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Merken   Drucken   26.11.2012, 17:52 Schriftgröße: AAA

Rohstofffonds: Extreme Märkte, extremes Risiko

Breit streuende Rohstofffonds haben zuletzt schlecht abgeschnitten. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Die Konzentration auf Einzelrohstoffe ist riskant.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Mars Incorporated.
Breit streuende Rohstofffonds haben zuletzt schlecht abgeschnitten. Und Besserung ist vorerst nicht in Sicht. Die Konzentration auf Einzelrohstoffe ist riskant.
von Julia Groth

Nachdem der Goldpreis im Oktober leicht nachgegeben hatte, befindet er sich mittlerweile wieder im Aufwärtstrend. Für eine Unze Feingold (31,1 Gramm) müssen Investoren derzeit rund 1750 Dollar oder 1350 Euro auf den Tisch legen. Rohstoffspezialisten rechnen damit, dass der Preis auch im nächsten Jahr weiter steigen wird. "Die Argumente für Preissteigerungen sind nach wie vor intakt", sagt Stephan Werner, Manager des Fonds Commodity Plus der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Anleger flüchten unter anderem wegen der Unsicherheit aufgrund der Euro-Krise in Gold. Zudem fürchten viele eine steigende Inflation als Folge der aktuell lockeren Geldpolitik der großen Notenbanken.

Auch bei anderen Edelmetallen sieht es gut aus. In Südafrika haben zuletzt etwa Minenstreiks die Platinförderung unter Druck gesetzt. "Das könnte das Platinangebot 2013 verknappen", sagt Werner. Bei Agrarrohstoffen ist das Bild dagegen gemischt. Weizen, Mais und Soja verzeichneten im laufenden Jahr rasante Preissteigerungen aufgrund der Dürre in den USA, mittlerweile erholt sich das Angebot aber. "Wir werden 2013 nicht unbedingt noch einmal solche Preissteigerungen sehen wie im laufenden Jahr", sagt Werner. Sogenannte Soft Commodities wie Kakao, Zucker, Kaffee und Baumwolle haben zuletzt geschwächelt, die Preise könnten indes nach Ansicht von Experten den Boden erreicht haben. "Die Entwicklung von Soft Commodities hängt vom individuellen Markt ab, weniger von der Weltwirtschaft", sagt Werner.

Die aktuelle Situation macht das Dilemma deutlich, in dem sich Rohstofffonds befinden. Die einzelnen Subsektoren entwickeln sich extrem unterschiedlich, kaum jemals laufen alle von ihnen gleichzeitig gut. Gewinne aus einem Subsektor werden oft von Verlusten aus einem anderen weitgehend aufgefressen. So auch zuletzt. "Wer in diesem Jahr auf den breiten Rohstoffmarkt gesetzt hat, hat kaum etwas verdient", sagt Frank Schallenberger, leitender Rohstoffanalyst der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Und das tun die meisten Rohstofffonds. Der überwiegende Teil orientiert sich am breit gestreuten Index Dow Jones -UBS Commodities. Im laufenden Jahr haben diversifizierte Rohstofffonds durchschnittlich 0,35 Prozent verloren, zeigen Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar. Auf Drei-Jahres-Sicht schafften sie im Schnitt gerade einmal 3,6 Prozent Plus jährlich.

Wollen Privatanleger in Rohstoffe investieren, haben sie kaum eine andere Möglichkeit, als zu breit streuenden Fonds zu greifen. Einzelne Märkte lassen sich zwar mittlerweile auch über Instrumente wie Exchange-Traded Commodities (ETCs) abdecken. Die Konzentration auf Einzelrohstoffe ist aber riskant. Noch wagemutiger ist es, Rohstoffinvestments auf eigene Faust über den komplexen, schnelllebigen Futures-Markt zu tätigen.

Auch Manager von Rohstofffonds investieren über Futures, haben durch ihre Erfahrung aber bessere Karten als Privatanleger, wenn es darum geht, das größte Problem dieser Finanzinstrumente anzugehen: die Rollverluste. Diese können entstehen, wenn Manager Terminkontrakte vor ihrer Fälligkeit in den nächsten Terminkontrakt "rollen", um eine physische Auslieferung des jeweiligen Rohstoffs zu vermeiden. Ist der folgende Kontrakt teurer als der erste, spricht man von "Contango" - es entsteht ein Verlust.

Rollverluste können sich dramatisch auf die Wertentwicklung von Rohstofffonds auswirken. Anleger sollten deshalb darauf achten, einen Fonds zu kaufen, der diese Verluste minimiert. Die LBBW etwa hat für ihre Produkte eigene Indizes berechnet, in denen Futures mit tendenziell hohen Rollverlusten außen vor bleiben. Im Oktober hat das Institut darüber hinaus Agrarrohstoffe aus ihren Indizes geworfen. "Viele Investoren hatten mit Agrarrohstoffen ein ethisches Problem", sagt LBBW-Analyst Schallenberger.

Eine Alternative zu klassischen Long-only-Rohstofffonds, die ausschließlich auf steigende Kurse spekulieren, sind Produkte, die alternative, teils marktneutrale Strategien verfolgen und unter anderem auch auf fallende Kurse setzen können. Mit klassischen Commodity-Investments haben die Fonds zwar nicht viel zu tun. Dafür könnten sie im nächsten Jahr aber besser abschneiden. "Long-only-Manager werden es im nächsten Jahr extrem schwer haben", ist Henning Beck überzeugt, Manager des alternativen Rohstofffonds Commodity Invest der Frankfurter Fondsboutique Lupus Alpha, der zusätzlich versucht, Kapital aus der Volatilität am Markt zu schlagen. Das Interesse an vielen Rohstoffen sei an den Terminmärkten deutlich rückläufig.

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  • FTD.de, 26.11.2012
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