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Merken   Drucken   23.01.2009, 09:51 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Mit Gütesiegel des Bundes

Barclays hat es getan, die Royal Bank of Scotland ebenso und auch die Commerzbank: Anleihen begeben, für die der Staat eine Ausfallbürgschaft übernommen hat. Das Interesse an den neuen Produkten ist groß zu recht. von Franz von den Driesch
Als die Commerzbank  als erstes deutsches Kreditinstitut eine Anleihe dieses Typs auf den Markt brachte, überstieg die Nachfrage bei Weitem das angepeilte Emissionsvolumen von 2,5 Mrd. Euro. Binnen wenigen Stunden schwoll das Orderbuch auf 9 Mrd. Euro an. Letztendlich wurden 5 Mrd. Euro am Markt platziert.
Das große Interesse reißt auch am Sekundärmarkt nicht ab. "Die Commerzbank-Anleihe zählt derzeit zu den umsatzstärksten Papieren", sagt Claudia Smetko, Rentenhändlerin der Börse Stuttgart. Die hohe Nachfrage kommt nicht von ungefähr. Obwohl der Bond aufgrund des staatlichen Zahlungsversprechens von den Bonitätsprüfern mit einem Dreifach-A-Rating die bestmögliche Benotung erhält, lockt das Papier mit einer deutlich höheren Rendite als eine vergleichbare Bundesanleihe (siehe Tabelle). Anleger, die sich das dreijährige Papier ins Depot legen und bis Fälligkeit halten, kassieren beim aktuellen Kurs von rund 100 Euro eine Rendite von ebenfalls 2,68 Prozent. Das sind rund 0,8 Prozentpunkte mehr, als eine Staatsanleihe gleicher Laufzeit derzeit bietet.
Mehr Rendite bei gleicher Sicherheit   Mehr Rendite bei gleicher Sicherheit
"Die Anleihe ist vor allem für konservative Anleger eine attraktive Alternative zu Bundesanleihen", sagt Smetko. Zwar fallen noch Ordergebühren und Depotkosten an, während Bundesanleihen bei der Finanzagentur kostenlos gekauft und verwahrt werden können. Unterm Strich fahren Investoren mit der Bankanleihe dennoch eine höhere Rendite ein, zumal mittlerweile zahlreiche Direktbanken ein kostenloses Depot anbieten.
Dem Beispiel der Commerzbank sind inzwischen weitere inländische Kreditinstitute gefolgt. So haben auch die HSH Nordbank und zuletzt die BayernLB sowie die IKB  staatsgarantierte Anleihen begeben. Nach Ansicht von Uwe Burkert, Leiter Credit Research der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), dürften noch andere Banken folgen. "Die BayernLB und die Mittelstandsbank IKB sind nur zwei von zahlreichen weiteren Emittenten, die staatsgarantierte Anleihen auf den Markt bringen werden." Erfreulich aus Sicht der Privatanleger ist die geringe Stückelung: Die kleinste handelbare Einheit beträgt bei den meisten Papieren 1000 Euro, lediglich die IKB bietet ihre in einer Stückelung von 50.000 Euro an.
Erfahrene Anleger wissen jedoch: Dort, wo höhere Renditen locken, lauern auch größere Gefahren - das ist bei staatlich garantierten Bankanleihen nicht anders. Zum einen "rechtfertigt die im Vergleich zu Bundesanleihen geringere Liquidität den Renditeaufschlag", sagt Christian Apelt, Rentenexperte der Helaba. Ein deutlich höheres Risiko besteht jedoch im Insolvenzfall von Banken, die staatsgarantierte Bonds emittieren. "Wenn der Schuldner Konkurs anmeldet, werden die Anleihen vorzeitig vom Bund zum Nennwert getilgt", erklärt Rentenexperte Burkert von der LBBW.
Und dann drohen sogar Kursverluste: Notiert der Kurs einer Anleihe zum Zeitpunkt der Insolvenz über pari (100 Prozent), erhalten Anleger dennoch nur den Nennwert gutgeschrieben. In dem Fall müssen sie zudem damit rechnen, dass der Bund als Garantiegeber nicht umgehend zurückzahlt. "Zweifel an der Staatsgarantie bestehen nicht. Im Extremfall kann es jedoch zu zeitlichen Verzögerungen bei der Rückzahlung kommen", so Burkert.
Kursinformationen und Charts
  IKB Deutsche Industriebank 0,525 EUR  [0.035 +7,14%
  Commerzbank 1,408 EUR  [0 0,00%
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Deutlich eleganter hat der französische Staat dieses Problem gelöst. Er hat eigens die staatliche Gesellschaft SFEF (Société de Financement de l'Economie Française) gegründet, unter deren Namen auch die speziellen Anleihen emittiert werden. Die SFEF garantiert zudem einen reibungslosen und pünktlichen Zahlungsverkehr. Zehn Tage vor der Zinszahlung oder vor Fälligkeit der Anleihe vergewissert sich das staatseigene Institut bei der jeweiligen Bank, ob sie in der Lage ist, ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Ist dies nicht der Fall, bleibt ausreichend Zeit, das notwendige Kapital zu beschaffen. "Anleger, die sich französische Papiere zulegen, können sicher sein, pünktlich bedient zu werden", sagt Burkert. Im Gegenzug ist der Renditeunterschied französischer Bonds gegenüber Staatspapieren mit 45 Basispunkten deutlich geringer als bei der Commerzbank-Anleihe.
Zwar verdienen Anleger mit den staatsgarantierten festverzinslichen Wertpapieren eine höhere Rendite als mit einer vergleichbaren Bundesanleihe. Gegenüber unbesicherten Bankanleihen ist der Ertrag indes deutlich niedriger. So wirft die Deutsche-Bank -Anleihe (ISIN DE000DB5S501) mit Fälligkeit im September 2012 eine Rendite von rund 4,2 Prozent ab. Und die Gefahr, dass der Bund zuschaut, dass eine renommierte deutsche Großbank ihre Gläubiger nicht bedienen kann, schätzen Experten als äußerst gering ein. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Staat im derzeitigen Umfeld keine Anleihe einer deutschen Großbank ausfallen lassen würde", meint Analyst Apelt.
01:59:57 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
IKB Deutsche Industriebank 0,525 EUR   +7,14%  0.035
Commerzbank 1,408 EUR   0,00%  0
Deutsche Bank 29,08 EUR   +0,83%  0.24
  • Aus der FTD vom 23.01.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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