Wer noch Zweifel am Wandel der Sonnenbrille zum gängigen modischen Accessoire hat, sollte sich nur einmal dort umsehen, wo es auf die ursprüngliche Funktion der Brille nicht ankommt: Egal ob in spärlich beleuchteten Diskotheken oder im künstlich illuminierten Supermarkt, längst gehören Sonnenbrillen bei modebewussten Menschen zum Standardoutfit - unabhängig von der Wetterlage.
Die Hersteller der Produkte profitieren davon, dass aus Brillen mittlerweile salonfähige Vorzeigeprodukte geworden sind. Hinzu kommt, dass Kunden zunehmend bereit sind, für schicken Sonnenschutz deutlich höhere Preise zu zahlen. Gleichzeitig finden auch preiswerte Modelle aus dem Onlinehandel Abnehmer. Weltweit versprechen vor allem die industriellen Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas glänzende Gewinne.
Die wichtigsten Hersteller verfolgen unterschiedliche Strategien, um ihre Marktanteile auszubauen und die Margen zu steigern. Für Anleger mögen auf den ersten Blick einige Unternehmen attraktiv aussehen, denn gerade die kurzfristigen Trends sind Gewinntreiber für das laufende Geschäft. Langfristig ausschlaggebend ist jedoch - neben einer ausgeklügelten Markenstrategie - vor allem die Finanzkraft der Firma. Die erkennen Investoren in erster Linie an einer positiven Entwicklung bei der operativen Marge und an einer steigenden Eigenkapitalrendite.
Das Kriterium der Finanzkraft zeichnet vor allem Essilor aus. Die Aktie des französischen Linsenherstellers ist Mitglied des französischen Leitindex CAC 40 und notiert ungeachtet der jüngsten Korrekturen an den Märkten in der Nähe des Zwölf-Monats-Hochs. Mit der Marke Varilux ist Essilor Pionier bei den Gleitsichtgläsern. Mit Optifog brachte die Gesellschaft im vergangenen Jahr beschlagsfreie Gläser auf den Markt, die sich als Standard unter den Linsen für UV-Schutz etablieren sollen. Zu den Stärken von Essilor zählt es, das organische Wachstum mit gezielten Zukäufen zu ergänzen, die neue Märkte erschließen. Zukäufe und erstmals konsolidierte Marken sorgten im ersten Quartal 2012 für einen Umsatzsprung von 24 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Euro.
Noch besser läuft es bei Luxottica, der aktueller Nummer eins unter den Herstellern von Luxussonnenbrillen. Das Unternehmen mit Sitz in Mailand ist Lizenznehmer für Top-Modemarken wie Prada, Tiffany, Burberry oder Dolce&Gabbana. Bekannteste Eigenmarke sind die Ray-Ban-Sonnenbrillen. Während Westeuropa und Nordamerika zuletzt ein Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich verzeichneten, legten Lateinamerika und Asien um mehr als 25 Prozent zu. Mit zwei Akquisitionen hat sich Luxottica in Lateinamerika positioniert, vor allem in Brasilien. Die Aufgabenverteilung ist damit klar: Während die zugekaufte Tochter Multiopticas mit eigener Produktion und Handelskette das mittlere Preissegment bedient, sind die Luxottica-Produkte auf das Hochpreissegment zugeschnitten.
Die Messlatte für 2012 ist hoch: Der Umsatz soll im oberen einstelligen Prozentbereich, der operative Gewinn auf Konzernebene dagegen doppelt so stark wachsen. Ungeachtet der starken Kursentwicklung hält die Mehrheit der Analysten noch an ihrer Kaufempfehlung fest. Der italienische Konkurrent Safilo muss 2012 dagegen erst mal die Integration der zugekauften Firma Polaroid stemmen und gleichzeitig die schwindenden Umsätze mit Armani verkraften.
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Das Luxuslabel hat den Lizenzvertrag nicht über 2012 hinaus verlängert und wechselt zum Erzrivalen Luxottica. "Die einzelnen Quartalsergebnisse sind in diesem Jahr schwierig einzuschätzen, weil der Effekt aus dem Markenwechsel sich erst abzeichnen muss", kommentiert Analystin Francesca di Pasquantonio von der Deutschen Bank .
Die Aktie tendiert aktuell seitwärts. Entscheidend ist die Frage, ob es Safilo gelingt, neue Lizenzen zu erwerben und die zugekauften Marken besser als erwartet aufzubauen.
In Deutschland ließen Anleger die Titel von Fielmann jüngst zwar links liegen. Analysten halten sie jedoch weiterhin für interessant. Der demografische Wandel und die Preissetzungsmacht von Fielmann sprechen langfristig für das Geschäftsmodell, erläutert Analyst Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe.
Allerdings sollten Anleger beachten, dass das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) der Aktien sowohl des deutschen Produzenten wie auch der großen internationalen Hersteller oftmals bereits über 20 liegt - was die Titel im Vergleich recht teuer macht