FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Inflation in der Euro-Zone bei 2,4 Prozent

Merken   Drucken   31.01.2011, 12:05 Schriftgröße: AAA

Preisauftrieb: Inflation in der Euro-Zone bei 2,4 Prozent

Die steigende Teuerungsrate stellt die Europäische Zentralbank vor ein Dilemma. Ihr Präsident Jean-Claude Trichet muss die Preisstabilität wahren, ohne durch höhere Zinsen die Probleme der schuldengeplagten Peripherie-Staaten zu verschärfen.
Die Inflation in der Euro-Zone beschleunigt sich: Im Januar lagen die Verbraucherpreise laut einer ersten Schätzung des europäsichen Statistikamts Eurostat um 2,4 Prozent über dem Vorjahresmonat. Das ist der schärfste Preisanstieg seit Oktober 2008. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig eine Inflationsrate knapp unter zwei Prozent an.
Nachdem diese Marke zum zweiten Mal in Folge überschritten wurde, wird eine Leitzinserhöhung noch in diesem Jahr wahrscheinlicher. Der Euro  legte nach Veröffentlichung der Daten um 0,3 Prozent auf 1,3653 Dollar zu, weil eine höhere Verzinsung die Gemeinschaftswährung für Anleger attraktiver machen würde.
EZB-Präsident Trichet will notfalls trotz Schuldenkrise den ...   EZB-Präsident Trichet will notfalls trotz Schuldenkrise den Leitzins erhöhen
Bereits der Anstieg der Inflationsrate auf 2,2 Prozent im Dezember hatte eine Debatte darüber ausgelöst, ob die Zentralbank einschreiten sollte. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  kündigte Mitte Januar an, er werde die Lage genau beobachten. Er machte damit deutlich, dass die Zentralbank über die Teuerung besorgt ist.
Bei der EZB-Ratssitzung am Donnerstag erwarten Beobachter allerdings keine Zinserhöhung. Die Frankfurter Zentralbank steht vor dem Problem, dass ein solcher Schritt die Konjunktur in hoch verschuldeten Staaten wie Griechenland, Irland, Portugal und Spanien belasten würde.
Die harten Sparprogramme der Regierungen in diesen Ländern bremsen schon jetzt das Wachstum, in Griechenland wird die Wirtschaft nach Einschätzung der EU-Kommission in diesem Jahr sogar weiter schrumpfen. Eine Anhebung des EZB-Leitzinses von derzeit 1,0 Prozent würde zudem die Kosten von Krediten in ganz Europa erhöhen und damit auch den Schuldendienst der Krisenstaaten weiter verteuern.
Zentralbankchef Trichet machte in der vergangenen Woche allerdings deutlich, dass ihn die Schuldenkrise von einer Zinserhöhung nicht abhalten würde, wenn diese notwendig erscheine: "Alle Länder in der Euro-Zone haben ein immenses Interesse daran, dass die Inflationserwartungen fest verankert sind", sagte Trichet dem "Wall Street Journal". EZB-Direktoriumsmmitglied Lorenzo Bini Smaghi forderte am Donnerstag, die Euro-Zone dürfe den weltweiten Preisschub bei Rohstoffen und Nahrung nicht länger ignorieren.
In einer Zinsumfrage der FTD bei Banken äußerten einzelne Volkswirte die Erwartung, dass die Währungshüter bereits im ersten Halbjahr 2011 den Zins erhöhen. Die Mehrheit rechnet damit aber erst in der zweiten Jahreshälfte. Nur eine Minderheit sagt voraus, dass die Euro-Notenbank mit der Zinserhöhung bis 2012 warten wird.
  • FTD.de, 31.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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