Der Branchenverband BVI kalkuliert die Mehrkosten beispielhaft für einen Riester-Sparplan mit Aktien- und Anleihefonds, die Derivate einsetzen sowie einem Umschichtungsmechanismus folgen, der in schlechten Aktienphasen die Anlegergelder von Dividendentiteln in festverzinsliche Wertpapiere umschichtet. Demnach würde die Besteuerung auf Fonds- und Anteilsebene zusammengerechnet 0,41 Prozent pro Jahr betragen.
Die Belastung für den Anleger wäre gewaltig: Legt ein Fondssparer 40 Jahre lang monatlich 100 Euro zurück und beträgt die jährliche Kapitalmarktrendite fünf Prozent, ergeben sich laut BVI-Rechnung Einbußen von rund 14.000 Euro. Die Kalkulation stammt von Union Investment, Marktführer bei Riester-Fonds. Schließlich sind zwei Drittel der rund drei Millionen Deutschen, die mit Riester-Fonds sparen, Union-Kunden.
Allerdings sind die ermittelten 14.000 Euro nur eine theoretische Summe. Ändern sich die Parameter der Berechnung, verändert sich auch die Belastung. So würden Anlegern, die nicht 40, sondern nur 30 Jahre lang sparen, nur noch 5600 Euro durch die Lappen gehen.
Ein weiterer Faktor, der das Ergebnis beeinflusst, ist die Umschlagshäufigkeit. Sie wird in der Beispielrechnung von Union Investment als Durchschnitt von zwei Fonds mit 1,7 pro Jahr angegeben Das heißt: Das angesammelte Vermögen wird 1,7-mal im Jahr umgeschlagen, dabei werden Käufe und Verkäufe berücksichtigt. Wird eine kleinere Quote gewählt, sinkt die Belastung.
Während Investmentgesellschaften eine Quote von 1,8 für einen Weltaktienfonds als normal bezeichnen, zweifeln Marktbeobachter daran, dass die Rate angemessen ist. "Eine Quote von 1,8 ist hoch. Selbst wenn die Umschlagshäufigkeit dauerhaft über eins liegt, handelt der Fonds relativ viel," sagt Kai Wiecking, Leiter Fondsanalyse bei FWW. Nur Fondsmanager, die quantitativen Ansätzen folgten, dürften so oft umschichten und eine so hohe Turnover-Ratio aufweisen.
Wirtschaftsprofessor Max Otte kommt auf eine deutlich niedrigere Belastung für Kleinanleger: Er kalkuliert, dass Riester-Fondssparer gerade einmal auf 74 Euro verzichten müssen. In seiner Rechnung liegt die Kapitalmarktrendite ebenfalls bei fünf Prozent, der Sparer zahlt auch monatlich 100 Euro ein, lediglich die Laufzeit ist mit 20 Jahren kürzer. Und er nimmt nur eine jährliche Umschichtung von 100 Prozent, also eine Turnover-Ratio von eins an. Mit diesen Parametern würde sich die Belastung des Sparers auf nur 0,05 Prozent des Vermögens belaufen, meint Otte.