FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » US-Finanzindustrie klagt gegen Derivateregulierung

Merken   Drucken   03.12.2011, 10:43 Schriftgröße: AAA

Rohstoffmarkt: US-Finanzindustrie klagt gegen Derivateregulierung

Die amerikanische Aufsichtsbehörde CFTC will den Handel mit Derivaten auf dem Rohstoffmarkt einschränken. Die US-Finanzindustrie will das verhindern und reicht Klage ein. Die neue Regeln würden der Wirtschaft schaden, heißt es in den Gerichtsunterlagen
Zwei große amerikanische Finanzbranchenverbände zerren die für den Derivatehandel zuständige Börsenaufsicht CFTC vor Gericht. Die International Swaps and Derivatives Association (ISDA) und die Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) wollen die geplante schärfere Regulierung des Handels mit Öl, Metallen und Getreide stoppen.
CFTC-Chef Gary Gensler bekommt Gegenwind   CFTC-Chef Gary Gensler bekommt Gegenwind
Die Handelsvereinigungen argumentieren, dass die neuen Regeln den Märkten schaden könnten. Die Vorschriften hätten Mängel, reduzierten die Liquidität und erhöhten die Volatilität, warnten die Verbände. "Die CFTC hat ihr Statut falsch interpretiert. Der Kongress hat die CFTC nicht dazu aufgefordert, Positionslimit einzuführen, ohne vorher zu prüfen, ob die US-Wirtschaft etwa über steifende Nahrungsmittel- und Energiepreise geschädigt wird", heißt es in den Unterlagen, die bei zwei Gerichten in Washington eingereicht wurden.
Die ISDA vertritt die außerbörslichen Derivatehändler, die SIFMA mehrere hundert Banken, Versicherungen und Vermögensverwalter, darunter Goldman Sachs , JP Morgan  oder die amerikanische Tochter der Deutschen Bank .
Die USA wollen auf den Rohstoffmärkten durchgreifen und Spekulationsgeschäfte einschränken. Die CFTC hatte im Oktober nach langer und kontroverser Debatte einen Entwurf zur Regulierung verabschiedet, der die Spielregeln des milliardenschweren Geschäfts grundlegend verändern würde. Kernpunkt ist der Vorschlag, die Zahl der von einem Händler gehaltenen Kontrakte zu begrenzen.
CFTC-Chef Gary Gensler  verspricht sich davon eine Beruhigung der Preisentwicklung. Weite Teile der Branche wollen sich solche Fesseln aber nicht anlegen lassen und warnten davor, dass Investitionen dann nach Übersee auf weniger streng regulierte Märkte abwandern.
Der Entwurf ist Teil der Umsetzung des Dodd-Frank-Gesetzes, mit dem die USA die Lehren aus der Finanzkrise ziehen wollen. Die in den USA vorgeschlagenen Einschränkungen würden eine jahrhundertealte Praxis beenden. Banken wie Morgan Stanley  und Agrarhändler wie Cargill wären gezwungen, einen wichtigen Geschäftszweig zurückzufahren. Auch der Zufluss von Investorenkapital und das Engagement von Hedgefonds ließen nach. Andererseits hoffen Luftfahrtgesellschaften und Landwirtschaft auf einen besseren Schutz vor einer Erhöhung ihrer Kosten. Entwicklungshelfer und Ernährungslobbyisten werfen den Spekulanten seit langem vor, Hunger und Not in der Welt zu vergrößern.
07:13:12 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Goldman Sachs 96,86 USD   -1,20%  -1.18
JP Morgan Chase 33,97 USD   -0,85%  -0.29
Deutsche Bank 29,08 EUR   +0,83%  0.24
Morgan Stanley 13,31 USD   -0,45%  -0.06
  • Reuters, 03.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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