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Merken   Drucken   25.04.2012, 13:18 Schriftgröße: AAA

Rohstoff Kupfer: "Wir leben in einer verfluchten Welt!"

Der Hedge-Fonds Red Kite ist einer der größten Akteure am Kupfermarkt. Seine Chefs sind evangelikale Christen - und nicht immer bester Stimmung.
© Bild: 2012 Bloomberg/JEAN-CLAUDE COUTAUSSE
Der Hedge-Fonds Red Kite ist einer der größten Akteure am Kupfermarkt. Seine Chefs sind evangelikale Christen - und nicht immer bester Stimmung.
von Lausanne und Frankfurt

Wandern die Hedge-Fonds aus London in die Schweiz ab? Red Kite Capital Management bleibt der City jedenfalls treu. Am interessanten Nachtleben liegt das allerdings nicht. "Es ist schon richtig, dass London ein spannendes Pflaster ist", sagt Red-Kite-Mitgründer David Lilley. "Ich bin aber langweilig. Ich würde besser nach Zug passen."

Auch wenn sich Lilley bewusst als graue Maus präsentiert: In der Rohstoffwelt wird jede seiner wenigen öffentlichen Äußerungen genau beachtet. Denn die Hedge-Fonds-Gesellschaft Red Kite - benannt nach einem vom Aussterben bedrohten Raubvogel - gehört mit einem Anlagevolumen von rund 1 Mrd. Dollar, das über fünf Fonds verteilt ist, zu den wichtigsten Akteuren im Handel mit Kupfer und anderen Industriemetallen. Aufgesetzt 2005, verfügt Red Kite über hervorragende Informationen über Angebot und Nachfrage, unter anderem in China.

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Gehandelt werden nicht nur Derivate, sondern auch die Metalle an sich. Lilley und sein Geschäftspartner Michael Farmer lernten ihr Handwerk bei der deutschen Metallgesellschaft, die 2000 ihre Handelsabteilung an den US-Energiehändler Enron verkaufte. Wer Investor bei Red Kite ist, muss starke Nerven haben. 2006 legte der Hedge-Fonds Red Kite Metals 188 Prozent zu, 2007 stürzte er um 50 Prozent ab, um 2008 wieder 19,8 Prozent zuzulegen. 2009 blieb er mit einem Minus von 0,9 Prozent nahezu konstant, 2010 fiel er um 25 Prozent.

Lilley und Farmer werden in der Finanzbranche "God Squad" genannt, die "Mannschaft Gottes". Beide sind evangelikale Christen, die regelmäßig in der Kirche St. Helen's Bishopsgate in der Nähe der London Metal Exchange den Gottesdienst besuchen. Manchmal richten sie gar das Wort an die Gemeinde: "Wir leben in einer verfluchten Welt, verflucht von Gott!", sagte Farmer im November. "Wir leben in einer gebrochenen Gesellschaft, die Nationen sind am Ende. Schaut euch die Euro-Zone an. Leben ist ein Kampf, und am Ende wartet der Tod."

Ganz so düster, wie Farmer die Welt sieht, blickt Lilley zumindest nicht auf den Kupfermarkt. Derzeit kostet die Tonne rund 8200 Dollar, seit Jahresbeginn sind die Notierungen um rund zehn Prozent gestiegen. Lilley bezeichnet das als "komfortabel". Zwar habe die chinesische Nachfrage enttäuscht. Das Wachstum der US-Wirtschaft sorge aber dafür, dass der Preis stabil bleibe. Keine Preisspitze? Kein Preiseinbruch? Da muss man Lilley wohl recht geben: Das ist wirklich langweilig.


Ärger mit Lagerhäusern
Gefragt Lagerhäuser, in denen Metall aufbewahrt werden kann, waren früher unabhängig. Zuletzt kauften sie Händler und Banken auf. Henry Bath gehört beispielsweise heute JP Morgan Chase.
Gefährlich Kritiker sehen darin die Gefahr von Interessenkonflikten. Händler können über ein Lagerhaus Informationsvorteile gewinnen und andere aussperren. Die Londoner Metallbörse LME verbietet das zwar. Red-Kite-Manager David Lilley ist trotzdem wachsam: "Es gibt einige Lagerhäuser, die wir meiden", sagte der Hedge-Fonds-Manager.

 

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  • FTD.de, 25.04.2012
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