Der Agrarboom verhilft der Branche zu Rekordgewinnen. Analysten raten zum Kauf ausgewählter Titel - FTD-Online gibt einen Überblick. von Wolfgang Hagl
Luft anhalten heißt es in den kommenden Wochen für die Bewohner ländlicher Regionen. Sobald die Böden abgetrocknet sind, düngen die Landwirte ihre Felder mit Gülle, bevor sie mit der Maissaat beginnen. An den Gestank ohnehin gewöhnt, haben sich die Mienen der Bauern wieder deutlich aufgehellt. Das deutsche Konjunkturbarometer Agrar des Bauernverbands zeigt seit mittlerweile zwei Jahren steil nach oben. Der Grund für die gestiegenen Optimismus liegt auf der Hand: Insbesondere für Feldfrüchte bekommen die Landwirte wieder deutlich mehr Geld. Mais wirft knapp zwei Drittel mehr ab als vor einem Jahr. Zwar haben die Weltmarktpreise zuletzt korrigiert. Doch viele Analysten erwarten, dass die Rally der Agrarrohstoffe anhält.
Anleger können mithilfe von Zertifikaten direkt auf Weizen oder Mais setzen. Alternativ bietet sich ein Engagement in Landmaschinenhersteller an. Gerade die Aktien dieses Sektors blieben weitgehend von der Börsenkorrektur verschont. Das ist umso erstaunlicher, da die Agrartechnikunternehmen auch Maschinen an die strauchelnde US-Bauindustrie verkaufen.
Erfolgreiche Saatpfleger
200-jähriges Jubiläum
Trotz der allgemeinen Baisse weiter auf Rekordniveau bewegt sich Bucher Industries. Das Schweizer Unternehmen erzielt mehr als ein Drittel der Erlöse mit Landmaschinen, unter anderem zur Bodenbearbeitung. 2007 feierte Bucher das 200-jährige Jubiläum und verdiente so viel wie nie zuvor. Der Gewinn nahm um mehr als drei Viertel auf 171 Mio. Schweizer Franken zu, das operative Ergebnis (Ebit) sogar um 85 Prozent auf 229 Mio. Franken. "Bucher hat seine Ziele erreicht und zum ersten Mal in den letzten zwanzig Jahren das Ebit-Margenziel von acht Prozent übertroffen", sagt Fabian Häcki von der Bank Vontobel. Bereits im laufenden Jahr traut der Analyst dem Unternehmen eine knapp zweistellige Marge zu. Obwohl sich der Kurs 2007 annähernd verdoppelt hat, sieht Häcki noch Potenzial und stuft die Aktie mit "Kaufen" ein.
Ausgewählte Landmaschinenaktien
Wie Bucher blieb auch die Aktie von Deere & Co. weitgehend von den Börsenturbulenzen verschont. Auf Sicht von zwölf Monaten weist der Kurs des Landmaschinenherstellers ein Plus von mehr 50 Prozent aus. Vor allem in Mittel- und Südamerika finden die Traktoren und Mähdrescher des Konzerns reißenden Absatz. In diesen Regionen verbuchte Deere im vergangenen Jahr ein Umsatzplus von 60 Prozent. Ähnlich hoch fällt die Rate in Zentraleuropa und auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion aus. Die starke Stellung in den landwirtschaftlichen Aufsteigerregionen hat dazu geführt, dass der US-Konzern mittlerweile mehr als ein Drittel des Geschäfts außerhalb von Nordamerika erzielt. Laut Goldman Sachs schneidet zudem die Baumaschinensparte im strauchelnden US-Immobilienmarkt besser ab als die Konkurrenz. "Wir glauben, dass Deere gut positioniert bleibt, um vom starken zyklischen Rückenwind in der Landwirtschaft zu profitieren", kommentierten die Analysten die jüngsten Quartalszahlen. Zwar empfiehlt Goldman Sachs die Aktie weiterhin zum Kauf, aus Bewertungsgründen bevorzugen die Analysten aber die CNH-Aktie.
In der Tat weist der Konkurrent gegenüber Deere beim Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf Basis der für 2009 erwarteten Gewinne einen kleinen Abschlag auf. Allerdings hängt dies wohl mit der schwächeren Kursentwicklung zusammen. CNH konnte weder Bucher noch Deere zuletzt folgen. Das zum Fiat-Konzern zählende Agrartechnikunternehmen enttäuschte die Anleger mit den Zahlen zum Schlussquartal 2007. Goldman Sachs sieht aber auch bei CNH gute Chancen, besonders stark vom Agrarboom zu profitieren. CNH erzielt drei Viertel des Gewinns mit Maschinen für die Landwirtschaft.
Hohe Kursgewinne auf Sicht von zwölf Monaten konnte Agco verbuchen - in Dollar gerechnet beträgt das Plus fast zwei Drittel. Der US-Landmaschinenhersteller ist bei Börsenwert und Umsatz deutlich kleiner als Deere. Im vergangenen Jahr hat der Agrarboom voll in der Bilanz von Agco durchgeschlagen. Das operative Ergebnis stieg von 67 auf knapp 400 Mio. $. An der Spitze der globalen Nummer drei steht der deutsche Martin Richenhagen. Er hat sich vorgenommen, den Umsatz in den kommenden fünf Jahren auf bis zu 8 Mrd. $ zu steigern. Gegenüber 2007 wäre dies nochmals ein Wachstum von knapp einem Fünftel. Neben dem Unternehmenschef stammt übrigens auch ein Agco-Traktor aus Deutschland: Zur Produktpalette zählt die Allgäuer Traditionsmarke Fendt.
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