Josef Beutelmann, Vorstandsvorsitzender bei der Barmenia, glaubt, dass auch die unterschiedliche Berechnung des Eintrittsalters bei den Versicherern einen Teil der Renditedifferenz erklärt. "Es werden Gesellschaften begünstigt, die das Eintrittsalter als Differenz zwischen Beginn- und Geburtsjahr bestimmen", sagt er. Der Modellmann von "Finanztest" ist am 30. Dezember 1967 geboren, am 1. Januar 2008 hat er seine Police abgeschlossen. Nach der oben beschriebenen Rechenmethode war er zum Eintrittszeitpunkt schon 41 Jahre alt. Die Barmenia bestimmt das Eintrittsalter nach der sogenannten Halbjahresmethode, das heißt, das Eintrittsalter wird gegenüber dem tatsächlichen Alter um ein Jahr erhöht, wenn zwischen Geburtstag und Versicherungsbeginn mehr als ein halbes Jahr liegt. Bei der Barmenia ist der Modellmann also erst 40 Jahre alt. Er hat damit statistisch betrachtet eine längere Lebenserwartung - und bekommt daher eine geringere jährliche Rente.
Auch Versicherungsberater Andreas Rebhan aus Kevelaer rät Rürup-Interessierten, sich nicht nur von Modellrechnungen leiten zu lassen, sondern einen Steuerberater zu konsultieren. "Erst dann kann gesagt werden, ob die Rürup-Variante tatsächlich aufgrund der steuerlichen Behandlung Renditevorteile bringt oder ob man aufgrund seiner finanziellen Situation lieber zu Alternativen greift, die flexibler sind", sagt Rebhan. Seiner Meinung nach wird die Rürup-Rente dem beruflichen Auf und Ab ihrer Klientel nicht gerecht. Es ist denkbar, dass sich ein Selbstständiger wieder eine Festanstellung sucht. Der Rürup-Vertrag kann dann schnell unrentabel werden, da der Kunde seine Beiträge zur gesetzlichen Rente von seinem maximal möglichen und steuerlich geförderten Rürup-Beitrag abziehen muss. Zu Geld machen darf er den Vertrag nicht. Das bei Rürup angesparte Kapital ist laut Gesetz weder kapitalisierbar noch beleihbar, übertragbar oder vererbbar.
In Sachen Flexibilität stellt die "Finanztest"-Untersuchung den Versicherern ein schlechtes Zeugnis aus: Beitragsanpassungen nach oben oder unten sind oft nur gegen einen saftigen Aufpreis zu haben.