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Merken   Drucken   08.04.2009, 10:09 Schriftgröße: AAA

Renditekiller: Sparen kostet mehr als Brot  

Die Deutschen geben jedes Jahr mehr Geld für Kapitalanlagekosten aus als für das Grundnahrungsmittel. Eine Studie des Hamburger Analysehauses CapQM errechnet ein jährliches Potenzial von 10 Mrd. Euro, die Anlegern direkt oder über eine höhere Rendite zugutekommen können. von Jutta Reufer (Frankfurt)
Möglich macht dies etwa der Einsatz günstigerer Indexfonds. Auf 24 Mrd. Euro schätzt CapQM-Geschäftsführer Volker Schmitz die Kosten, die Anlegern jedes Jahr durch Lebensversicherungen, Investmentfonds oder Depotverwaltung entstehen. Das ist mehr als die rund 20 Mrd. Euro, die Deutsche für Brot ausgeben. Grundlage ist die Annahme, dass bei einer Marktrendite von vier bis sechs Prozent des Geldvermögens der privaten Haushalte 25 bis 35 Prozent der Erträge an Kreditinstitute, Fondsgesellschaften, Lebensversicherer und Vermögensverwalter fließen. "Damit sind die Kosten ein Renditefresser, der zulasten der privaten Altersvorsorge geht", sagt Schmitz.
Der Kapitalmarktspezialist errechnet in seiner Studie ein Sparpotenzial von jährlich 10 Mrd. Euro. Diesen Betrag könnten Anleger allein dadurch hereinholen, dass sie Angebote günstigerer Depotführung nutzen, Aktiengeschäfte selbst in die Hand nehmen, die Haltedauer von Wertpapieren und Fondsanteilen verlängern und vor allem vermehrt von aktiven in passive Fondsprodukte umschichten. Der Betrag von 10 Mrd. Euro, der so eingespart werden kann, ist größer als die Summe dessen, was Anleger derzeit an Förderung für Riester-Produkte zur privaten Altersvorsorge erhalten, und entspricht etwa einem Prozentpunkt des Rentenbeitragssatzes. Kumuliert auf 30 Jahre ergibt sich eine Summe von 350 bis 700 Mrd. Euro.
Hauptkostenblöcke
Die Hauptkostenblöcke sind schnell identifiziert: 7,8 Mrd. Euro betrugen 2007 allein die Abschlusskosten für Lebensversicherungen, auf 5,8 Mrd. Euro kam die Verwaltung von Aktien-, Renten- und Mischfonds, erhöht um 3,4 Mrd. Euro für Ausgabeaufschläge. Depot- und Transaktionskosten des privaten Wertpapierbesitzes betragen 3 Mrd. Euro.
Schmitz ist überzeugt, dass allein eine Änderung des Anlegerverhaltens die Einsparungen ermöglicht. Hierzu müssen Investoren verstärkt günstigere Indexfonds anstelle von aktiven Investmentfonds und Kapitallebens- beziehungsweise Rentenversicherungen einsetzen. Dabei hat der Experte sogar Honorarberatungskosten für eine Million Gespräche zur vermehrten Aufklärung der Anleger in seinen Szenarien mit eingearbeitet.
Die Forderungen von CapQM lassen sich schnell zusammenfassen: mehr Produkttransparenz, aufgeklärtere Anleger und der Ausbau der Honorarberatung. Nur gegen die hohen Kursverluste, die Anleger an den Börsen seit vergangenem Jahr hinnehmen mussten, hat Schmitz kein Rezept.
  • Aus der FTD vom 08.04.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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