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Merken   Drucken   14.06.2009, 08:00 Schriftgröße: AAA

Rohstoffe: Mit Rohstoffen gegen die Teuerung

Als Mittel zur Diversifikation haben Rohstoffinvestments zuletzt versagt. Doch als Schutz gegen eine drohende Inflation wird eine Depotbeimischung künftig von großer Bedeutung sein. von Gerd Hübner
Harry Markowitz war in den vergangenen Jahren ein gefragter Mann. Kaum eine Marketingabteilung in der Finanzbranche versäumte es, den US-Ökonomen, Begründer der modernen Portfoliotheorie und Nobelpreisträger zu bemühen. Es war sein wissenschaftlicher Nachweis der positiven Effekte eines diversifizierten Portfolios auf Rendite und Risiko, auf den sich Banken und Vermögensverwaltungen beriefen.
Die Idee klang simpel und einleuchtend. Da in den vergangenen Jahrzehnten nie sämtliche Anlageklassen gleichzeitig einbrachen, mache es Sinn, das Anlagevermögen eines Portfolios breit zu streuen. Also nicht nur auf Aktien und Anleihen zu setzen, sondern auch auf Immobilien, Private Equity und Rohstoffe. Dies sollte bei zugleich hohen Renditen Stabilität ins Portfolio bringen.
Der Stein der Weisen schien gefunden. Bis die Finanzkrise kam. Imvergangenen Jahr gaben die Preise auf allen diesen Märkten nach. Auch die zur Stabilisierung gedachten Rohstoffnotierungen fielen zeitgleich mit den Aktienkursen. "Es war eine Ausnahmesituation", sagt Rohstoffexperte Christoph Eibl von Tiberius Asset Management. "Dieser Gleichlauf hatte seine Ursache darin, dass die Preisanstiege fast aller Anlageklassen nicht durch fundamentale Faktoren bestimmt, sondern von Liquidität getrieben waren."
Das Argument
Eine bis dahin außergewöhnliche Entwicklung. "In normalen Zeiten unterliegen Aktien und Rohstoffe unterschiedlichen Einflussfaktoren, weshalb deren Korrelation in der Regel negativ ist", erläutert Frank Schallenberger, Leiter des Rohstoffteams der LBBW. Zum Beispiel in Phasen steigender Inflationsraten. "Diese sind für Aktien Gift, deren Kurse sinken. Die Notierungen von Rohstoffen aber steigen, wenn die Inflation sich beschleunigt."
Dabei ist es weniger das Argument der Streuung, sondern vielmehr das der Inflation, warum sich jetzt eine langfristige Beimischung von Rohstoffen im Portfolio auszahlen dürfte. Denn genau das ist es, was viele Marktbeobachter erwarten. "In Amerika und Europa findet eine starke Ausweitung der Geldmenge statt", sagt Eibl. Regierungen und Notenbanken werfen gewaltige Mengen an Liquidität auf den Markt, die Staatsverschuldung steigt, die Notenbanken kaufen Staatsanleihen auf.
All das, befürchtet Eibl, könne sich in einer steigenden Teuerungsrate niederschlagen. Könnte. "Ja, die Möglichkeit besteht, ist aber nicht zwingend", sagt Investmentexperte Heinz-Werner Rapp von Feri Family Trust.
Wichtigster Rohstoff-Index auf Erholungskurs   Wichtigster Rohstoff-Index auf Erholungskurs
Inflationäre Entwicklung
Immerhin haben die Zentralbanken die Chance dagegenzusteuern. Doch sieht er eine andere, schlimmere Gefahr: "Die Notenbanken kaufen toxische Papiere für heimische Währung, das heißt, sie tauschen in ihrer Bilanz Qualität gegen Papiere minderer Qualität, bei denen absehbar ist, dass sie nicht zurückgezahlt werden."
Für die auf der anderen Seite der Notenbankbilanz stehende Währung bedeutet dies, dass sich auch deren Qualität verschlechtert, die Währung also an Wert verliert. "Irgendwann werden die Menschen das erkennen", sagt Finanzprofi Rapp. "Ein Vertrauensverlust in den Wert der Währung setzt ein, und dann werden die Ersten damit beginnen, die Preise für ihre Produkte zu erhöhen."
Das wäre der Beginn einer inflationären Entwicklung. In solchen Zeiten, das lehrt die Vergangenheit, suchen Anleger nach Sicherheit. Sie investieren in reale Anlagen, die, anders als Geld, das durch die Inflation entwertet wird, dem Werterhalt dienen. Wie in den Siebzigerjahren. Damals lag die Inflationsrate zeitweise dauerhaft bei über sechs Prozent pro Jahr. "Der Preis für Gold, das klassische Mittel zur Wertaufbewahrung, stieg aber von 1972 bis Ende der Siebzigerjahre von 50 auf 600 $", sagt Eibl.

Teil 2: Gold als sicherer Hafen

  • FTD.de, 14.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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