auf die Realisierung der Minimalanforderungen beschränkt und damit den gesetzlichen Anforderungen Genüge getan", sagte Peter Gomber, Leiter der Studie. Das E-Finance Lab wird von zwölf Unternehmen unterstützt, darunter vier Banken.
Er habe lediglich einen Finanzdienstleister gefunden, der einen innovativen Ansatz im Sinne des Privatanlegers verfolge, so Gomber. Dieses Institut, das er aus Neutralitätsgründen nicht nennen wollte, führt jeden Kundenauftrag nach dem dafür aktuell besten Börsenplatz aus. Das geht weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. In der Regel orientieren sich Banken bei der Empfehlung für den besten Börsenplatz an historischen Daten.
Die Mifid brachte dem Anleger bislang vor allem viel Papier nach Hause   Die Mifid brachte dem Anleger bislang vor allem viel Papier nach Hause
Basis der Studie waren 75 Ausführungsgrundsätze der 100 größten deutschen Kreditinstitute und der 15 größten Onlinebroker in Deutschland. Diese Grundsätze - häufig auch "Best Execution Policies" genannt - wurden mit dem Start der EU-Richtlinie für Märkte in Finanzinstrumenten (Mifid) im November 2007 an die Anleger versandt. Banken müssen demnach Empfehlungen für den aus Kundensicht jeweils günstigsten Handelsplatz geben. Überlässt der Kunde die Entscheidung über den Ausführungsort der Bank, ist sie verpflichtet, die aus Kundensicht beste Ausführung zu wählen. Neben den Gebühren der Börsen und außerbörslichen Handelsplätze muss sie auch auf die Ausführungsgeschwindigkeit und -wahrscheinlichkeit sowie auf die Spreads achten - die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Die Studie von E-Finance Lab gibt erstmals Aufschluss darüber, wie streng die Banken die Vorgaben umsetzen.
Gomber stellte in der Untersuchung eine "deutliche Heterogenität" fest: "Einige Ausführungsgrundsätze sind sehr umfangreich und beschreiben die gewählte Vorgehensweise sehr ausführlich, andere hingegen beschränken sich auf Mindestangaben und sind für Kunden wenig aussagekräftig", sagte er. Die Angaben zu den angebotenen Ausführungsplätzen seien meist abstrakt formuliert, etwa mit "inländischer Ausführungsplatz gemäß Bewertungsergebnis". Damit weiß ein Kunde weder, wohin sein Kaufauftrag geht, noch, warum der gewählte Platz der beste sein soll. Immerhin gibt es in Deutschland sieben Regionalbörsen, den vollelektronischen Handelsplatz Xetra der Deutschen Börse und außerbörsliche Anbieter wie Tradegate.
Nur bei 24 Prozent der Banken sei eine Rangfolge der Ausführungsplätze vorzufinden, sagte Gomber. "Diese Häuser haben sich mit ihren Empfehlungen Gedanken gemacht, die für einen interessierten Anleger sehr nützlich sein können."
Weitere Impulse für eine anlegerfreundlichere Mifid-Umsetzung könnten von der Finanzaufsicht BaFin kommen. Sie wertet derzeit eine Marktumfrage unter den größten deutschen Kreditinstituten aus. Grundsätzlich seien die Ergebnisse bisher positiv - vor allem die ausführlichen Ausführungsgrundsätze einiger Institute, sagte eine BaFin-Sprecherin.
Dass sich jedoch die Mehrheit der Banken die engagierteren Häuser zum Vorbild nimmt und Mifid als Wettbewerbsvorteil nutzen wird, hält Börsenexpertin Susanne Klöß, Partnerin beim Beratungshaus Accenture, derzeit für fraglich. Sie verweist dabei auf die aktuelle Marktsituation, die Privatanleger eher von der Börse fernhält als anlockt.
Deutsche Börse siegt
Studie Das Forschungsinstitut E-Finance Lab hat 75 Ausführungsgrundsätze von deutschen Kreditinstituten und Onlinebrokern untersucht. Dabei gab lediglich jede vierte Bank ihren Kunden eine Empfehlung für den besten Handelsplatz von Wertpapierorders.
Gewinner Mit Abstand am häufigsten genannt wurde die vollelektronische Handelsplattform Xetra der Deutschen Börse. Bei Dax-Titeln empfahlen etwa 14 Banken diesen Ausführungsplatz, bei Stoxx-Werten zehn, bei sonstigen inländischen sowie ausländischen Papieren je elf Banken.
Verlierer Die Regionalbörsen außerhalb Frankfurts kommen dagegen nicht über jeweils zwei Empfehlungen hinaus.
  • Aus der FTD vom 20.08.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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