Zur klugen Verwaltung des eigenen Aktiendepots dient unter anderem die Relative-Stärke-Methode. Nur in einer Baisse sollten sich Anleger nicht ohne Weiteres auf die Ergebnisse der mehr als 40 Jahre alten Bewertungsart verlassen. von Stefan Mayriedl
Ein Problem, vor dem Fondsmanager immer wieder stehen, ist, gute von schlechten Aktien zu trennen. Eine Methode, die dabei häufig genutzt wird und sich auch bei den Selbstentscheidern unter den Privatanlegern großer Beliebtheit erfreut, ist die der Relativen Stärke.
Vor 43 Jahren stellte Robert Levy dieses Auswahlsystem vor. Er untersuchte in einer Studie über einen Zeitraum von fünf Jahren 200 Wall-Street-Aktien. Dabei stellte er fest, dass es immer wieder Werte gab, die über eine längere Periode deutlich besser abschnitten als der Rest. Levy entwickelte eine Kennzahl, die den aktuellen Wochenschlusskurs einer Aktie ins Verhältnis zum Durchschnitt der Wochenschlusskurse unterschiedlich langer Zeiträume setzt, und fand heraus, dass der Vergleich mit der letzten Sechs-Monate-Periode besonders gute Ergebnisse lieferte.
Levys System lässt sich auf beliebige Aktienkörbe anwenden, sofern sie eine kritische Masse von mindestens 30 bis 40 Werten umfassen. Der große Nutzen besteht darin, dass die Gesamtheit der für den Anleger interessanten Titel kontinuierlich und rein mechanisch strukturiert wird. Die Relative-Stärke-Methode spürt jene Titel auf, in denen die Musik spielt - zumeist mit Erfolg, wie eine Studie der Universität Mannheim bestätigt. Die Wissenschaftler untersuchten die Ergebnisse mehrerer Varianten des Ansatzes und stellten im Vergleich mit dem Gesamtmarkt jährliche Überrenditen von bis zu zehn Prozent fest.
Starke Werte Aktienranking nach Relative-Stärke-Methode
Auch Ralf Goerke, Autor des Börsenbriefs Momentuminvestor, wendet die Strategie an. Der technische Analyst berechnet wöchentlich Rangfolgen für die Mitglieder wichtiger Aktienbarometer, aber auch für Rohstoffe, Devisen und Aktienindizes. Dabei wird zunächst ein Segment abgegrenzt, aus dem dann die besten Aktien herausgefischt werden. Das Anlageuniversum sollte sich auf hoch liquide und ausreichend große Titel beschränken - in Deutschland beispielsweise auf die Mitglieder der Leitindizes DAX, MDAX und TecDAX.
Von den insgesamt 110 Aktien der drei Börsensegmente werden jeweils die durchschnittlichen Wochenschlusskurse der vergangenen sechs Monate, die sogenannte gleitende 26-Wochen-Linie, ermittelt. Anschließend wird der aktuelle Wochenschlusskurs durch diesen Mittelwert geteilt. Heraus kommt der Relative-Stärke-Levy-Wert (RSL), der um den Wert eins schwankt. In einem nächsten Schritt werden die Aktien anhand des RSL-Werts in absteigender Folge zu einer Rangliste sortiert. Die oberen fünf bis sieben Prozent des Rankings werden anschließend gekauft. In der 110er-Liste wären dies die sechs bis acht Aktien mit den höchsten RSL-Werten.
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