Pharmakonzerne leiden unter hohen Kosten und geringer Effizienz. Nur wenige Aktien bieten sich derzeit als Investment an. von Alois Lehner
Auf die Frage, was ihm nachts den Schlaf raube, antwortete Roche-Chef Severin Schwan jüngst lapidar: "Unsere Pipeline." Dabei steht der Schweizer Onkologiespezialist noch vergleichsweise gut da, wenn es um die Entwicklung neuer Medikamente geht. Fast alle großen Pharmamultis haben hier mit hohen Kosten und geringer Effizienz zu kämpfen.
Laut einer Studie von Credit Suisse sind die Forschungs- und Entwicklungsdepots derzeit fast leer. Das gilt zumindest für Mittel, die eine signifikante Lebensverlängerung bringen sollen. So werden es in diesem Jahr in Europa nur geschätzte zehn potenzielle Blockbusterpräparate (Umsatz mindestens 1 Mrd. Dollar) in die klinische Phase drei schaffen. Die Credit-Suisse-Analysten rechnen damit, dass 2012 in Europa mit neuen Produkten - Marktreife seit 2009 - ein Umsatzwachstum von 30 Mrd. Dollar zu erwarten sei. Diese entspräche exakt den Verlusten, die durch den Ablauf von Patenten entstehen.
Einige Pillenhersteller wie Pfizer und Sanofi haben wegen der geringen Produktivität bei ihren Forschungs- und Entwicklungsbudgets bereits den Rotstift angesetzt. Die Unternehmensberatung McKinsey geht noch einen Schritt weiter und schlägt vor, dass die Pharmamultis komplett auf die teuren Sparten verzichten und diese stattdessen in kleinere Pharma- und Biotechunternehmen ausgliedern. Erfolgreiche Produkte könnten dann von den Konzernen lizenziert werden und die großen Hersteller sich allein auf Markenpflege und globale Vermarktung konzentrieren.
Doch nicht nur Restrukturierungskosten drücken auf Marge und Gewinn, auch die Preissenkungen in den großen, entwickelten Pharmamärkten schlagen negativ zu Buche. Wegen der Überalterung der Gesellschaft steigt der Gesundheitsaufwand in den Industriestaaten überproportional zur Wirtschaftsleistung. Die Regierungen begrenzen daher ihre Gesundheitsausgaben. Im April stehen in Japan, dem weltweit zweitgrößten Pharmamarkt, die alle zwei Jahre staatlich verordneten Preissenkungen an. In den USA wird die bundesstaatliche Krankenversicherung Medicare 2013 größere Anpassungen vornehmen. Und auch in Europa werden angesichts der Budgetprobleme neue Einschnitte nötig sein.
Diese Belastungsfaktoren sind der Grund dafür, dass das Marktwachstum wesentlich bescheidener ausfällt als in früheren Zeiten. Laut Branchenverband IMS Health werden die weltweiten Ausgaben für Medikamente bis 2015 um drei bis sechs Prozent steigen. Vor zehn Jahren gab es hier noch zweistellige Wachstumsraten.
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