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Merken   Drucken   21.06.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Rohstoffe: Chinas Rohstoffhunger stoppt Preisverfall

Kaum springt die Wirtschaft in der Volksrepublik wieder an, wächst der Bedarf des Landes an Industriemetallen. Das freut Produzenten und Lieferanten. Abnehmer der Rohstoffe machen Spekulanten mit verantwortlich. von Thomas Koch
Chinas Ölgigant Petrochina geht auf Einkaufstour: Stahl, Kupfer, Zement und andere Rohstoffe wolle das Staatsunternehmen beschaffen, kündigte Firmensprecher Mao Zefeng im Mai an. "Wir glauben, es ist eine gute Idee, jetzt zu kaufen, wo die Preise so niedrig sind", sagte Mao in einem Zeitungsinterview. Die Rohstoffe will Petrochina beim Bau von Raffinerien, Chemiefabriken und Pipelines nutzen - oder einfach erstmal lagern.
Petrochina ist kein Einzelfall: Chinas Rohstoffhunger ist wieder da. Das Land importierte im April Rekordmengen an Kupfer, Eisenerz, Aluminium, Zink oder Nickel. So führte China 57 Millionen Tonnen Eisenerz ein - ein Allzeithoch und 33 Prozent mehr als im April 2008. Die Kupferimporte stiegen um 63 Prozent auf 400.000 Tonnen, die Rohöleinfuhren um 14 Prozent auf 3,95 Millionen Barrel.
Ein Grund ist, dass Chinas vorwiegend auf Infrastrukturbau setzendes milliardenschweres Konjunkturpaket zu greifen beginnt. So werden im Rahmen des Pakets etwa die Stromnetze ausgebaut - und dafür braucht China viel Kupfer. Im ersten Quartal stiegen die Anlageinvestitionen um knapp 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr, im April sogar um 34 Prozent. Investitionen in Branchen wie etwa dem stark geförderten Eisenbahnbau explodierten laut dem Finanzdienstleister Shihua in den ersten vier Monaten gar um 128 Prozent.
Treibende Nachfrage
Ein weiteres wichtiges Zeichen: In der inzwischen weltweit drittgrößten Volkswirtschaft nach den USA und Japan verbuchte das verarbeitende Gewerbe dank einer Zunahme der Exportaufträge im Mai ein leichtes Wachstum.
Der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) fiel im Mai zwar leicht auf 53,1 Punkte von 53,5 Zählern im Vormonat, blieb damit aber den dritten Monat in Folge über der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. Der viel beachtete Einkaufsmanagerindex des in Hongkong ansässigen Forschungsinstituts CLSA stieg sogar auf ein Zehn-Monats-Hoch von 51,2 Punkten nach 50,1 Zählern im April.
Die Nachfrage Chinas treibt manche Preise bereits wieder hoch. Die Ölpreise im New Yorker Handel etwa durchbrachen Mitte Mai erstmals seit November die Schwelle von 60 $ pro Barrel; Kupfer sprang an der Londoner Metallbörse etwa gleichzeitig auf 4595 $ pro Tonne. "Das Anziehen der chinesischen Wirtschaft ist eine gute Nachricht für Lieferanten von Investitionsgütern und Rohstoffen", sagt Tao Wang, Ökonomin bei UBS in Peking - und weist besonders auf Brasilien und Australien hin.
Volksrepublik sorgt für starke Nachfrage
Preismacht Das Beispiel Aluminium zeigt den enormen Rohstoffbedarf Chinas. Derzeit nutzt das Land auch die günstigen Preise, um die Lagerbestände aufzustocken. Allein im April legten Chinas Nettoimporte von Aluminium um 3500 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, bei Zink und Blei lagen die Zuwachsraten bei 2200 und 900 Prozent.
Volksrepublik sorgt für starke Nachfrage   Volksrepublik sorgt für starke Nachfrage
Bemühungen um direkte Beteiligungen
In einem typischen Deal unter-zeichneten die australische Waratah Coal und die Metallurgical Corporation of China (MCC) kürzlich eine Absichtserklärung zur Ausbeutung von 1,4 Milliarden Tonnen Kohle im Galilee-Becken in Queensland.
Demnach wird MCC Ingenieursleistungen liefern, zur Finanzierung beitragen - und dafür jedes Jahr 30 Millionen Tonnen Kohle abnehmen dürfen. Der brasilianische Ölkonzern Petrobras hatte im Februar mit den chinesischen Ölkonzernen Sinopec und CNPC die Lieferung von bis zu 160.000 Barrel Öl pro Jahr vereinbart und bekommt dafür eine Kreditlinie der China Development Bank von über 10 Mrd. $.
Zugleich bemüht China sich um direkte Anteilskäufe an Ölfeldern - beispielsweise im Mittleren Osten und Afrika - oder Minenkonzernen. Derzeit muss Australien entscheiden, ob Chinas Aluminiumgigant Chinalco seinen Anteil am heimischen Minenkonzern Rio Tinto von 12 auf 18 Prozent erhöhen und damit der wichtigste Einzelaktionär werden darf.
Australiens Ministerpräsident Kevin Rudd soll den Deal unterstützen. Australien prüft jeden Einzelfall - so erlaubte es im Mai dem chinesischen Stahlkonzern Anshan Steel, bis zu 36,28 Prozent am Erzförderer Gindalbie Metals zu kaufen. Im März aber blockierte es aus Sicherheitserwägungen die Übernahme des Gold- und Kupferproduzenten OZ Minerals durch Chinas staatlichen Metallgiganten Minmetals.

Teil 2: Spekulanten setzen auf steigende Preise

  • FTD.de, 21.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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