EU-Kommissar Barnier hofft auf "sicherere und offenere Finanzmärkte"
Die Reform zielt in erster Linie auf den 600.000 Mrd. Dollar schweren Derivatemarkt ab, der auch Termingeschäfte mit Rohstoffen umfasst. Derivate sind Finanzinstrumente, die zur Absicherung gegen Preisschwankungen von Produkten oder Wertpapieren, aber auch für Spekulationen genutzt werden können. Derzeit wird der Handel mit diesen Finanzinstrumenten hauptsächlich bilateral zwischen den beteiligten Geschäftspartnern abgewickelt. Diese sogenannten Over-the-Counter-Geschäfte (OTC) will Barnier weitgehend unterbinden.
Nach seinem Richtlinienentwurf sollen die Geschäfte künftig grundsätzlich an öffentlichen Handelsplätzen stattfinden. Ausnahmen müssen von der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA genehmigt werden. Unter Handelsplätzen versteht die Kommission traditionelle Börsen, alternative Handelsplattformen - sogenannten Multilateral Trading Facilities (MTF) - sowie Plattformen, die beispielsweise von einzelnen Banken betrieben werden und bislang nicht reguliert sind. Diese Gruppe fasst die Kommission unter dem Begriff "Organised Trading Facilities" (OTF) zusammen. Darunter fallen auch sogenannte Dark Pools, in denen Käufer und Verkäufer unerkannt bleiben. Auch die OTF sollen mit der Reform einem Mindestmaß an Kontrolle unterworfen werden.
Aufsichtsbehörden sollen Rohstoffhändlern Grenzen setzen
Für den Handel mit Rohstoffderivaten werden zudem Berichtspflichten eingeführt: Nach dem Vorbild einer wöchentlich von der US-Terminbörsenaufsicht CFTC vorgelegten Statistik soll auch in der EU künftig aufgeschlüsselt werden, wie viele Rohstoffderivate von Finanzinvestoren gekauft oder verkauft werden.
Überdies sollen die Aufsichtsbehörden die Befugnis erhalten, einzelnen Marktteilnehmern weitere Käufe zu verbieten, "wenn Marktstörungen zu befürchten sind". An einigen Handelsplätzen gibt es solche Positionslimits bereits, ihre Ausgestaltung ist bislang aber den Börsenbetreibern überlassen. Während die CFTC an einer gesetzlichen Regelung für die gesamten USA arbeitet, verzichtete die Kommission aber auf konkrete Festlegungen. Allerdings soll die ESMA überwachen, ob die an verschiedenen Handelsplätzen geltenden Limits konsequent und fair umgesetzt werden.