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23.11.2011, 16:32
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Wenn der Kunde zum direkten Geldgeber wird
Eine ganze Reihe von Firmen verkauft Geldanlagen vor Ort an ihre Kundschaft, statt den Umweg über Börsen und Banken zu gehen. Das kann für den Anleger sehr rentabel sein - aber auch riskant.
von Thomas Strohm
Drei Brötchen, zwei Puddingbrezeln - und eine Anleihe. Kunden der Wiener Feinbäckerei Heberer können derzeit in den Filialen nicht nur Backwaren kaufen, sondern sich auch über eine mögliche Geldanlage informieren. Das Unternehmen aus Mühlheim bei Frankfurt, das mit 350 Filialen vor allem im Rhein-Main-Gebiet, in Berlin und Thüringen vertreten ist, setzt bei der Kapitalbeschaffung auf seine Kunden. So wie eine ganze Reihe von Firmen, die für einen Teil ihrer Finanzierung den unmittelbaren Kontakt zu den Kapitalgebern suchen und dabei Banken sowie Börsen links liegen lassen. Für Anleger können derlei Investments über Anleihen, Darlehen oder stille Teilhaberschaften rentabel sein - sie bergen aber große Risiken.
Der Generalbevollmächtigte der Wiener Feinbäckerei Heberer Kay Hafner sowie die beiden geschäftsführenden Gesellschafter Alexander Heberer und Georg Heberer (v.l.)
"Allenfalls ein kleiner Teil des Vermögens könnte in eine solche Anlage gesteckt werden", mahnt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Wichtig sei, sich das Unternehmen genau anzuschauen: Ist das Geschäftsmodell nachvollziehbar, und wie lange besteht es schon im Wettbewerb? Eine wichtige Orientierungsmöglichkeit fehle nämlich: "Werden die Produkte an der Börse gehandelt, gibt es eine gewisse Kontrolle durch die Finanzmarktteilnehmer", sagt Nauhauser.
Positive oder negative Meldungen schlagen sich im Preis nieder. Fällt diese Kontrolle weg, müssen Anleger selbst schauen, ob die Konditionen gerechtfertigt sind. "Anleger brauchen sehr großes Vertrauen in ein Unternehmen, wenn sie etwa eine nicht börsennotierte Anleihe kaufen", sagt Nauhauser: "Eine solche Geldanlage ist sehr riskant, das spiegelt sich in der höheren Rendite."
Ausgewählte Investments bei Unternehmen
Heberer zahlt sieben Prozent jährlich bei einer Laufzeit von fünf Jahren - angesichts mickriger Festgeldzinsen eine verlockende Offerte. Anleger können ihre Anleihe zwar vor Fälligkeit weiterverkaufen. Da sie aber nicht an einer Börse gehandelt wird, dürfte das so gut wie unmöglich sein. Mindestanlagesumme sind 1000 Euro, 12 Mio. Euro will die Kette insgesamt einsammeln. Davon sei seit dem Start Mitte August schon fast ein Drittel von rund 500 Kunden gezeichnet, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Alexander Heberer.
Die Bäckerei ist in vierter Generation in Familienbesitz. Der Umsatz lag 2010 bei 115 Mio. Euro; in den ersten neun Monaten 2011 gab es einen operativen Gewinn von 2,85 Mio. Euro, ein Plus von 30 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Mit dem Kapital aus der Anleihe will Heberer expandieren und modernisieren, aber auch einen Teil der Bankschulden tilgen. Die Unternehmensfinanzierung sei langfristig aufgestellt, sagt Heberer. Kreditlinien seien gerade erst bis Ende 2013 verlängert worden. Die Anleihe sehen die Bäcker lediglich als Ergänzung zu herkömmlichen Finanzierungsformen.
Teil 2: "Im Insolvenzfall ist das Geld weg"
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FTD.de, 23.11.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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